Intercontinental: "Ich denke an ein Retro-Hotel auf höchstem Niveau"

Interview14. Juni 2012, 05:30
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Michael Tojner, neuer Eigentümer des Intercontinental Wien, hat große Pläne für die Umgebung des Hotels

STANDARD: Haben Sie schon einmal einen Doppelaxel versucht?

Michael Tojner: Nein. Das traue ich mich in meinem Alter nicht mehr. Aber ich bin mit meinen Kindern regelmäßig im Eislaufverein.

STANDARD: Künftig wohl noch öfter. Denn das Hotel Intercont, das Sie gekauft haben, grenzt nicht nur an den Eislaufverein, der Grund, auf dem er steht, gehört auch bald Ihnen. Nun gibt es Ängste, dass der Wiener Eislaufverein nicht so bleiben wird, wie er derzeit ist.

Tojner: Wir können noch nichts Genaues sagen, weil wir im Begriff sind, 55 Prozent der Anteile an der Besitzgesellschaft des Eislaufvereins zu übernehmen. Das ist nur noch eine zeitliche Frage. Es gibt eine klare Vereinbarung mit der Gesellschaft, die besagt, dass dieser in der gleich großen Fläche erhalten bleiben muss. Die Anlagen müssen vom Eigentümer modernisiert werden, und der Pachtvertrag, der derzeit noch 27 Jahre läuft, soll auf 99 Jahre abgeschlossen werden und ins Grundbuch kommen, damit der Eislaufverein Sicherheit hat.

STANDARD: Bleibt die freie Eisfläche erhalten?

Tojner: Vorgesehen ist, dass nicht überdacht wird. Es gibt im Sommer ein Verfahren, bei dem Eislaufverein, Konzerthaus, Architekten und Stadtplanung eingebunden sind. Am Ende soll eine Empfehlung an die Politik stehen, was man dort machen soll: wie hoch, wie breit, welche Schwerpunkte man setzen soll.

STANDARD: Ein Teil der Gebäude beim Eislaufverein ist Bauklasse I, also eingeschoßig gewidmet. Der Rest ist Bauklasse III, bis zu 16 Meter hoch. Reicht Ihnen das?

Tojner: Mit dem Status muss man leben können, wenn's nicht anders geht. Das ist natürlich nicht das architektonische Ziel, das wir dort anstreben.

STANDARD: Was ist Ihr Ziel?

Tojner: Das soll über den Sommer in dem beschriebenen Verfahren erarbeitet werden. Es ist für Wien auch einzigartig, was die Vizebürgermeisterin (Planungsstadträtin Maria Vassilakou, Anm.) da zulässt. In dem Verfahren sollen die Rahmenbedingungen für eine mögliche Widmungsänderung festgelegt werden. Wenn rauskommt, es bleibt, so wie es ist, dann muss man das auch akzeptieren. Aber ich glaube, das sollte nicht so sein. Denn man sucht ja jemanden für die Sanierung des Eislaufvereins, da gibt es ein öffentliches Interesse. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder wird der Eislaufverein mit Mitteln der öffentlichen Hand oder mit privaten Mitteln finanziert.

STANDARD: Bei diesem Verfahren muss also etwas rauskommen, das Sie zufriedenstellt, weil Sie nur dann den Eislaufverein sanieren?

Tojner: Wir wollen dort ein Standortkonzept verwirklichen. Wir haben das Intercont, den Eislaufverein, der komplett alleine arbeitet, das Konzerthaus, den Stadtpark und den Kursalon Hübner. Aber es wird nicht geschlossen, mit einem Standortkonzept, agiert. Es ist auch eine Frage, wie wir Verkehrsberuhigung schaffen können.

STANDARD: Es gibt das Gerücht, Sie wollten das Intercont abreißen und an die Stelle des Eislaufvereins ein Hotel bauen. Was ist dran?

Tojner: Das ist ein Gerücht, ein falsches dazu. Wenn man jetzt beim Intercont vorbeifährt, denkt man sich, das gehört eigentlich weg. Wenn ich es abreiße und neu baue, müsste die Stadt aber eine ganz andere Höhe erlauben. Ich muss die gleiche Nutzfläche ja wieder bauen. Auch aus diesem Grund schließe ich diese Variante derzeit aus.

STANDARD: Es kann Sie natürlich auch das Stadthallenbad-Schicksal ereilen, wo die Sanierung ausufert. Was machen Sie dann?

Tojner: Wenn die technische Analyse ergibt, dass das Intercont nicht rettenswert ist, dann schließen wir einen Abriss auch nicht aus. Aber wir haben keine festgelegte Vorstellung.

STANDARD: Wird Intercontinental weiterhin Betreiber bleiben?

Tojner: Ich gehe davon aus. Ich glaube, es gehört aufgrund der Vergangenheit irgendwie schon zur Stadt dazu. Ich denke etwa an ein Retro-Hotel auf höchstem Niveau. Das Intercont ist das einzige Hotel mit einer gescheiten Hotelvorfahrt und einer Lobby internationalen Formats. Außerdem gibt es kaum ein Hotel, das eine derartige Superaussicht hat. Wenn dieses Haus wieder eine ordentliche Fassade und eine gute Architektur hat, dann ist das ein fantastisches Gebäude.

STANDARD: Was darf die Entwicklung des Standortes kosten?

Tojner: Ich habe keine Obergrenze für mich definiert, es ist die Frage, was sich rechnet. Die Hotelsanierung wird mindestens 20 Millionen Euro kosten. Der Eislaufverein braucht ein Investment von zehn bis 15 Millionen Euro. Dann soll eine Tiefgarage entstehen, die kostet auch rund zehn Millionen Euro. Inklusive Ankaufpreis von 50 Millionen sind wir bei 100 bis 110 Millionen Euro.

STANDARD: Das soll querfinanziert werden?

Tojner: Ja, durch ein gewisses Development - ein zusätzliches Gebäude, Wohnungen. Beim Hilton hat man eine Widmung ermöglicht, die durch den Bau eines Bürohauses die Sanierung des Hotels querfinanziert hat - ohne öffentliches Interesse. Wenn wir also etwas im öffentlichen Interesse tun - den Eislaufverein sanieren und auf 99 Jahre absichern -, verdient das ein gewisses Entgegenkommen. Zumal wir uns auch verpflichtet haben, etwas architektonisch Einzigartiges zu machen und keinen faulen Kompromiss.

STANDARD: Braucht Wien noch ein weiteres Superhotel?

Tojner: Ich will keine Shangri-La-Kopie, wo das Zimmer 500 Euro aufwärts kostet. Wir wollen in der Vier-Sterne-Kategorie bleiben und durch andere Dinge überzeugen als durch Marmor im Bad.

STANDARD: Sie sind auch an den Austria-Hotels interessiert, die Uniqa abstoßen will. Wie weit ist das?

Tojner: Wir bieten mit dem Verkehrsbüro gemeinsam für die Austria-Hotels. Wir sind aber reiner Investor, das Verkehrsbüro würde den gesamten Betrieb samt Mitarbeitern übernehmen.

STANDARD: Uniqa möchte das Hotel De France behalten - ist das für Sie akzeptabel?

Tojner: Das sind Ausschreibungsbedingungen, und die sind zu akzeptieren. Und wie gesagt: Da geht es um reines Investment, das ist etwas ganz anderes als unser Engagement beim Intercont, das eine Herzensangelegenheit ist. (Petra Stuiber/Bettina Fernsebner, DER STANDARD, 14.6.2012)

Michael Tojner, (46), Investor, Betriebswirt und Jurist, gründete u. a. nach der Wende den ersten Versandhandel Osteuropas und verkaufte das Unternehmen an Quelle. Mit seinen Firmen Global Equity Partners und Wertinvest investierte er neben Immobilienprojekten auch in den Technik-Komponentenhersteller Montana und in Varta Batterien.

  • Finanzinvestor Michael Tojner hat ein Hotel in Wien und eine Menge Kritiker auf Kufen.
    foto: der standard/matthias cremer

    Finanzinvestor Michael Tojner hat ein Hotel in Wien und eine Menge Kritiker auf Kufen.

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