Salzburger Villenbesitzer fürchten um Festungsblick

13. Juni 2012, 18:55
84 Postings

Nachdenkpause im Streit um die Verbauung des Salzburger Rehrlplatzes an der Altstadtgrenze: Nach Protesten sollen die Pläne überarbeitet werden

Salzburg - Eine Tiefgarage mit 70 Stellplätzen, Verkaufs- und Dienstleistungsflächen im Erdgeschoß, Ordinations- und Büroflächen im ersten Stock und knapp 50 Wohnungen unter den teilweise begrünten Dächern - richtige Großprojekte sehen anders aus. Und doch sind die fünf Häuser, die vom privaten bayerischen Bauträger Cassco am Salzburger Rehrlplatz geplant sind, das seit langem umstrittenste Bauprojekt in der Landeshauptstadt.

Aktuell liegt das etwa 5500 Quadratmeter große Grundstück am nördlichen Brückenkopf der Nonntaler Brücke neben dem Unfallkrankenhaus weitgehend brach. Eine aufgelassene Tankstelle wird als provisorischer Parkplatz genutzt. Ursprünglich wäre hier die Einfahrt in den Kapuzinerbergtunnel geplant gewesen. Mit dem Aus für den Stadtbergtunnel Anfang des Jahres wurde der Weg für eine Wohnbebauung frei.

Politisch getragen wird das Bauvorhaben von Planungsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste). Ihm zur Seite steht Bürgermeister Heinz Schaden (SP).

Querverbindungen in SPÖ-Kreise gibt es auch über Wolfgang Wörter. Der ehemalige Pressesprecher von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SP), langjährige Parteistratege und ORF-Stiftungsrat, hat die mediale Betreuung des Bauvorhabens übernommen.

Einflussreiche Gegner

Einfach ist Wörters Job nicht. Die Gegner der Verbauung sind zwar nicht viele, aber einflussreich. Besitzer von bergseitig gelegenen Nobelvillen haben mit der neuen Nachbarschaft wenig Freude und kämpfen mit Nachdruck für ihren freien Blick auf die Festung. Auch Weihbischof Andreas Laun hat schon an einer Demons-tration gegen die geplante Wohnsiedlung teilgenommen.

Fallweise sind jene, die gegen die Cassco-Pläne auftreten, ident mit denen, die Padutsch schon für die temporäre Sperre der Innenstadt für Autos in der Hochsaison hart attackierten. Unter ihnen der ehemalige FPÖ-Mandatar und Direktor des Salzburg Museums, Erich Marx, oder der ÖVP-nahe Busspur-Gegner Peter Harlander.

Voggenhuber: "Schaden für die Stadt"

Auch aus den eigenen Reihen bekommt Padutsch Knüppel zwischen die Füße geworfen. Politpensionär Johannes Voggenhuber richtete via ORF aus, dass das Projekt ein "Schaden für die Stadt" wäre. Inhaltlich schwerer als solche Querschüsse und die Kampagne der Kronen Zeitung, die Padutsch zum Rücktritt zwingen will, wiegen Einwände mancher Experten. So bezeichnet das internationale Welterbe-Komitee Icomos, das die Unesco berät, die extrem dichte Bebauung des Grundstückes als überdimensioniert.

Schaden und Padutsch setzen auf Zeit. Über den Sommer sollen die Einwände genau geprüft und die Pläne adaptiert werden. Dass das ehemals als Tunneleinfahrt vorgesehene Grundstück dauerhaft verbaut werden wird, daran lassen die beiden - zumindest derzeit - keinen Zweifel. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 14.6.2012)

  • Wo heute am Salzburger Rehrlplatz eine "Gstätten" samt aufgelassener Tankstelle zu finden ist, sollen knapp 50 moderne Luxuswohnungen und mehrere Geschäftsräume entstehen.
    visual: storch, ehlers & partner

    Wo heute am Salzburger Rehrlplatz eine "Gstätten" samt aufgelassener Tankstelle zu finden ist, sollen knapp 50 moderne Luxuswohnungen und mehrere Geschäftsräume entstehen.

Share if you care.