Sorgen um Residenzverlag

23. Juni 2003, 13:03
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Die Autoren Alex Capus und Peter Henisch solidarisieren sich mit dem Verlag

Salzburg - Die Autoren Alex Capus und Peter Henisch solidarisierten sich mit "ihrem" Verlag, dem Salzburger Residenzverlag. "Sollte der neue Eigentümer der Literaturverlage Residenz, Deuticke und Brandstätter, die Geschäftsführerin Martina Schmidt entlassen, dann gehe ich auch", sagte der erfolgreichste "Residenz-Autor" Alex Capus, Von "Verbrechen gegen die österreichische Literatur" sprach Peter Henisch, weil der neue Eigentümer, die Stuttgarter Klett-Gruppe, "hauptsächlich kommerzielle Maßstäbe anlegen will."

Breitenwirksam

Capus, der vor drei Jahren dem Diogenes-Verlag den Rücken gekehrt hat und seither drei Romane bei Residenz herausgebracht hat, sagte, "gerade erfolgreiche Verlagshäuser haben die Pflicht, sich Schönes, aber wenig Breitenwirksames zu leisten." Die Zusammenarbeit mit dem Team des Residenz Verlages sei hervorragend, alle bemühten sich und arbeiteten viel, erläuterte der Dichter. "Da geht es um Vertrauen und persönliches Engagement." Den neuen Eigentümern hingegen vertraut Capus offenbar weniger: "Ich habe eine Klausel im Vertrag, die es mir ermöglicht, mich zurückzuziehen, wenn mir die Entwicklung im Verlag nicht passt. Aber solange es geht, bleibe ich dem Residenzverlag treu."

Ähnlich Peter Henisch: "Der Verlag tut viel für meine Bücher. Aber die neuen Eigentümer müssen wissen, dass sie nicht nur für viele relevante Gegenwartsautoren, sondern für einige der wichtigsten österreichischen Autoren der vergangenen 30 Jahre verantwortlich sind. Peter Handke, Franz Innerhofer, Gernot Wolfgruber, H.C. Artmann, Alois Brandstetter, Julian Schutting oder Thomas Bernhard sind ja nicht irgendwer. Diese Leute kann man nicht nur nach den Maßstäben der 'New Economy' beurteilen", so Henisch im APA-Gespräch.

Mainstream

"Literarisch-künstlerisch ist der Mainstream keine Qualitätsgarantie. Die 'Kulturnation' Österreich kann sich abmelden, wenn Geschäftsführer von Verlagen die Autoren veranlassen wollen, Manuskripte zu schreiben, die auch verkaufsfähig seien (so Klett-Geschäftsführer Tilmann Michaletz im "profil", Anm.). Da scheint ein Missverständnis vorzuliegen, wir schreiben keine Auftragswerke", argumentierte Henisch. "Ein Autor kann dem Verlag zwar entgegenkommen, aber nicht bis zum Musikantenstadl", so der Autor, der seit rund 15 Jahren beim Residenzverlag ist. "Ich verlange von den neuen Eigentümern mehr Behutsamkeit und Respekt vor Gewachsenem". (APA)

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