Der Traum vom Roboter für alles

12. Juni 2012, 17:20
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Lara Lammer baut künstliche Gefährten für ältere Menschen

Die Beziehung zwischen Roboter und Mensch ist meist mit Spannungen verbunden - zumindest in Literatur und Film. So auch im US-Streifen Robot and Frank, der im Herbst in unsere Kinos kommt: Er zeigt die langsame Annäherung zwischen dem mürrischen und ansatzweise dementen Frank und seinem neuen Butler, Kumpel und Helfer: Ein weißer, gesichtsloser Roboter, der Hondas Asimo ähnelt und Frank zu Gartenarbeit und gesundem Essen überreden will.

"So ein Roboter ist das Ziel", sagt Lara Lammer. Die Wirtschaftsingenieurin baut Roboter - und zwar solche, die älteren Menschen mit Rat und Tat zur Seite stehen sollen. "Es geht dabei nicht um Pflegebedürftige, sondern um Menschen über 70, die allein zu Hause leben", betont Lammer, die seit 2009 am Institut für Automation und Regelungstechnik der TU Wien forscht. Seit November 2011 läuft das von ihr mitentwickelte EU-Projekt "Hobbit", aus dem bis 2014 ein fertiger Roboter-Prototyp entspringen soll.

1974 in Istanbul geboren, hat Lammer bereits "eine bunte Lebensgeschichte" hinter sich, wie sie sagt. Als sie eineinhalb Jahre war, ging die Familie ins deutsche Fulda, mit neun Jahren kehrte sie in die Türkei zurück, wo sie das österreichische St. Georgs Kolleg besuchte. "Meine Lieblingsfächer waren Mathe, Physik und Chemie." Natürlich hat sie auch die Science Fiction-Klassiker von Isaac Asimov gelesen: "Ich wollte immer so werden wie die Roboterexpertin aus I, Robot", erzählt sie.

Nach dem Schulabschluss ging sie nach Graz, wo sie die sperrig klingende Studienrichtung Wirtschaftsingenieurwesen-Maschinenbau wählte: "Ich habe Mechatronik mit Elektrotechnik, Informatik, Mathematik und der wirtschaftlichen Seite verbunden", schildert Lammer, die sich in ihrer Diplomarbeit mit Künstlicher Intelligenz beschäftigte. "Ich bin eher eine Generalistin und bewahre gern den Gesamtüberblick."

Deshalb war es ihr auch wichtig, in der Industrie Erfahrungen zu sammeln. Nach dem Studium war sie zuerst als technische Projektleiterin bei Siemens Verkehrstechnik Graz tätig und dann als Key Account Managerin bei einem Dichtungshersteller in Paris. "So habe ich gelernt, wie ein Produkt entsteht, von der Entwicklung bis zum Kundenservice." Als die zweifache Mutter mit ihrem ersten Sohn schwanger war, zog es sie gemeinsam mit ihrem Mann nicht nur zurück nach Österreich, sondern auch zurück zur Wissenschaft - und zum Traum, einen Roboter zu bauen.

An der TU schloss sie sich als Doktorandin dem Team Vision for Robotics von Markus Vinsze an, wo sie seit Mai die interdisziplinäre Gruppe "Task to Command" leitet. "Wir beschäftigen uns mit der Benutzerseite und übersetzen Aufgaben wie ,Bring mir ein Glas Wasser' in Befehle für den Roboter", sagt Lammer, die von der Initiative Femtech des Verkehrsministeriums zur "Expertin des Monats" gewählt wurde.

Für den "Hobbit"-Roboter wurden bereits gemeinsam mit Partnern aus Schweden und Griechenland Workshops mit über 70-Jährigen durchgeführt. Dabei habe sich herausgestellt, dass weder menschen-, noch tierähnliche Maschinen gefragt sind. "Es wird wohl ein Fantasiewesen werden", sagt Lammer. Sie selbst könne sich sehr gut vorstellen, mit einem künstlichen Gefährten zu leben und ist überzeugt: "Irgendwann werden Roboter den Haushalt schmeißen." (Karin Krichmayr/DER STANDARD, 13.6. 2012)


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Femtech

  • Lara Lammer ist Femtech- Expertin des Monats.
    foto: a. bartl

    Lara Lammer ist Femtech- Expertin des Monats.

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