NTT-DoCoMo: "Wir machen i-mode, weil es Geld bringt"

23. Juni 2003, 14:51
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UMTS-Erfolg erst dann, wenn Preis, Dienste und Handys mit GSM vergleichbar sind

Der i-mode-Europachef des japanischen Mobilfunkkonzerns NTT DoCoMo, Yusuke Kanda, hat am Montag die Wertekette im europäischen Mobilfunk kritisiert: "Die GSM-Anbieter haben bei ihren Datendiensten die Wertekette zu wenig berücksichtigt", erklärte Kanda in Wien anlässlich der Mobilfunk-Konferenz "m-Business-2003". UMTS werde sich erst dann durchsetzen, wenn es vergleichbare Preise, Dienste, Bedienbarkeit und Endgeräte-Akkudauer besitze wie GSM. Das Gewinnpotential eines UMTS-Videotelefonates ist laut einer heut präsentierten Experten-Befragung aber ohnehin marginal.

"Mobilfunk ist wie eine Ökosystem in einem Regenwald."

Dass sich i-mode, ein in Japan überaus erfolgreicher Datenübertragungsstandard und UMTS-Vorläufer, im Land der aufgehenden Sonne durchgesetzt habe, sei auf die penible Einhaltung einer "value chain" (Wertekette) zurückzuführen, die vom Inhalt über die Serverleistung bis hin zum Endgerät reiche. Kanda: "Mobilfunk ist wie eine Ökosystem in einem Regenwald. Wichtig ist das Zusammenspiel zwischen Mobilfunkanbieter, Technik und Inhaltelieferanten."

"Weil es Geld bringt"

Während die UMTS-Anbieter derzeit noch kein Geld verdienen würden, zeigte sich Kanda mit dem durchschnittlichen Umsatz pro Nutzer (ARPU) bei i-mode sehr zufrieden. "Warum machen wir i-mode? - Weil es Geld bringt", so Kanda. Wichtig sei, das das Angebot dem Inhalt angepasst wird und es eine offene Plattform für Inhalte-Anbieter gibt. Kanda: "Für uns ist nicht interessant, wer welchen Inhalt anbietet."

i-mode wird derzeit außerhalb Japans über Partnerschaften von NTT DoCoMo mit lokalen Netzbetreibern in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Spanien geschlossen. Auch in Italien steht NTT DoCoMo derzeit vor einer i-mode-Partnerschaft mit Wind.

Zahlen

Die bei der m-Business-Konferenz vorgelegten Zahlen zeigen das Gewinnpotential von Datendiensten - auch im GSM-Bereich. Demnach beträgt der Gewinn pro Megabyte bei Klingeltönen 14.000 Euro, bei SMS 1.500 Euro und bei MMS 50 Euro. Ein fünfminütiges Gespräch hingegen würde nur 9,1 Euro erwirtschaften, ein 90-minütiges Video - sprich ein klassischer UMTS-Dienst - gar nur 1 Cent.

Für 2003 wird ein weltweiter m-Commerce-Umsatz von 83 Mrd. Dollar erwartet, so das Ergebnis einer Expertenbefragung in Österreich im Rahmen des von der EU geförderten Projektes MB-net. Das entspreche einer jährlichen Wachstumsrate von etwa 220 Prozent. In Japan würden bereits seit der Einführung im Februar 1999 über 22 Mio. Kunden - fast zwei Drittel aller Handybesitzer - i-mode nützen.

SMS

Trotz des bereits erfolgten UMTS-Startes in Österreich erwarten sich die heimischen Experten in den nächsten eineinhalb Jahren die höchste m-Commerce-Erträge nach wie vor vom GSM-Kurzmitteilungsdienst SMS. Als Vorreiter beim m-Commerce sehen die Fachleute Japan und Finnland, Österreich bewege sich im Mittelfeld.(APA)

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