Riechtest lässt Parkinson früh erkennen

12. Juni 2012, 18:22
  • Öffentliche Riechtests eignen sich zur Stärkung des Bewusstseins für Hyposmie.
    foto: apa/georg hochmuth

    Öffentliche Riechtests eignen sich zur Stärkung des Bewusstseins für Hyposmie.

Einschränkungen des Geruchssinns können ein Frühzeichen der neurologischen Krankheit sein - Kölner Neurologen luden zu einem öffentlichen Riechtest

Morbus Parkinson gehört zu den häufigsten neurologischen Leiden: Rund 300.000 Menschen sind allein in Deutschland von der langsam fortschreitenden Krankheit betroffen, die meist im Alter zwischen 50 und 60 Jahren erstmals auffällt.

Aus noch nicht vollständig geklärten Ursachen - genetische Faktoren spielen mit eine Rolle - degenerieren Zellen der Substantia nigra in den Basalganglien des Gehirns. Das bewirkt einen Mangel des Botenstoffs Dopamin und Einbußen der Kontrolle über die willkürliche und unwillkürliche Bewegung. 

Früherkennung

Obwohl die Parkinson Erkrankung unheilbar ist, erlauben es moderne Therapien, den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen und Patienten über viele Jahre hohe Lebensqualität zu ermöglichen. 

Um rechtzeitig der Zerstörung der Gehirnzellen entgegenzuwirken, ist ein frühes Erkennen der Krankheit nötig, doch hinreichende Strategien dafür fehlen bislang. Der Geruchssinn liefert hier wertvolle Hinweise, gilt doch sein Verlust ohne bekannte Ursache - Mediziner bezeichnen es als "Hyposmie" - als eines jener nicht-motorischen Zeichen, die auf Morbus Parkinson deuten können. Aus früheren Studien ist bekannt, dass jeder zehnte Mensch mit Hyposmie in den Folgejahren Parkinson entwickelt.

"Zur Feststellung von Hyposmie eignen sich Riechtests in Arztpraxen, jedoch auch an öffentlichen Plätzen wie etwa Fußgängerzonen", berichtete Ulrich Liebetrau, Oberarzt der Parkinson-Sprechstunde an der Neurologie der Kliniken der Stadt Köln, auf dem Kongress der Europäischen Neurologengesellschaft (ENS) in Prag, und lud zu einem öffentlichen Riechtest.

Riechtest an öffentlichen Plätzen

Ort des Geschehens war die aus dem Karneval bekannte Festhalle "Gürzenich" in der Kölner Fußgängerzone. "Unser Ziel war, so viele Menschen mit Hyposmie zu erreichen wie nur möglich", berichtet Liebetrau. "Damit das Angebot angenommen wird, muss die Lokalität zentral liegen und jedem bekannt sein. Wichtig ist auch die Möglichkeit zum Rückzug, doch Zelte würden nicht seriös wirken", beschrieb der Mediziner die Anforderungen an den Ort. Zu erschnuppern galt es Vanille, Zitrone, Nelke und Lavendel.

Von den 187 Menschen, die die Einladung annahmen, wurden 46 Patienten mit Hyposmie identifiziert. Allen von ihnen bot man eine Folgeuntersuchung in den Kliniken der Stadt Köln an. "Eine Fachuntersuchung durch Neurologen und HNO-Ärzte sollte danach zeitlich und örtlich getrennt erfolgen, denn Hyposmie kann auf viele Krankheiten hinweisen", betonte Liebetrau. Eine dieser Möglichkeiten ist eben auch, dass der Riechverlust Parkinson anzeigt - was bei drei Personen, bei denen das Leiden zuvor nicht bekannt war, der Fall war.

Verschleppung und zu späte Diagnose verhindern

Als Hauptvorteil von derart niederschwelligen Tests für Patienten sehen die Forscher, dass Erkrankungen überhaupt erst entdeckt werden, die bei Verschleppung chronisch hätten werden können. Doch auch bei schweren neurologischen Leiden wie Morbus Parkinson ist die Diagnose zum frühen Zeitpunkt ein Vorteil.

"Parkinson ist unheilbar, der Verlauf kann aber mit neuen Medikamenten wie etwa Rasagilin nachweislich positiv beeinflusst werden, besonders wenn die Behandlung frühzeitig startet. Ob das auch für Frühstadien der Erkrankung gilt, muss noch erforscht werden", sagt Liebetrau. 

Riechstörungen sind also kein lästiges Übel, sondern bieten die Chance auf Früherkennung von Parkinson, schlussfolgern die Studienautoren. Sie empfehlen daher, Hyposmie als Frühindikator für Parkinson bekannter zu machen.

"Man sollte öfter nach Riechstörungen fragen und einfache Tests durchführen - etwa mit Kaffee oder Gewürzen. Bei Verdacht auf Hyposmie ist dann ein Bestätigungstest erforderlich", rät der Kölner Parkinson-Spezialist. (red, derStandard.at, 12.6.2012)

Quelle: ENS Abstract P 407: Public smelling test: a new way to detect hyposmia as an early indicator of Parkinson's disease.

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6 Postings
Mal eine Frage da sicher auch Mediziner wieder mitlesen/posten

Gibt es auch Parkinson Erkrankungen die ohne das so typische Zittern auftreten?

Also als Symptome nur die allgemeine Verlangsamung und Ungeschicklichkeit sowie eine leichte beginnende Demenz aufweisen?

Ich hab einen Riechtest mit Arbeitskollegen gemacht.

Die riechen alle nicht gut.

Alles in Ordnung bei mir. Ich kann den Hund der Nachbarin noch riechen ...

Na super

Da gehst in die Fussgängerzone spazieren und kommst mit Parkinson nach Hause.

Hyposmie versus Anosmie

Sie schreiben dass der Verlust des Geruchssinns von Medizinern als "Hyposmie" bezeichnet wird. Das ist nicht richtig. Der (vollständige) Verlust des Geruchssinns wird "Anosmie" genannt. Der medizinische Begriff der Hyposmie bezeichnet im Unterschied zur Anosmie den nur unvollständigen Verlust des Geruchssinns.

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