Arbeitskonflikt bei Kaindl in Salzburg

13. Juni 2012, 11:51

Laut Betriebsrat wurde bei 25 Mitarbeitern eine KV-Erhöhung durch Einzelverträge ausgehebelt, die Firma spricht von freiwilligem Verzicht

Salzburg - Beim Holzunternehmen Kaindl in Salzburg spitzt sich ein Arbeitskonflikt zu: Das Unternehmen hat laut Betriebsrat mit 25 Mitarbeitern Einzelverträge abgeschlossen und dadurch die kollektivvertragliche Ist-Lohn-Erhöhung ausgehebelt. Während die Gewerkschaft schon Klagen und Aktionen in den Raum stellt, spricht das Unternehmen von einem freiwilligen Gehaltsverzicht von Managern und Führungskräften.

Die neuen Tarifgehälter gelten seit 1. Mai. Der Personalchef des Unternehmens, Josef Helminger, habe diese sogar mitverhandelt und dem Kompromiss auch zugestimmt, sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz, Othmar Danninger, zur APA. 20 Angestellte und fünf Arbeiter aus dem Werk Lungötz seien dann in das Büro des Personalchefs zitiert worden. "Dort hat man ihnen Einzelverträge vorgelegt und gesagt, dass es später Konsequenzen geben könnte, wenn sie nicht unterschreiben", so Betriebsrat Helmut Schnaitl. Den Arbeitern sei zudem erklärt worden, dass dies eine Maßnahme zur Standortsicherung sei.

Feststellungsklage angekündigt

Heute, Mittwoch, um 14.00 Uhr wird es deshalb eine Betriebsversammlung geben. Sollte die Unternehmensleitung den Schritt nicht zurücknehmen, werde man eine Feststellungsklage einreichen, kündigte Schnaitl an, der sich dabei auf ein OGH-Urteil berufen will. Gewerkschafter Danninger kann sich aber auch andere Maßnahmen vorstellen. "Vielleicht gibt es einen Aktionismus, den Österreich noch gar nicht kennt. Aber vorerst hoffe ich noch auf eine gute Lösung."

Das Unternehmen wies die Behauptungen zurück. "Bei der M. Kaindl KG gilt die KV-Erhöhung für die gesamte Belegschaft", sagte Unternehmenssprecher Michael Prock. Lediglich 20 Führungskräfte hätten freiwillig auf diese Erhöhung verzichtet, was auch als Beitrag in der Diskussion um überhöhte Managergehälter verstanden werden könne. Bei den fünf Arbeitern aus Lungötz wiederum sei es zu Funktionsveränderungen gekommen, weshalb ihre Gehälter anders eingestuft worden seien. "Das hat mit dem Kollektivvertrag überhaupt nichts zu tun", so Prock. Helminger selbst wollte gegenüber der APA keine Stellungnahme abgeben und verwies auf den Firmensprecher.

Die gesamte Belegschaft des Unternehmens werde über dem Kollektivvertrag entlohnt. Außerdem sei die für heute einberufene Betriebsversammlung kein außerordentliches Zusammentreffen, sondern die einmal im Jahr stattfindende turnusmäßige Versammlung, so Prock, der von einer gewissen Pikanterie sprach, dass sich die Gewerkschaft ausgerechnet für Führungskräfte stark mache.

Kaindl erzeugt Platten und Fußböden, die zu 94 Prozent in den Export gehen. Das Unternehmen beschäftigt am Standort Wals-Kleßheim rund 500 und am Standort Annaberg-Lungötz etwa 275 Mitarbeiter. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2010/11 betrug 405 Mio. Euro.(APA, 13.6.2012)

 

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