Bewegte Lettern

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    screenshot: cargo

Ein hybrides Ding: Der Buchtrailer

Thomas Pynchon, der große Unbekannte der amerikanischen Literatur, gibt seinen Widerstand auf - und zwar gegen das Ebook. Sein Gesamtwerk ist seit heute auch in den üblichen Ebookformaten erhältlich, in den USA, wo das Ebook längst durchgesetzt ist und inzwischen gewaltige Marktanteile besitzt, war er mit seiner Verweigerung auf dem Weg zum Fossil. So weit, so erfreulich, aber nicht aus Bewegtbildhinsichten interessant.

Dann aber doch, aus einem anderen Grund: Mit großer Selbstverständlichkeit hat Penguin Press zum Anlass einen Buchtrailer produziert. Das ist ein eigentümliches Zwischenformat, das zwischen der Buchstabenwelt aus E-Ink und Papier per Bewegtbild die Brücke ins Internet schlägt. Meist keine große Kunst, aber doch aus auf beträchtlichen Werbeeffekt.

Hier der Pynchon-Trailer zur Feier der Digitalisierung des Autors, der sich für die vordersten Fronten der Technik bislang in erster Linie in der Vergangenheit interessierte:

Thomas Pynchon. The Complete Collection. from CHIPS on Vimeo.

 

Viele Buchtrailer arbeiten wie dieser mit dem Rudimentärmaterial des Buches: Buchstaben, Cover, Text, auf die eine oder andere Weise in Bewegung versetzt. Das kann durchaus von beträchtlicher Virtuosität sein. Man vergleiche etwa Marko Thorauers preisgekrönten Trailer zu Kathrin Passigs und Sascha Lobos Sachbuch "Dinge geregelt kriegen":

Dinge geregelt kriegen (Getting Things Done) - Booktrailer from Marko Thorhauer on Vimeo.

 

Es geht aber auch ganz anders, wiederum mit Thomas Pynchon. Dessen bislang letzter Roman, die Spätsechziger-Private-Eye-Story "Inherent Vice", ist für die Buchtrailerwerbung in einen kleinen Film mit Westküstenimpressionen umgesetzt - mit dem Bonus, dass der Hardboiled-Erzähltext unter den Bildern nicht nur von Thomas Pynchon stammt, sondern auch von ihm selbst gesprochen wird:

 

Und dann geht es auch wieder und noch einmal ganz anders, nämlich in Form eines wirklichen Kurzfilms. Ein solcher wurde etwa für ein Buch aus der Reihe gedreht, in der Klassiker der englischsprachigen Literatur auf denkbar unwahrscheinliche Weise mit exploitativen Genremustern gekreuzt werden.

Also, dies zum Beispiel, "Sense and Sensibilities and Sea Monsters". Oscarverdächtig ist daran nichts, weder die Darstellungskunst noch die Regie noch die Spezialeffekte. Aber für den armen Bruder Hollywoods ist das ganze dann auch wieder nicht schlecht:

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