Rabbis protestieren in Jerusalem gegen Friedensplan

24. Juni 2003, 06:37
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Sharon soll kein "biblisches Land" aufgeben

Jerusalem - Hunderte Rabbis haben am Montag gegen den internationalen Friedensplan protestiert und den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon aufgefordert, kein biblisches Land aufzugeben. "Wir sprechen im Namen des jüdischen Volkes", sagte Shalom Gold von der Jerusalemer Har-Nof-Gemeinde auf einer Konferenz der Rabbi-Vereinigung für das Volk und das Land Israels. "Es ist verboten, das Land fortzugeben." Die jüdischen Geistlichen forderten Sharon auf, den Palästinensern keine Gebiete des Gaza-Streifens und des Westjordanlandes mit biblischer Geschichte zuzugestehen.

Die Rabbis kritisierten auch den Abriss von jüdischen Siedlungen ohne Bauerlaubnis der Regierung, der in dem Friedensplan vorgesehen ist. Sie bezeichneten den Abriss in einer Erklärung als "schrecklichen Akt", der zur Auflösung aller Siedlungen führen werde. "Der Regierung ist es durch die Bibel verboten, Vorposten oder Siedlungen aufzulösen", hieß es.

Die Rabbi-Vereinigung lehnt zwar das Übergangsabkommen zwischen den Konfliktparteien von 1993 ab, das den Palästinensern eine begrenzte Selbstverwaltung einräumt, doch hatte sie sich in den vergangenen Jahren politisch meist zurückhaltend geäußert. Mit der Annahme des Friedensplans durch Sharon änderte sich dies. Der von den USA, der EU, der UNO und Russland entwickelte Friedensplan sieht unter anderem ein Ende des Baus jüdischer Siedlungen in den Palästinenser-Gebieten und die Schaffung eines Palästinenser-Staates bis 2005 vor.

Israel hatte Ostjerusalem, den Gaza-Streifen und das Westjordanland im Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzt. Viele Juden betrachteten dies als die Rückgewinnung ihrer biblischen Gebiete. In weiten Teilen der Palästinenser-Gebiete entstanden jüdische Siedlungen, was von der internationalen Gemeinschaft als illegal bezeichnet wird. Die Gebiete dienen Israel aber auch als Pufferzone zu jenen arabischen Nachbarländern, mit denen es noch keinen Friedensvertrag gibt. (APA/Reuters)

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