Zu Deutschland halten

14. Juni 2012, 17:16
  • Es kann wohl kein Zufall sein, dass es für kein Volk in Europa so viele Schimpfnamen gibt.
    foto: dapd/mario vedder

    Es kann wohl kein Zufall sein, dass es für kein Volk in Europa so viele Schimpfnamen gibt.

Kann Österreich den Minderwertigkeitskomplex endlich überwinden, oder bleibt Deutschland der ergiebige Lieblingsfeind?

Pro: Deutschlaaaaaand!
Von Tobias Müller

Rational zu erklären ist der Deutschenhass ja nicht: Wenn man schon den Spaß am Fußball vornehmlich nicht aus eigenen Siegen zieht, sondern aus fremden Niederlagen, wäre etwa Amerikanisch-Samoa ein viel vernünftigerer, weil ergiebigerer Lieblingsfeind. Das Land hält unter anderem den Rekord im Hoch-Verlieren (31:0 gegen Australien) und hat schon mal 30 Länderspiele lang nicht gewonnen.

Sicher: Einst haben Deutsche und Österreicher Hand in Hand noch heute gültige Maßstäbe gesetzt in Sachen Unmenschlichkeit. Heute aber sind die allermeisten Deutschen freundliche, angenehme Leute, die nicht nur fleißig Medizin studieren, sondern sich auch fast rührend an ihrer Mannschaft erfreuen. Und die wirklich miesen Charaktere werden längst nicht mehr stolz im Nationalteam präsentiert, sondern etwa in den Vatikan abgeschoben.

Diese Veränderung war nicht selbstverständlich, die Deutschen haben dafür jahrzehntelang hart an sich gearbeitet. Warum also freuen wir uns nicht einfach mit ihnen?


Kontra: Kein Mitleid für Schweini
Von Michael Möseneder

Geld und Moral muss man trennen. Schließlich hat der Autor dieser Zeilen im STANDARD-internen EURO-Wettspiel getippt, dass Deutschland Europameister wird. Damit er wenigstens irgendeinen Grund zur Freude hat, wenn dieses Ärgernis eintritt.

Und nicht, dass jetzt der Vorwurf des österreichischen Minderwertigkeitskomplexes kommt: Es kann wohl kein Zufall sein, dass es für kein Volk in Europa so viele Schimpfnamen gibt. Fiebert man also mit Deutschlands Gegnern mit, hat man das gute Gefühl, Teil einer großen Gemeinschaft zu sein.

Gut, der Unsympathler-Faktor im Team hat sich in den vergangenen Jahren reduziert. Mit Oliver Kahn und Lothar Matthäus kann Bastian "Schweini" Schweinsteiger nicht mithalten. Mitleid muss man trotzdem nicht haben, wenn er wieder einen entscheidenden Elfmeter verschießt.

Was ja das Einzige ist, was Nicht-zu-Deutschland-Halter versöhnen könnte: eine unglückliche Finalniederlage der DFB-Elf. Auch wenn dann der Wetteinsatz perdu ist. (Rondo, DER STANDARD, 15.6.2012)

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das ist kein komplex

wenn man zu italien hilft, wenn es gegen deutschland geht.

objektiv betrachtet

Als in Südafrika geborene und aufgewachsene, seit über 20 Jahren in Österreich lebende Österreicherin (Anm.1: von Geburt an, Anm.2: österreichicher Vater, deutsche Mutter), die viel Urlaub in Deutschland wie auch in vielen anderen Ländern gemacht hat, muss ich leider feststellen, dass die Deutschen, und das sage ich als Österreicherin, gesamt gesehen (Ausnahmen bestätigen die Regeln) meistens wesentlich offener, freundlicher, zuvorkommender und herzlicher sind als die Österreicher UND die Österreicher scheinbar wirklich einen Minderwertigkeitskomplex haben, SONST würde dieser ganze Pro&Kontra-Artikel gar keinen Platz in dieser Zeitung finden -> dann wäre das ganze gar kein Thema PUNKT

schaltet die klimalage ein, gehts ins freibad oder legt euch einfach schlafen
aber um himmels willen bitte nicht so ein schwaches inhaltsloses dahin-geschreibsel fabrizieren wie in diesem artikel

ja, so ist das wenn in Ösistan über Andersartige geredet wird: der eine gesteht ihnen gönnerhaft zu, sich gebessert zu haben, der andere redet sich seinen Rassismus schön.
Sich mal selbstkritisch oder zumindest selbstironisch mit dem eigenen Bratensaft zu beschäftigen ist hierzulande scheinbar nicht drin. Schade irgendwie, würde aus Österreich ein deutlich sympathischeres Land machen.

"Sich mal selbstkritisch oder zumindest selbstironisch mit dem eigenen Bratensaft zu beschäftigen "

Stellt sich natürlich auch die Frage ob jemand der mit Schlagwörtern wie "Ösistan" um sich wirft seinen eigenen Ratschlag beherzigt. :)

"Und nicht, dass jetzt der Vorwurf des österreichischen Minderwertigkeitskomplexes kommt: Es kann wohl kein Zufall sein, dass es für kein Volk in Europa so viele Schimpfnamen gibt.

Herr Möseneder, Sie vermischen in einem kurzen Artikel die banale Sache, nicht für das DFB-Team zu halten mit Schimpfworten für ein ganzes Volk, die wohl kein Zufall sein können, also für Sie wohl berechtigt sein müssen. Sie rechtfertigen Volksverhetzung, obwohl es nur um Fußball geht!

In großer Gemeinschaft sind Sie, Herr Möseneder, auch im arabischen Raum. Dort sind es nämlich die Israelis, die von ihren Nachbarn allesamt gehasst werden. Vermutlich auch kein Zufall, oder?

Schon mal in Deutschland gewesen?

Ich wette die meisten Grantler hier und sonstwo in Österreich waren noch nie im Leben in Deutschland. Dann würden sie nämlich feststellen, dass die Deutschen generell wesentlich offener, liberaler und herzlicher sind als die meisten Österreicher (allen voran die Wiener) - und weniger grantig. In Deutschland können sogar österreichische Kabarettisten auftreten und über die Deutschen herziehen und man lacht über sich selbst und ist auch in der Lage sich die eigene Vergangenheit einzugestehen und aufzuarbeiten. Hier in Österreich wird es das wohl nie geben.

Im übrigen gilt auch hier wieder: Einzelne Ausnahmen bestätigen die Regel, beiderseits.

Doch, war ich und Nein sind sie nicht. Besonders in der Gegend um Aachen ist man eher reserviert (Im Zug von Köln nach Aachen wurden eher "undeutsch" aussehende Mitreisende vom Rest auch gern mal kritisch beäugt), in Nürnberg kommt einem ein gar Wienerischer Grant entgegen und über unterkühlte Bremer lasse ich mich hier lieber nicht aus.

Und jetzt bitte nicht vom "ursupertollen" weltoffenen Bionade-Bourgeoisie-Biotop Berlin auf ganz Deutschland schließen...

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In Deutschland können sogar österreichische Kabarettisten auftreten und über die Deutschen herziehen und man lacht über sich selbst
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http://www.youtube.com/watch?v=754vh-kEY1U

Ich halte zu den Niederländern

Denen muss man eines zugute halten: Sie sind die weitaus konsequenteren Nicht-mehr-Deutschen als wir!

vor allem haben sie den Vorteil, dass sie diesmal zumindest in der Vorrunde mitspielen dürfen…

Selbst, wenn sonst keiner in Österreich zu ihnen hält. Einer tut es immer. Unser Erzherzog Karl am Heldenplatz, der "beharrliche Kämpfer für Deutschlands Ehre". Das ist quasi in Stein gemeißelt!
So einer reicht doch für ein ganzes Volk, oder? ;-)

Und wenn sie dann gewinnen, dann liegt "ganz Deutschland" sicher nicht in "Ach und Schmach", wie man in Tirol singen würde.

Ein ernst gemeinter

Ratschlag eines Österreichers: Wer glaubt "Probleme" mit Deutschland zu haben, sollte einmal ein paar tage dort Urlaub machen. Empfehle sehr die Gegend um Rhein und Mosel. Da lässt scih so manches gerne und lang gehegtes Vorurteil abbauen.

Go, Deutschland, go

Ich hab auch gewettet, dass sie Europameister werden!

Die österreichischen Deutschen, die ich bis jetzt die Freude hatte kennenzulernen, waren alle sehr sympathische und auch trinkfeste Menschlinge. Die sollen nur zu uns kommen, ich freu mich. Einzig nervig: sie erklären mir immer, wir Ösis hätten kein gutes Bier. Da weint er dann, mein sonst so schläfriger Nationalstolz. Wer stößt schon ein Ottakringer von der Bettkante?

das liegt halt an der weiten Verbreitung der Industrieplörren Gösser, Zipfer, Wieselburger etc. (wobei Zipfer davon mMn noch das Trinkbarste ist). Es gibt hervorragendes Bier in Österreich, aber vor allem die regionale Bierkultur ist in Deutschland schon noch deutlich ausgeprägter. Das hat hier in den 60er/70er-Jahren die Brauunion leider alles plattgewalzt.

Das mit dem Bier ist ja interessant. Grundsätzlich werden die Biere in D, Ö und CZ ja nach demselben Reinheitsgebot gebraut. Es handelt sich bei den "Sorten" lediglich um verschiedene Stammwürzen bzw. Gärungsprozesse. Die Deutschen trinken übrigens am liebsten Pils, tschechisches Bier.

Womit man wieder mal sieht: "Die Deutschen" gibt's gar nicht. Bayern sind auch Deutsche. Erzähl denen mal, dass sie am liebsten Pils trinken. Und den Rheinländern.

Wer stößt schon ein Ottakringer von der Bettkante?

Jener, mit einigen zuviel intus.
;-)

Bezüglich dem Thema "Deutsches Bier ist das Beste" finde ich folgende Sendung sehr interessant:

http://www.zdf.de/ZDFmediat... -verloren!

die Zeiten wo der obige Ausspruch galt sind mittlerweile leider vorbei...

Die Doku ist aber ziemlich traurig

Habe auch schon von mancher Seite gehört, dass die Amis des guten Bierbrauens mächtig sind. Interessant. An deutschen Bieren, die man am heimischen Markt kaufen kann, fällt mir jetzt nur das Erdinger ein. Mehr is es glaub ich auch ned.

Stimmt, Erdinger ist wohl mit das Beste, was man genießen kann!

Natürlich gibt es mehr. Importbier gibts beim Spar oder Merkur. Das sind Sorten wie Warsteiner, Bitburger, Becks etc. Die meisten deutschen Biere sind wie das Schwechater eher regionale Produkte.

Sänks for se Tipp
Muss ich zugeben, Warsteiner oder Bitburger ist mir aktiv noch nicht aufgefallen. Becks finde ich gut, jep.

Überhaupt hab ich jetzt von dem ganzen Bier-Geschreibe total Guster auf eines gekriegt. Egal ob des deutsch oder ösisch is. Prost

Was wäre die Welt ohne Weißwurst, Sauerkraut, Lindenstrasse und Derrick? Ich mag die Deutschen jedenfalls und grüße meine dortigen Freunde!
Beim Fussball drücke ich für Holland die Daumen,
psssst - nicht weitersagen!

Lasst doch bitte die Deutschen in Ruhe! Wem deren Fussball nicht gefällt, der wird nicht gezwungen die Daumen zu für sie zu drücken. Stereotypen, Schablonen, Vorurteile, Ressentiments bringen zwar eindeutige Haltungen ins Gehirn, sind jedoch fern der Realität. Gute und Schlechte gibt's überall. Oder sind gar Fritzl, Priklopil usw. sowie korrupte Politiker unsere Aushängeschilder?

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