Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Öffentliche Riechtests eignen sich zur Stärkung des Bewusstseins für Hyposmie.
Morbus Parkinson gehört zu den häufigsten neurologischen Leiden: Rund 300.000 Menschen sind allein in Deutschland von der langsam fortschreitenden Krankheit betroffen, die meist im Alter zwischen 50 und 60 Jahren erstmals auffällt.
Aus noch nicht vollständig geklärten Ursachen - genetische Faktoren spielen mit eine Rolle - degenerieren Zellen der Substantia nigra in den Basalganglien des Gehirns. Das bewirkt einen Mangel des Botenstoffs Dopamin und Einbußen der Kontrolle über die willkürliche und unwillkürliche Bewegung.
Obwohl die Parkinson Erkrankung unheilbar ist, erlauben es moderne Therapien, den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen und Patienten über viele Jahre hohe Lebensqualität zu ermöglichen.
Um rechtzeitig der Zerstörung der Gehirnzellen entgegenzuwirken, ist ein frühes Erkennen der Krankheit nötig, doch hinreichende Strategien dafür fehlen bislang. Der Geruchssinn liefert hier wertvolle Hinweise, gilt doch sein Verlust ohne bekannte Ursache - Mediziner bezeichnen es als "Hyposmie" - als eines jener nicht-motorischen Zeichen, die auf Morbus Parkinson deuten können. Aus früheren Studien ist bekannt, dass jeder zehnte Mensch mit Hyposmie in den Folgejahren Parkinson entwickelt.
"Zur Feststellung von Hyposmie eignen sich Riechtests in Arztpraxen, jedoch auch an öffentlichen Plätzen wie etwa Fußgängerzonen", berichtete Ulrich Liebetrau, Oberarzt der Parkinson-Sprechstunde an der Neurologie der Kliniken der Stadt Köln, auf dem Kongress der Europäischen Neurologengesellschaft (ENS) in Prag, und lud zu einem öffentlichen Riechtest.
Riechtest an öffentlichen Plätzen
Ort des Geschehens war die aus dem Karneval bekannte Festhalle "Gürzenich" in der Kölner Fußgängerzone. "Unser Ziel war, so viele Menschen mit Hyposmie zu erreichen wie nur möglich", berichtet Liebetrau. "Damit das Angebot angenommen wird, muss die Lokalität zentral liegen und jedem bekannt sein. Wichtig ist auch die Möglichkeit zum Rückzug, doch Zelte würden nicht seriös wirken", beschrieb der Mediziner die Anforderungen an den Ort. Zu erschnuppern galt es Vanille, Zitrone, Nelke und Lavendel.
Von den 187 Menschen, die die Einladung annahmen, wurden 46 Patienten mit Hyposmie identifiziert. Allen von ihnen bot man eine Folgeuntersuchung in den Kliniken der Stadt Köln an. "Eine Fachuntersuchung durch Neurologen und HNO-Ärzte sollte danach zeitlich und örtlich getrennt erfolgen, denn Hyposmie kann auf viele Krankheiten hinweisen", betonte Liebetrau. Eine dieser Möglichkeiten ist eben auch, dass der Riechverlust Parkinson anzeigt - was bei drei Personen, bei denen das Leiden zuvor nicht bekannt war, der Fall war.
Verschleppung und zu späte Diagnose verhindern
Als Hauptvorteil von derart niederschwelligen Tests für Patienten sehen die Forscher, dass Erkrankungen überhaupt erst entdeckt werden, die bei Verschleppung chronisch hätten werden können. Doch auch bei schweren neurologischen Leiden wie Morbus Parkinson ist die Diagnose zum frühen Zeitpunkt ein Vorteil.
"Parkinson ist unheilbar, der Verlauf kann aber mit neuen Medikamenten wie etwa Rasagilin nachweislich positiv beeinflusst werden, besonders wenn die Behandlung frühzeitig startet. Ob das auch für Frühstadien der Erkrankung gilt, muss noch erforscht werden", sagt Liebetrau.
Riechstörungen sind also kein lästiges Übel, sondern bieten die Chance auf Früherkennung von Parkinson, schlussfolgern die Studienautoren. Sie empfehlen daher, Hyposmie als Frühindikator für Parkinson bekannter zu machen.
"Man sollte öfter nach Riechstörungen fragen und einfache Tests durchführen - etwa mit Kaffee oder Gewürzen. Bei Verdacht auf Hyposmie ist dann ein Bestätigungstest erforderlich", rät der Kölner Parkinson-Spezialist. (red, derStandard.at, 12.6.2012)
Quelle: ENS Abstract P 407: Public smelling test: a new way to detect hyposmia as an early indicator of Parkinson's disease.
Zum Thema:
Bei anhaltenden Riechstörungen zum Arzt
Kunstausstellung "Parkinson Kreativ" und Verleihung des Parkinson Aktiv Patientenpreises
Parkinson-Patienten sind auf eine genaue Medikamenteneinstellung angewiesen - Eine neue Studie zeigt Potenzial für Optimierung
Kein klinischer Nutzen für Parkinson-Patienten durch Behandlung mit körpereigenen Knochenmarkszellen - Experten warnen vor derartigen Eingriffen
Spiegel-Redakteur Stefan Berg ist im Alter von 44 Jahren an Morbus Parkinson erkrankt - Mit dem Buch "Zitterpartie" hat er seine eigene Sprache gefunden
Parkinson ist eine chronische Erkrankung mit vielen Facetten - Moderne Medikamente sichern die Lebensqualität, sagt Neurologe Willi Gerschlager
Die Parkinson-Krankheit ist eine schwere neurologische Störung, die sich heute schon gut therapieren lässt - Über die Ursachen gibt es zahlreiche wissenschaftliche Debatten
Verbesserung der Gangblockaden durch zusätzliche Stimulation der Substantia nigra pars reticula im Gehirn
Nicht nur die Motorik, sondern auch grammatische Fähigkeiten und Satzverständnis lassen nach
Umweltfaktoren werden als Entstehungsfaktor des Morbus Parkinson immer stärker in Betracht gezogen
Weisen Raucher eine bestimmte Genvariante auf, ist das Risiko einer Parkinsonerkrankung deutlich geringer als bei Nichtrauchern
Eine deutsch-französische Studie zeigt, dass die Tiefe Hirnstimulation auch in einem frühen Parkinson-Stadium deutliche Besserung bringt
Parkinson-Experte Dieter Volc über exakte Diagnosen, Therapie-Optionen und seine Parkinsonreisen
Inaktivierung von Protein PMR1 verhindert ungünstigen Anstieg von Kalzium in den Nervenzellen
Hirnstimulation ist bei fortgeschrittenem Parkinson der medikamentösen Behandlung überlegen - Eingriff jedoch mit Risiken verbunden
Neue Behandlungsmöglichkeiten durch Ursachenforschung
Mithilfe prädiktiver und diagnostischer Marker soll die Krankheit vor dem Ausbruch erkannt und ihr Verlauf verzögert werden
20.000 Menschen leiden in Österreich an Morbus Parkinson - Die Erkrankung beginnt schleichend und bleibt häufig über längere Zeit unbemerkt
Genetische oder Umweltfaktoren als mögliche Erklärung vermutet
Riechtest und Ultraschall-Untersuchung können über Risiko Aufschluss geben
Neigung zu Kaufsucht, Spielsucht, Essstörungen durch Einnahme von Dopaminagonisten erhöht
Riechstörungen können auf Parkinson hinweisen
Gibt es auch Parkinson Erkrankungen die ohne das so typische Zittern auftreten?
Also als Symptome nur die allgemeine Verlangsamung und Ungeschicklichkeit sowie eine leichte beginnende Demenz aufweisen?
Sie schreiben dass der Verlust des Geruchssinns von Medizinern als "Hyposmie" bezeichnet wird. Das ist nicht richtig. Der (vollständige) Verlust des Geruchssinns wird "Anosmie" genannt. Der medizinische Begriff der Hyposmie bezeichnet im Unterschied zur Anosmie den nur unvollständigen Verlust des Geruchssinns.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.