Mosambiks Palmen für Europas Strom

14. Juni 2012, 06:08
76 Postings

Durch eine eingeschleppte Palmen-Krankheit haben viele Bauern ihre Lebensgrundlage verloren - Ein Vorarlberger will den Menschen und der Umwelt helfen

Wenn es nach Peter Pichler geht, dann ist die Gegend um Quelimane im Norden Mosambiks bald abgeholzt. Der 60-jährige Vorarlberger will hier mehrere Millionen Palmen fällen und ihr Holz nach Europa schippern. Wenn alles gutgeht, hilft das den Menschen vor Ort und der Natur.

Einst galt die Gegend um Quelimane als größte Kokospalmplantage der Welt. Dann kam die Lethal Yellowing Disease. Zuerst traf es nur die Nüsse. Sie fielen zu früh von den Palmen und hatten seltsame, braune Flecken, die sich faulig-weich angriffen. Dann verdorrten die Blüten der Palmen, die Blätter verfärbten sich gelb. Seither sind Millionen Palmen verendet. Heute ragen kilometerweit nur mehr blattlose Stämme in den Himmel.

Palmen unheilbar krank

Für die Kleinbauern waren die Palmen viel mehr als eine Verdienstmöglichkeit: Sie verkauften nicht nur die Nüsse, sie bauten ihre Häuser aus ihrem Holz und deckten ihre Dächer mit ihren Blättern. Seit die Krankheit in Mosambik wütet, haben sie ihre Lebensgrundlage verloren.

Peter Pichler versucht sie manchen von ihnen zurückzugeben - mit einem Biomassekraftwerk. Er kam vor 17 Jahren erstmals in das Land, als Mitarbeiter einer Hilfsorganisation. In Quelimane sollte er mit einer NGO helfen, die Palmen zu retten - ohne Erfolg.

Die Krankheit stammt ursprünglich aus dem Süden Floridas, wo sie bereits in den 1960er-Jahren zigtausende Palmen dahinraffte. Von dort breitete sie sich zuerst im mittelamerikanischen Raum aus, vor einigen Jahren kam sie nach Westafrika - wie, das ist bis heute nicht geklärt. Eine Theorie ist, dass sie über Grassamen aus den USA eingeschleppt wurde, mit denen Golfplätze begrünt werden sollten - ein besonders bitterer Infektionsweg in einem der ärmsten Länder der Welt.

Pellets aus Palmen

Weil die Krankheit nicht heilbar ist, versuchte Pichler zumindest die Epidemie einzudämmen. Er scheiterte, weil die Bauern ihre Palmen nicht fällen wollten, und wenn sie es doch taten, dann weigerten sich ihre Nachbarn.

Drei Millionen Palmen sind bisher verendet, bis zu sieben Millionen weitere könnten in den kommenden Jahren noch folgen. In den toten Stämmen nistet zudem der Nashornkäfer, der neugesetzte Jungpflanzen frisst, bevor sie wachsen können. Pichler kam daher auf eine neue Lösung: aus den Palmen Pellets zu machen.

Sie zu verarbeiten statt sie vor Ort verrotten zu lassen oder zu verbrennen würde 94 Prozent CO2-Ausstoß sparen, meint Pichler. Wenn sie in Europa zum Stromerzeugen benutzt werden, wäre das trotz des langen Transports immer noch deutlich umweltfreundlicher als der aktuelle Energiemix.

Verarbeitung im Land

Er will die Palmen fällen, in einer Fabrik vor Ort kleinhäckseln und ihr Holz pressen, sodass sie verschifft werden können. Im Gegensatz zur aktuellen mosambikanischen Holzindustrie wäre das ein Fortschritt: Zwar wird im großen Stil gefällt, aber nicht im Land verarbeitet. 130.000 Tonnen Pellets sollen so jährlich entstehen - etwa ein Sechstel des aktuellen österreichischen Jahresverbrauchs.

Der Bau an der Anlage hätte im Juli beginnen sollen. Dann sprang kurzfristig ein Investor ab, nun wird nach neuem Geld gesucht. Wird es gefunden, soll allein die Fabrik 500 Menschen in der Region Arbeit geben. Wenn genug alte Palmen gefällt und Schädlinge entfernt sind, soll wieder aufgeforstet werden: Einerseits sollen resistente Palmarten gepflanzt werden, andererseits schnellwachsende Bäume wie Eukalyptus.

Und auch für Pichler könnte sich das Unternehmen lohnen: Bis 2020 soll doppelt so viel Biomasse in Europa zur Stromerzeugung verheizt werden wie jetzt, schätzt die EU in einem Bericht von 2010. Der Großteil dieses Wachstums soll auf Pellets entfallen. (Tobias Müller aus Beira, DER STANDARD, 14.6.2012)

  • Einst galt die Gegend um Quelimane im Norden Mosambiks als größte Kokospalmen-Plantage der Welt. Heute ragen auf vielen Quadratkilometern nur mehr die toten Stämme in den Himmel.
    foto: pichler

    Einst galt die Gegend um Quelimane im Norden Mosambiks als größte Kokospalmen-Plantage der Welt. Heute ragen auf vielen Quadratkilometern nur mehr die toten Stämme in den Himmel.

Share if you care.