PeopleSoft weist neues Oracle-Angebot zurück

25. Juni 2003, 00:13
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"Weißer Ritter" soll Unternehmen vor der Übernahme retten

Der US-Software-Hersteller PeopleSoft hat mit der Ablehnung eines erhöhten Übernahmeangebots seines Rivalen Oracle den Weg geebnet für Gespräche mit einem so genannten "weißen Ritter", der das Unternehmen vor der Übernahme retten soll.

Software für die nächsten zehn Jahre

Dies habe die Führungsspitze (Board) am Donnerstag beschlossen, teilte PeopleSoft am Freitag mit. Einzelheiten nannte ein Unternehmenssprecher allerdings nicht. Zugleich kündigte Oracle an, im Falle einer Übernahme von PeopleSoft dessen Anwender-Software für Geschäftskunden für mindestens zehn Jahre weiter zu entwickeln.

Gespräche oder Verhandlungen

Der PeopleSoft-Board sei zu dem Schluss gekommen, dass diekünftigen Umstände es ratsam oder nötig machten, dass das Unternehmen Gespräche oder Verhandlungen suche mit dritten Parteien über "außerordentliche Transaktionen" wie einen Verkaufsvorschlag oder eine Fusion, hieß es in einer Mitteilung.

Der deutsche Oracle-Konkurrent SAP hatte bereits vor einigen Tagen erklärt, nicht als weißer Ritter auftreten zu wollen. Oracle will mit dem angestrebten PeopleSoft-Erwerb vor allem SAP in deren Kerngeschäft Unternehmenssoftware stärker Konkurrenz machen.

Täuschungsstrategie

Oracle-Chef Larry Ellison warf der PeopleSoft-Führung eine Täuschungsstrategie vor, in der sie behaupte, ihre Kunden müssten im Falle einer feindlichen Übernahme zu Oracle-Produkten wechseln. "Wir werden mindestens in den kommenden zehn Jahren damit fortfahren, PeopleSoft-Produkte zu entwickeln und zu verbessern, auch länger, falls Kunden eine weitere Betreuung verlangen", erklärte Ellison.

Zuvor hatte PeopleSoft auch das erhöhte milliardenschwere Übernahmeangebot von Oracle abgelehnt. Grund für die Entscheidung sei der ungewisse Ausgang der kartellrechtlichen Prüfung einer Fusion und die erklärte Absicht von Oracle, Produkte von PeopleSoft einzustellen, gab das Unternehmen bekannt. Beides würde den Geschäften von PeopleSoft irreparablen Schaden zufügen, hieß es. Oracle hatte dem PeopleSoft-Management im Gegenzug vorgeworfen, die Interessen der eigenen Aktionäre zu ignorieren.

Zweifel

Viele Branchenkenner hegen allerdings Zweifel an der Argumentation von PeopleSoft. Sie betrachten den Markt für Unternehmenssoftware als fragmentiert und reif für eine Konsolidierung.

Der weltweit zweitgrößte Software-Hersteller Oracle hatte am Mittwoch sein Angebot auf 19,50 Dollar je PeopleSoft-Aktie von bislang 16,00 Dollar erhöht. Das Gesamtvolumen der Offerte steigt damit auf 6,3 Milliarden Dollar von zuvor 5,1 Milliarden Dollar. PeopleSoft hatte daraufhin seinerseits mit dem bereits angekündigten eigenen Übernahmeangebot für den kleineren Konkurrenten J.D. Edwards im Volumen von 1,75 Milliarden Dollar begonnen. Oracle lehnt dieses Geschäft ab.(Reuters)

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