Fekter und die Fettnäpfchen

Sie versetzt fremde Premierminister, heimische Koalitionspartner und womöglich auch die Finanzmärkte in Wallung

Wien - Dieses Lob hat sich Maria Fekter wohl nicht gewünscht. "Einen Anflug von Ehrlichkeit" habe die Finanzministerin erkennen lassen, zollte ihr FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache im Nationalrat bei aller sonstigen Kritik Respekt. Wo sonst doch "die Empörung der Eliten der EU-Bürokratie" auf jeden, der den Widerspruch wage, "niederprasselt".

Der EU-Gegner Strache ist so ziemlich der einzige Politikerkollege, der Fekters TV-Auftritt vom Montagabend verteidigt. In der ZiB 2 hatte sie Italien als nächsten Kandidaten für Finanzhilfe ins Spiel gebracht - und damit Ministerpräsident Mario Monti entsetzt: Als "völlig unangebracht" qualifizierte der Premier Fekters Worte.

Nicht nur italienische Medien griffen Fekters "Riesenausrutscher" und " Fehltritt" auf, schließlich geht es bei der Affäre um mehr als um das beleidigte Ego eines Regierungschefs. Spekulationen wie jene der ÖVP-Politikerin könnten, so die allgemeine Befürchtung, den hysterischen Finanzmarkt in Wallung bringen. Prompt stiegen am Dienstag die Zinsen, die Italien für Staatsschulden zahlen muss - "angeheizt", wie die Agentur Reuters befand, auch durch Fekter.

Die 56-Jährige Oberösterreicherin steht schon lange unter europaweiter Beobachtung. Einen "Hang zum Fettnäpfchen" attestierte ihr die Frankfurter Allgemeine Zeitung angesichts einer langen Liste an Fauxpas. Die Süddeutsche Zeitung nannte sie - nach einem angeblichen Spitznamen in EU-Kreisen - "Hexe des Südens", der Schweizer Tagesanzeiger "Funkenmariechen": Fekter solle sich ihre verbalen Ausritte in Zukunft einfach sparen

Eine Rufschädigerin der Regierung also? Unsinn, kontern ihre Verteidiger. Ja, vielleicht trage sie zu oft das Herz auf der Zunge, aber das sei auch "herzerfrischend" - welcher Politiker sonst antworte noch so ehrlich auf Fragen wie Fekter in der Italien-Causa? Petitessen würden da hochgespielt, von der "gockelhaften Macho-Partie" in Brüssel ebenso wie von der SPÖ, die sie als "Skandalnudel" verleumde. Dass selbst schon das deutsche Kanzleramt wegen der schrillen Ministerin nachgefragt habe, sei blanke rote Erfindung.

In ihrer Partei genießt die Veteranin nach wie vor soliden Rückhalt. Etwa, weil sie der SPÖ bei koalitionären Streitigkeiten resolut kontra gebe - auch mit Provokationen wie der Ablöse des Kanzlerberaters Werner Muhm in der Nationalbank. Dass sich Fekter dabei aus heimlicher Lust auf den Chefsessel profilieren wolle, während Vizekanzler Michael Spindelegger - wie in der Causa Muhm - die unliebsamen Folgen in Form von Koalitionsstreit und Wählerärger zu tragen habe, stößt in der ÖVP auf viel Widerrede. Dazu sei Fekter zu loyal, wie sie in ihrer Jahrzehnte währenden Karriere im Dienste der Partei bewiesen habe: "Für die Dreckarbeit war sie sich nie zu schade."(Gerald John, DER STANDARD, 14.6.2012)

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