WHO: Diesel gefährlicher als bisher angenommen

  • Dieselabgase sind laut WHO eine Ursache von 
Lungenkrebs, zudem gebe es eine Verbindung zu Blasenkrebs.
    foto: ap/michael probst

    Dieselabgase sind laut WHO eine Ursache von Lungenkrebs, zudem gebe es eine Verbindung zu Blasenkrebs.

Die Weltgesundheitsorganisation stellt Dieselabgase auf eine Gefahrenstufe mit Asbest, Arsen und Senfgas

London - Das Einatmen von Dieselabgasen ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gefährlicher als bisher angenommen. Die WHO sieht die Abgase des Treibstoffs nun nicht mehr nur als potenziell krebserregend an, sondern erkennt Belege für einen eindeutigen Zusammenhang mit der Krankheit. Damit stuft die Organisation Dieselabgase wie Asbest, Arsen, Senfgas, Alkohol und Tabak ein.

Zusammenhang mit Lungen- und Blasenkrebs

1988 wurden Dieselabgase von der der International Agency for Research on Cancer (IARC), der dafür zuständigen WHO-Behörde, als möglicherweise karzinogen eingestuft. Eine Expertengruppe habe nun Belege gefunden, dass sie eine Ursache von Lungenkrebs seien und es zudem eine Verbindung zu Blasenkrebs gebe. Nach Beratungen unabhängiger Experten, die jüngste wissenschaftliche Forschungen auswerteten, erhöhte die WHO nun die Gefahreneinstufung von Diesel. Die Entscheidung fiel einstimmig aus.

Die Einschätzung von Benzinabgasen veränderte die WHO dagegen nicht. Diese werden weiter als "wahrscheinlich krebserregend" bewertet.

Auswirkungen auf die Gesundheit

Für die Gesundheit sind die ultrafeinen Kleinstpartikel besonders gefährlich, wie zahlreiche medizinische Studien belegen. Dieselruß-Emissionen beinhalten besonders viele Kleinstpartikel, die bis in die Lungenbläschen und in den Blutkreislauf eindringen können. Zudem werden diese Partikel in Bodennähe emittiert und sind daher in hoher Konzentration in der Atemluft vorhanden.

"Asbest ist ein guter Vergleich", sagte Otto Burghuber, Vorstand der I. Internen Lungenabteilung am Wiener Otto Wagner Spital in einer Reaktion. Auch wenn Asbest im Unterschied zu den Dieselabgasen zu einem Mesotheliom führt, einer Form von Lungenkrebs, die das Brustfell befällt, ist der Zeitablauf bis zum Ausbrechen der Erkrankung ähnlich. "Bei Asbest treten die Schäden nach etwa 20 bis 30 Jahren auf, auch bei Diesel ist von einem ähnlichen Zeitablauf auszugehen."

Und eines sollte laut Lungenexperte Burghuber nicht vergessen werden: "Die Situation durch das Passivrauchen ist weitaus dramatischer für den Menschen" und nach dem aktiven Rauchen weiterhin die zweitwichtigsten Noxen (Stickoxide) für das Lungenkarzinom. Der Mediziner gibt in diesem Zusammenhang auch zu Bedenken, dass die WHO-Vorgaben bezüglich Tabakrauch nicht in allen EU-Ländern gleich konsequent umgesetzt wurden.

Dieselabgase verringern

Dieselbetriebene Fahrzeuge sind bei Privatkunden vor allem in Westeuropa beliebt. In Ländern außerhalb Europas und Indiens werden vor allem Lkws mit dem Treibstoff betankt. Von den rund 2,5 Millionen Diesel-Pkws in Österreich haben mehr als 1,5 Millionen keinen serienmäßig eingebauten Filter, teilte der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) Anfang des Jahres mit. Dazu kämen viele alte Lkws und Klein-Lkw.

Bezüglich der Schädlichkeit der Dieselabgase wies ÖAMTC-Techniker Fritz Eppel auf die Wichtigkeit der Wartung hin. "Derzeit gibt es sehr viele Dieselschwerfahrzeuge. Dieselfilter sind teuer, die Wartung kostet viel Geld, daher wird sie oft so lange wie möglich hinausgezögert." Aber nicht nur bei Maschinen und Lkw, auch bei Autos sei die Instandhaltung wichtig. "Man sieht immer wieder Diesel-Pkw, vor allem ältere Modelle, die rauchend durch die Gegend fahren." Grundsätzlich seien die Abgasgrenzwerte sehr niedrig angesetzt, "auch um die Industrie anzutreiben".

Die IARC-Experten appellieren, die Dieselabgase in Anbetracht der gesundheitsschädigenden Wirkung weltweit so weit wie möglich zu reduzieren. Der Europäische Automobilherstellerverband (ACEA) zeigte sich überrascht von der Entscheidung und kündigte an, die Studienergebnisse nun im Detail zu untersuchen.  (APA/Reuters/red, derStandard.at, 13.6.2012)

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