Punkteführerschein kann jährlich 150 Tote verhindern

23. Juni 2003, 18:56
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VCÖ und KfV begrüßen Ankündigung von Verkehrsminister Gorbach

Wien - Die Ankündigung von Verkehrsminister Hubert Gorbach (F), den Punkteführerschein in Österreich einführen zu wollen, begrüßten am Montag der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) und das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV.

Die Zahl der Verkehrstoten könne um bis zu 150 pro Jahr reduziert werden. Laut KfV befürworten rund 77 Prozent der Bevölkerung das neue System. Die Organisationen forderten die rasche Umsetzung.

Wirksamer Schutz gegen Autorowdys

"Gegen mehrfach auffällige Lenker, die durch extreme Raserei, gefährliches Überholen, Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss oder Geisterfahrten andere Verkehrsteilnehmer gefährden, kann man nicht nur mit immer höheren Strafen und längeren, nicht aufeinander abgestimmten Führerschein-Entzügen gegensteuern", so KfV-Direktor Othmar Thann. Der lange geforderte Punkteführerschein sei ein wirksamer Schutz gegen Autorowdys.

"Gefährliche Delikte"

In Frankreich, England und Deutschland habe sich das System laut Thann seit Jahren bewährt. Es gehe nicht um die Verfolgung geringer Tempoüberschreitungen oder von Parkdelikten. "Verfolgt werden sollen nur wirklich gefährliche Delikte, wie zum Beispiel Rasen im Ortsgebiet mit 100 km/h."

"Wer den Punkteführerschein in Österreich einführt, rettet Jahr für Jahr etwa 150 Menschenleben", sagte VCÖ-Sprecher Martin Blum. Die Gefahr, in Österreich im Straßenverkehr zu sterben, sei etwa doppelt so groß wie in Großbritannien, das zu den sichersten Ländern der EU zählt und seit mehr als dreißig Jahren den Punkteführerschein hat.

Nicht jeder fährt perfekt

Das geplante System akzeptiert, dass nicht jeder ein perfekter Fahrer ist und sieht vor, dass diese Schwächen beseitigt werden, hieß es. Es wirke wie eine Impfung gegen Führerscheinentzug. Deshalb dürften die Autofahrerclubs die Einführung nicht blockieren, so der VCÖ.

Thann kritisierte, dass Österreich den geringsten Strafsatz für Verkehrsdelikte innerhalb Europas habe. "Ein Punktesystem schafft, dass bedrohliche Lenkerkarrieren frühzeitig erkannt und diese mit individuellen Maßnahmen gestoppt werden können."

"Unausgegorene Idee"

"Derzeit mehr offene Fragen als Antworten", sieht der Verkehrssprecher der SPÖ Burgenland, LAbg. Gerhard Pongracz, in Zusammenhang mit der Ankündigung von Infrastrukturminister Hubert Gorbach (F), den Punkteführerschein einzuführen.

Grundsätzlich sei zwar jede Initiative zur Senkung der Zahl von Toten und Verletzten durch Verkehrsunfälle zu begrüßen - die Idee des Punkteführerscheins sei aber unausgegoren. Er halte nichts von einem Schnellschuss, der im Endergebnis lediglich zu mehr Bürokratie führe, erklärte Pongracz am Montag in einer Presseaussendung.

"Sanktionen ausreichend"

Die derzeitigen gesetzlichen Sanktionen gegen Verkehrssünder seien ausreichend, so der SP-Politiker. "Das Problem ist nicht, dass die Gesetze nicht scharf genug sind - es geht darum, ob auch genügend kontrolliert wird." Durch die angespannte Personalsituation bei der Exekutive werde es immer schwieriger, für die nötige Dichte der Kontrollen im Verkehr zu sorgen. "Daran wird auch der Punkteführerschein nichts ändern." (APA)

derStandard.at
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Gorbach plant Punkteführerschein

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    Die Zahl der Verkehrstoten kann bei Einführung des Punkteführerscheins um bis zu 150 pro Jahr reduziert werden

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