Grasser stoppt "Minerva"-Arbeitskreis

23. Juni 2003, 22:40
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Finanzminister soll "inoffiziell" eingegriffen haben - Der Grund: Er verwehrt sich gegen einen Verkauf des Voestalpine-Staatsanteils an Magna

Wien - Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat nach Informationen der Tageszeitung "Kurier" (Dienstagausgabe) den in der ÖIAG eingerichteten Arbeitskreis gestoppt, der laut einem aktuellen "profil"-Bericht den Verkauf des 34,7-prozentigen Staatsanteils an der voestalpine an Magna vorbereitet haben soll. Es werde keinen Verkauf an die Magna geben, Grasser wolle eine "österreichische Lösung", zitiert die Zeitung das Büro des Finanzministers.

"Inoffiziell"

Das Eingreifen Grassers, der zwar Repräsentant des Eigentümers, aber für die Privatisierung des ÖIAG-Anteils nicht direkt zuständig ist, sei "inoffiziell" erfolgt, schreibt der "Kurier".

Ebenso "inoffiziell" ist freilich auch der Arbeitskreis, der ein Konzept unter den Codenamen "Minerva" verfasst haben soll, in dem Möglichkeiten diskutiert werden, wie der Magna-Konzern die Kontrolle über 90 Prozent der voestalpine-Aktien erlangen könne. Dem Arbeitskreis sollen der ÖIAG-Vorstand, zwei Magna-Manager und vier Banker des Investmenthauses JP Morgan angehören. Die ÖIAG wollte die Existenz eines solchen Gremiums weder bestätigen noch dementieren und erklärte am Montag, ein Verkauf an Magna sei "nur eine Variante".

Kein offizielles Privatisierungskonzept

Offiziell liegt bis dato noch kein Privatisierungskonzept des ÖIAG-Vorstands für den voestalpine-Anteil vor. Bisher hatte die ÖIAG immer von einem drei Jahre andauernden "Begleitschutz" gesprochen, in dem der ÖIAG-Anteil auf 25 Prozent abgebaut werden, aber die Staatsholding als strategischer Investor erhalten bleiben solle.

Der ÖIAG-Vorstand sei wegen des Vorgehens in dieser Sache "rücktrittsreif", kommentiert der "Kurier". Die "Kronen Zeitung", die in ihrer Dienstagausgabe breit über die massive Kritik an dem Verkaufsplan berichtet, bezeichnet dagegen zwei ÖIAG-Aufsichtsräte als "rücktrittsreif" - Magna-Manager Siegfried Wolf und den ebenfalls im ÖIAG-Kontrollorgan sitzenden Industriellen Cornelius Grupp, der sich für die Schienensparte der voestalpine interessieren soll.

Österreichischer Kernaktionär

Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat Magna als potenziellen Käufer des 34,7 Prozentigen Staatsanteils der voestalpine in der "ZIB 2" zwar nicht ausgeschlossen, es werde aber eine "Ergänzung des Privatisierungsauftrags der österreichischen Regierung an die ÖIAG geben, dass ein heimischer Kernaktionär gesichert wird und eine Zerschlagung des Unternehmens nicht stattfindet". Das "einzige, das für mich vom TIsch ist", so Grasser, sei der Vorschlag des oberösterreichischen SPÖ-Chefs Erich Haider, das Land solle kaufen. "Der Bund wird nicht privatisieren, indem man an ein Land oder eine Stadt verkauft".

Was die Konkretisierung des Privatisierungsauftrags betrifft, sagte Grasser, er werde der Regierung vorschalgen, dass der ÖIAG-Vorstand eine Privatisierung über die Börse prüft sowie eine Privatisierung über den Verkauf der Anteile der Republik an Finanzinvestoren. Ob Magna über die Hintertür wieder hereinkommen könne, beantwortete Grasser damit, dass es "nicht darum geht, wer hineinkommt. Es ist nicht Aufgabe, potenzielle Interessenten auszuschließen".

Sein Rückkehrrecht zu Magna spiele bei der ganzen Causa keine Rolle. "Nach meiner Zeit in der Politik werden sich viele Optionen auftun". Es gebe jedenfalls auch für ihn keinen Interessenskonflikt, meinte der von der FPÖ ins ÖVP-Regierungsteam gewechselte Finanzminister.

Insgesamt ist es Grasser ein Anliegen, dass die "beste Lösung für die Mitarbeiter" der voestalpine erzielt wird. "Es muss die Eiheit des Unternehmens gewahrt bleiben. Eine Zerschlagung, eine Filetierung, kommt für uns nicht in Frage". (APA)

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