Die Aura des Merchandisings

13. Juni 2012, 19:29
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Plamen Dejanoff spielt mit der Uneindeutigkeit von Objekten

Wien - Autonome Skulpturen oder doch eher Verweise auf eine Idee? Dingliche Stellvertreter nach dem Prinzip des Merchandisings? Dieser Flirt mit der Mehrdeutig-, ja sogar Uneindeutigkeit ist für die künstlerische Arbeit von Plamen Dejanoff charakteristisch. Nicht selten hinterfragt er Markt und Ökonomie anhand der Figur des Künstlers, also sich selbst.

Arbeitsweisen wie etwa die Kooperation mit Herstellern von Statussymbolen und Markenprodukten oder die Aneignung von Sponsoringverfahren nutzt der einst unter dem Namen "Dejanov" im Duo mit Svetlana Heger tätige Künstler auch für seine Soloprojekte. Zum Neuanfang rieten Consulter zur Wohnort- und Namensänderung - vom "v" zum "ff"; ein Vorgang, der die Künstleridentität bewusst auf eine Stufe mit zu etablierenden Marken setzt.

Dejanoffs Auftritt als Künstler ist ebenso geplant und inszeniert wie nun in der Wiener Galerie Emanuel Layr einige minimalistische Sandsteinformen. Mit zwei roten Lampen sind die Platten geradezu auratisch in Szene gesetzt; die edle Illuminierung erhebt auch vier übereinandergestapelte Europaletten im Raum daneben in Kunstzusammenhänge. Nur ein gläserner "Clown" sät Zweifel.

Die Objekte aus Sandstein sind simple Gussformen für die Bauteile seines Projekts "The Bronze House", das Dejanoff seit 2006 verfolgt. Verkauft er die Formen, gedeiht auch das Haus. Insgesamt erwarb Dejanoff sieben benachbarte Häuser in seiner Heimatstadt Veliko Tarnovo, die er in Kooperation mit prestigeträchtigen europäischen Museen (ein Partner ist das Mumok) zu Bauskulpturen transformiert: Zwergenableger großer Häuser, platziert in architektonischer Eintracht im musealen Brachland Bulgariens. Hat Dejanoff mit dem ambitionierten Unterfangen Erfolg, entsteht ein fantastisch schiefes Bild. Ein Bild, zu dessen Erfolg seine unentschlossenen Objekte zwischen Kunst und Sponsoringtool beigetragen haben werden. Allein das legitimiert die Verunsicherung, die sich beim Betrachten einstellt. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 14.6.2012)

Bis 30. 6., Galerie Emanuel Layr, An der Hülben 2, 1010 Wien

  • Die Aura des Kunstwerks im Zeitalter der standardisierten Euro-Palette: Einblick in die Ausstellung von Plamen Dejanoff (geb. 1970 in Veliko Tarnovo, Bulgarien) in der Galerie Emanuel Layr.
    foto: galerie layr

    Die Aura des Kunstwerks im Zeitalter der standardisierten Euro-Palette: Einblick in die Ausstellung von Plamen Dejanoff (geb. 1970 in Veliko Tarnovo, Bulgarien) in der Galerie Emanuel Layr.

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