Der Sex-Wüstling aus der Eiswüste

12. Juni 2012, 17:43

Das Sexualverhalten der Pinguine versetzte George Murray Levick einen Schock: Die Studie, die der Forscher 1915 verfasste, wagte er nicht zu veröffentlichen

Am 13. Oktober 1911 kam der erste Pinguin in Cape Adare in der Antarktis an, um den Sommer hier zu verbringen, hielt George Murray Levick in seinem Notizbuch fest. Levick war als Arzt Teil der berühmten von Robert Falcon Scott geführten Antarktis-Expedition Terra Nova, die 1913 verhängnisvoll enden sollte. Levick hatte sich vorgenommen, Adeliepinguine hier, in ihrer größten Kolonie, zu studieren. Dem Erstankömmling vom 13. Oktober folgten hundertausende weitere. Der britische Arzt begann, detaillierte Aufzeichnungen zu führen.

Was er beobachtete, was er vor allem an sexuellem Verhalten der Pinguine beobachtete, verblüffte ihn zunehmend: Er entdeckte "kleine Gruppen von Randalierern", die an den Rändern der Kolonie herumhingen, um jedes Kücken zu terrorisieren, das sich in ihre Nähe verirrte. Levick notierte geflissentlich, was kein Forscher vor ihm den Pinguinen in Cape Adare zugeschrieben hatte: Homosexualität, sexuellen und physischen Missbrauch, autoerotisches Verhalten, sexuelle Nötigung und Paarungsversuche mit toten Tieren. Die sexuellen Handlungen der Tiere zielten keineswegs in jedem Fall auf Fortpflanzung ab. Levick war schockiert und entsprechend dem Geiste seiner Zeit versuchte er menschliche Moralmaßstäbe anzulegen. "Es scheint, als wäre für diese Pinguine kein Verbrechen zu niedrig", schrieb er.

Im Gegensatz zu Scott überlebte Levick die Expedition. Zurück in Europa schrieb er im Jahr 1915 eine Studie mit dem Titel "Das sexuelle Verhalten der Adeliepinguine". Er glaubte aber nicht, die vierseitige Abhandlung der Masse zumuten zu können und entschied sich gegen eine Veröffentlichung. Schon die Notizen schienen ihm unangenehm zu sein. Alles, was den Pinguinsex betrifft, schrieb er auf Griechisch, um den Inhalt vor eventuellen Lesern zu verbergen.

Die fertige Studie lag versteckt in der Ornithologischen Sammlung des Naturhistorischen Museums in Tring, einer Ortschaft 50 Kilometer von London entfernt. Die 100 Exemplare, die Levick von der Studie für Kollegen drucken ließ, fanden offenbar kein Echo.

Späte Ehre für Levick

Douglas Russell, Kurator der Vorgelsammlung, fand die Studie. 97 Jahre nach ihrer Niederschrift veröffentlichte er sie nun gemeinsam mit den Forscherkollegen William Sladen und David Ainley neu interpretiert in der Fachzeitschrift "Polar Record".

Die einschlägige Forschung ist heute um vieles weiter. Man hat verstanden, dass Nekrophilie bei Tieren eine andere Bedeutung hat als bei Menschen. Gleichgeschlechtliches Paarungsverhalten wurden mittlerweile bei vielen Spezies beobachtet. Heute verwundern weniger die Pinguin-Randalierer, als viel mehr der Umstand, dass nur 15 Prozent der brütenden Tiere durchgehend Junge aufziehen, sagt Pinguinforscher Ainley. (Alois Pumhösel/DER STANDARD, 13.6. 2012)

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da soll noch einer sagen, homosexualität wäre unnatürlich. :) kommt im tierreich doch recht häufig vor.

http://www.youtube.com/watch?v=b4Yc9lsiIgw

die Antilopendamen sind interessant :-)

Als Bedürfnisbefriedigung wohl nicht.

Wenn ausschließlich Kuh-Damen auf der Weide sind, weiß der Bauer wann Besamungszeit ist. Dann, wenn die ranghöchste Kuh "aufreitet". Nur ein Beispiel von sehr, sehr vielen…

ich sehs schon kommen

Bald gibts auf xhamster, youporn und Co auch noch eine "Pinguin" Kategorie

und jetzt soll von den...

...konservativen nochmal wer sagen, schwul sein sei "unnatürlich"

shit entertase (schaffts das ab, liebe standard-redaktion! ;-)) also nochmals: das ist kein problem, apst benedikt erklärt einfach die pinguine zu unnatürlich bzw. zu teuflischen kreaturen.

unfehlbarkeit hat auch seine vorteile. ;-)

das ist kein problem, die neue

der titel des artikels klingt nach einem deutschen pornofilm über die sexabenteuer eines inuit-wüstlings.

nicht deutscher pornofilm.

sondern nach einem "aufklärungsfilm" aus den 70ern. ;-)

oder einem synchronisierten "aufklärungsfilm" von inuits. ;-)

Typischer Vertreter der Gattung Spitzvogel

(aus dem köstlichen Film "Wellville" mit Anthony Hopkins)

wenn irgendwo sex im titel vorkommt, ist es meist lohnend in den kommentaren zu blättern :)

urvernünftig!

Die sexuellen Handlungen der Tiere zielten keineswegs in jedem Fall auf Fortpflanzung ab. Levick war schockiert und entsprechend dem Geiste seiner Zeit versuchte er menschliche Moralmaßstäbe anzulegen.

Ehrlich, solche Menschen laufen im 21. Jahrhundert noch mit solchen Moralmaßstäben herum!! Sowas würde man heute auch nicht sofort im TV zeigen ...

1911 ist aber schon noch 20 Jahrhundert !

"Am 13. Oktober 1911 kam der erste Pinguin in Cape Adare in der Antarktis an,...."

ja, aber nicht mehr das 21. jahrhundert.

"Ehrlich, solche Menschen laufen im 21. Jahrhundert noch mit solchen Moralmaßstäben herum!!"

Sinnverstehendes Lesen ist jedermanns Sache nicht...

Jetzt soll noch einer sagen,

dass "Perverted Penguin" kein passender Name für die aktuelle Ubuntu-Version gewesen wäre.

Nur dass es in der Antarktis keine Bugs gibt ^^

wann gibt es endlich Aufnahmen aus der Wildkamera?

Die Aufnahmekapazitäten der Wildkameras waren leider erschöpft, nachdem ein paar Kärntner Kommunalpolitiker auf Urlaub da waren.

Viecher werden generell unterschaetzt

die sind garned so bled wies tun.

Die wollen blos nichts hackeln.

warum bezeichnen sie mich als tier?

;-)

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