Paris: Keine Verhandlung mit Teheran über Auslieferung

23. Juni 2003, 19:04
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Geheime Absprachen dementiert - Außenministerium Teheran: Frankreich hat völlig unabhängig gehandelt

Paris - Die französische Regierung hat bestritten, mit Teheran über die Auslieferung von verhafteten Mitgliedern der iranischen Volks-Mujaheddin zu verhandeln. Weder seien Verhandlungen im Gange, noch würden sie ins Auge gefasst, sagte ein Sprecher des französischen Außenministeriums am Montag. Er deutete an, die Äußerungen seines iranischen Kollegen könnten nicht richtig wiedergegeben worden sein.

Der Sprecher des Außenministeriums in Teheran, Hamid-Reza Assefi, hatte zuvor über Verhandlungen im Bezug auf inhaftierte Volks-Mujaheddin berichtet. Zugleich hatte er betont, es habe keine geheime Absprachen mit Paris vor der Razzia gegen die iranische Oppositionsgruppe in der vergangenen Woche gegeben habe. Frankreich habe in dieser Sache völlig unabhängig gehandelt.

165 Mitglieder der Volks-Mujaheddin festgenommen

Teheran hatte die Großrazzia bei Paris am Dienstag voriger Woche begrüßt. Die französische Polizei hatte zunächst 165 Mitglieder der islamisch-marxistischen Gruppierung festgenommen. Siebzehn Exil-Iraner, unter ihnen die nominelle Chefin des "Nationalen Widerstandsrates" der Volks-Mujaheddin, Marjam Rajavi, kamen in Untersuchungshaft. Beschlagnahmt wurden unter anderem umfangreiches Computermaterial, "ausgeklügelte Übertragungssysteme", sowie ein Koffer mit 1,3 Millionen Dollar in 100-Dollar-Noten. Nach französischen Justizangaben wird den Festgenommenen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Finanzierung terroristischer Handlungen vorgeworfen. Nach der Razzia war es in mehreren europäischen Hauptstädten zu Selbstverbrennungsversuchen von Exil-Iranern gekommen.

Volks-Mujaheddin auf Terrorliste der USA und EU

Die Volks-Mujaheddin stehen auf den Terrorlisten der USA und der Europäischen Union. Seit dem Sturz des irakischen Regimes von Saddam Hussein galt der Pariser Vorort Auvers-sur-Oise als Hauptsitz der Organisation, mit deren Milizverbänden im Irak die US-Truppen einen Waffenstillstand geschlossen haben. Der "Nationale Widerstandsrat" war größtenteils von Saddam Hussein finanziert worden. Die Volks-Mujaheddin haben Frankreich beschuldigt, mit dem Regime in Teheran "aus politischen Gründen einen Deal geschlossen" zu haben.(APA/dpa)

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