Eine "Gottesanbeterin" soll Infrastruktur auf anderen Welten aufbauen

17. Juni 2012, 18:32
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Bremer Wissenschafter arbeiten an einem Roboter, der von einem Insekt inspiriert ist

Bremen - Nicht dass hier die Leistung von "Opportunity" geschmälert werden soll: Aber die 34,5 Kilometer, die der unermüdlich über den Mars rollende Rover in nun fast achteinhalb Jahren zurückgelegt hat, sind in Sachen Reichweite natürlich noch ausbaufähig. Staksen statt gemütlich rollen - so sieht das Konzept für einen der zahlreichen Entwürfe aus, mit denen weltweit an künftigen Generationen von Pionierrobotern gearbeitet wird.

Wissenschafter des Robotics Innovation Center am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und der Universität Bremen arbeiten an "Mantis", einem Roboter mit sechs Gliedmaßen, der seine natürlichen Vorbilder in der Welt der Insekten hat; "Mantis" ist die englisch Bezeichnung der Gottesanbeterin. "Mantis" soll die zwei vorderen seiner sechs Beine nicht nur zum Laufen, sondern auch zum Greifen von Gegenständen einsetzen können. Dafür hebt er - wie die Gottesanbeterin - den Oberkörper an.

Beweglich ...

"Die Herausforderung ist, Laufmuster für unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten zu erlernen, in denen alle sechs Beine trotz verschiedener Aufgaben im Einklang arbeiten", erklärt Frank Kirchner von der Uni Bremen. Die vielen Gelenke, verteilt auf mehrere Beine, ermöglichen viele verschiedene Bewegungsmuster. So könne der Roboter seine Körperhaltung den Gegebenheiten anpassen - und sicher in unbekanntem Gelände manövrieren.

Die Entwicklung läuft im Rahmen des auf vier Jahre angelegten Projekt LIMES ("Learning Intelligent Motions for Kinematically Complex Legged Robots for Exploration in Space"), das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gefördert wird. Immerhin lautet die dahinterstehende Vision, dass "Mantis" eigenständig Planeten oder Monde erkunden und dort mit seinen Greifern eine Infrastruktur aufbauen könnte.

Aber bis dahin ist es noch ein weiter weg. Das eigentliche Projektziel ist, dem Roboter Algorithmen für verschiedene Laufmodi mitzugeben. Diese können etwa auf energiesparendes oder vorsichtiges Fortbewegen ausgelegt sein. Stolpersteine, Krater und Hügelsoll "Mantis" mit taktilen Sensoren erfühlen, die er in den Sohlen trägt. Durch eine Kamera im Kopf erstellt er ein 3D-Bild der Umgebung, die Daten werden per Satellit zur Erde übertragen. Von dort würde er dann auch die Befehle erhalten, welches Ziel angesteuert werden soll. 

... und lernfähig

Ein wichtiger Faktor wird dabei auch seine Lernfähigkeit sein: Nach jeder Aktion soll der Roboter seine Entscheidung bewerten. "Zum Beispiel fragt er sich: War mein Energieverbrauch gut? Wenn nicht, handelt er künftig in ähnlicher Lage anders", erklärt Projektleiter Sebastian Bartsch. (APA/red, derStandard.at, 17.6.2012)

  • "Schweine im Weltall" gab's nur bei den "Muppets" - Gottesanbeterinnen sind sinnvoller.
    illustration: dfki gmbh

    "Schweine im Weltall" gab's nur bei den "Muppets" - Gottesanbeterinnen sind sinnvoller.

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