Spitalspersonal ist gefordert, aber nicht überfordert

13. Juni 2012, 19:32
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Der Krankenanstaltenverbund wollte wissen, wie die Mitarbeiter in den Spitälern mit der Arbeitsbelastung zurechtkommen. Gut, lautet die Antwort. Viele Ärzte wünschen sich aber ein anderes Dienstzeitmodell

Wien - Körperlich und psychisch belastende Tätigkeiten und das meist im Schichtdienst - Berufe im Gesundheitswesen sind zweifelsohne anstrengend. Doch wie erleben die Menschen, die im Krankenhaus Patienten pflegen oder operieren, ihren beruflichen Alltag? Der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) wollte wissen, wie seine Mitarbeiter mit den Anforderungen in den Gemeindespitälern zurechtkommen und hat von März bis Mitte April knapp 24.000 Fragebögen verteilt. 51 Prozent kamen zurück. Das Ergebnis: 38,71 Punkte, das bedeutet, die Spitalsmitarbeiter im Krankenanstaltenverbund kommen insgesamt "gut" zurecht. Der Zeitdruck ist für die meisten der Befragten die größte Belastung.

Die Befragung wurde von einer externen Firma mittels "Arbeitsbewältigungs-Index Plus" durchgeführt. Dieser beschreibt, inwieweit ein Arbeitnehmer in der Lage ist, seine Arbeit angesichts von Arbeitsanforderungen, Gesundheit und mentalen Ressourcen zu bewältigen. Die vier Beurteilungen lauten: "Sehr gut" (Arbeits fähigkeit erhalten), "gut" (Arbeitsfähigkeit unterstützen), "mäßig" (Arbeitsfähigkeit verbessern), "kritisch" (Arbeitsfähigkeit wiederherstellen).

Apotheker am zufriedensten

Von den Berufsgruppen erzielten Spitalsapotheker, Chemiker, Psychologen und Sozialarbeiter mit 41,90 den höchsten Wert beim Arbeitsfähigkeits-Index, gefolgt von den Ärzten (40,15 Punkte), den medizinisch-technischen Diensten (39,82) und dem diplomierten Pflegepersonal (38,54 Punkte). Am schlechtesten wurde die Arbeitsbewältigung von Pflegehilfen beurteilt: mit 35,88 Punkten nur "mäßig".

Immerhin gaben insgesamt 92 Prozent an, dass sie sich für ihre Tätigkeit ausreichend qualifiziert fühlen und ihre Kompetenzen in ihrem Job auch einsetzen können. 86 Prozent kommen mit ihrer derzeitigen Arbeitszeitform gut zurecht.

Lediglich die Ärzte sind weniger zufrieden - ein Drittel hat mit den Dienstzeiten ein Problem. Für KAV-Generaldirektor Wilhelm Marhold zeigt das Ergebnis, dass "die uralten Dienstzeitmodelle der Spitalsärzte nur Belastungen schaffen". Bis 13 Uhr würden sich im Tagdienst etwa die Operationen stauen, danach beginne bereits der Nachtdienst. Marhold sieht darin auch ein Signal an die Gewerkschaft, ein neues Dienstzeitmodell zu verhandeln. Marhold: "Das Ergebnis zeigt, dass viele Ärzte mit dem derzeitigen Dienstzeitmodell nicht mehr zufrieden sind."

Weiters wurde auch die Führungsqualität von Abteilungsleitern als sehr wichtig bewertet. "Unser Besetzungssystem ist zwar sehr ausgeklügelt", betont Marhold. Bewerber durchlaufen mehrere Hearings. Trotzdem sollen nun für Primarärzte und Leiter im Pflegebereich noch zusätzliche Weiterbildungsmöglichkeiten im Managementbereich angeboten werden. (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD, 14.6.2012)

  • Meist im Eilschritt unterwegs: Das Personal in Spitälern leidet besonders unter Zeitdruck.
    foto: standard/newald

    Meist im Eilschritt unterwegs: Das Personal in Spitälern leidet besonders unter Zeitdruck.

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