Torvalds: Linux funktioniert dank Egoismus und Vertrauen

13. Juni 2012, 15:06
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Der Linux-Erfinder wurde mit dem Millennium Technology Prize ausgezeichnet

Linux-Erfinder Linus Torvalds befindet sich momentan in Helsinki, da er mit dem Millennium Technology Prize ausgezeichnet wurde, der von der Technology Academy Finland vergeben wird. Der Preis wird laut Organisatoren an Personen vergeben, die eine "lebensverbessernde technologische Innovation" geschaffen haben. 

Förderung in Millionenhöhe

Neben der Ehre und einer Skulptur erhält der Gewinner eine Förderung zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Euro. Der Betrag wird von den Jury-Mitgliedern festgesetzt. Torvalds ist gebürtiger Finne und lebt seit den späten 1990er Jahren im Silicon Valley. Der BBC gab er ein Interview.

Interview für den Millennium Technology Prize

Open Source baut auf Egoismus

Für Torvalds funktioniert Open Source demnach nicht aus Nächstenliebe, sondern aufgrund des Egoismus jedes einzelnen Entwicklers. Damit meint er nicht Egoismus in finanzieller Hinsicht, sondern die Leidenschaft am Basteln und den Wunsch, die Hardware so zu steuern, wie man es will, und Funktionen zu implementieren, die einen selbst interessieren.

Fairness ist wichtig

Um Linux als Open Source zu betreiben, sei Fairness extrem wichtig, sagt Torvalds. Die General Public License (GPLv2) sei deshalb genau richtig, weil sie nach dem einfachen System funktioniert: "Ich gebe dir Informationen und du gibst mir dafür andere Informationen." Dadurch müsse niemand Angst haben, dass seine Arbeit ausgenutzt wird.

Open Source ist nicht antikommerziell

Für Unternehmen war es laut Torvalds wichtig, dass der Name "Open Source" den Begriff "freie Software" ersetzt hat, um klar zu machen, dass das System nicht antikommerziell ist. Torvalds fordert die Firmen auf, mehr in Open Source zu investieren, da sie dadurch die Projekte in für sie vorteilhafte Richtungen lenken könnten. Außerdem würden sie so Wissen erhalten, das ihre Mitbewerber nicht hätten.

Vertrauen als Basis

Vertrauen sei für die Entwicklung von Linux sehr wichtig, meint Torvalds. Da der Code des Kernels mittlerweile sehr komplex geworden sei und mehr als tausend Entwickler daran arbeiteten, könne er selbst die Entwicklung nicht komplett überwachen. Daher müsse er den Entwicklern vertrauen. Diese wiederum könnten ihm vertrauen, dass er niemanden bevorzuge, sagt Torvalds, vor allem nicht Firmen.

Erfolg von Android

Linux habe sich bisher am Desktop-Sektor deshalb nicht durchsetzen können, meint Torvalds, weil es nicht vorinstalliert ausgeliefert wird. Der Erfolg von Android zeige, dass Linux sehr wohl erfolgreich sein könne, wenn es bereits auf dem Gerät installiert ist. Er hat immer noch Hoffnung, dass Linux auch auf Laptops und Desktops eine größere Verbreitung erreicht. Vor allem die Google-Geräte Chromebox und Chromebook hätten laut Torvalds das Potenzial dazu.

Mit Raspberry Pi mehr Leute ansprechen

Auch den Minicomputer Raspberry Pi beurteilt der Linux-Erfinder positiv. Der Computer soll Kinder zum Basteln animieren, so ist auch Torvalds selbst zum Entwickler geworden. Er hofft, dass mit dem Raspberry Pi eine größere Bandbreite an Personen angesprochen wird. (soc, derStandard.at, 13.6.2012)

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    Der Entwickler des freien Betriebssystems Linux, Linus Torvalds, und der Stammzellpionier Shinya Yamanaka haben den Millennium-Technologiepreis 2012 erhalten. Das Preisgeld in Höhe von 1,2 Millionen Euro gehe zu gleichen Teilen an die beiden Preisträger, teilte die Technische Akademie Finnland am Mittwoch mit. Die unabhängige Stiftung vergibt den Preis alle zwei Jahre. Er gilt als eine Art Nobelpreis für Technologie.

    Der finnisch-amerikanische Informatiker Torvalds ist Initiator und Pionier des Open-Source-Betriebssystems Linux. Seine Arbeit habe wesentlichen Einfluss auf arbeitsteilige Softwareentwicklung sowie die Vernetzung und Offenheit des heutigen Internets gehabt, heißt es in der Erklärung der Jury.

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