Homo-Ehe: Widerstand im Zentrum der Mormonen bröckelt

Selbst in der konservativen Glaubensgemeinschaft setzt langsam ein Umdenken ein - Barack Obama wird sich freuen

Salt Lake City - Die Fronten wurden Anfang Mai klar abgesteckt: US-Präsident Barack Obama machte sich öffentlich für die Ehe von Homosexuellen stark, sein republikanischer Rivale Mitt Romney zog nur wenige Tage später nach und bekräftigte seine Ablehnung. "Die Ehe ist eine Beziehung zwischen Mann und Frau", verkündete Romney an der konservativ geprägten Liberty University in Virginia. Applaus war die erwartungsgemäße Folge. Für Romney sind harte Arbeit, Familie und Glaube das Fundament Amerikas. Das entspricht auch den Wertvorstellungen seiner Religion, dem Mormonentum. Doch ausgerechnet in Salt Lake City, dem Zentrum der Glaubensgemeinschaft, regt sich nun Widerstand gegen die Ablehnung der Homo-Ehe. 

Obamas Vorpreschen erfolgte mit dem Wissen, dass sich der Wind in den USA gedreht hat. Sprach sich im Jahr 2005 noch eine klare Mehrheit gegen Eheschließungen von gleichgeschlechtlichen Partnern aus, so ist mittlerweile eine hauchdünne Mehrheit dafür. Eine Veranstaltung in Salt Lake City bestätigte diesen Trend. Am 3. Juni wurde im Zentrum der Stadt die Gay Pride Parade durchgeführt. Unter den 5.000 Teilnehmern befanden sich auch 300 Mormonen, die damit auch ein Umdenken in der eigenen Glaubensgemeinschaft einleiten wollten. Denn die Mormonen lehnen die Homo-Ehe nicht nur ab, sie bekämpfen deren Einführung mit allen Mitteln.

Mormonen helfen bei Verbot der Homo-Ehe mit

Als im November 2008 in Kalifornien über die gleichgeschlechtliche Ehe abgestimmt wurde, spielten die Anhänger der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, wie die Glaubensgemeinschaft eigentlich heißt, eine äußerst aktive Rolle beim Stimmenfang. Die Folge: 52 Prozent sprachen sich für das Referendum "Proposition 8" aus, das die Ehe nur für Mann und Frau zulässt. Auch wenn dieses Verbot der Homo-Ehe im Februar 2012 von einem Berufungsgericht wieder aufgehoben wurde, ist die Ablehnung der Mormonen weiterhin präsent.

Dem will nun aber eine Minderheit entgegenwirken. Und die Kirche zeigt sich nach all den kritischen Stimmen mittlerweile etwas toleranter. 2009 unterstützte sie eine Kampagne in Salt Lake City, die Homosexuelle vor Diskriminierung schützen sollte. Ein Jahr später wurde Studenten der von den Mormonen geführten Brigham Young University in Provo erlaubt, sich in einer Gay-Straight Alliance zu organisieren. Im April 2012 stellte diese Gruppe einen Videobeitrag auf Youtube, in dem homosexuelle Mormonen über ihr schweres Leben mit einer Religion berichten, die neben dem traditionellen Familienbild nichts zulässt.

Offiziell lehnen die Mormonen die Homosexuellen-Ehe aber weiterhin ab. "Es hat sich an unserer Doktrin nichts geändert", teilte Eric Hawkins der "New York Times" per E-Mail mit. Hawkins, einer der Sprecher der Glaubensgemeinschaft, sagt, dass Homosexuelle an Gottesdiensten teilnehmen könnten. Führungspositionen in der Kirche stünden ihnen aber nicht offen. Doch es gibt bereits Ausnahmen: Mitch Mayne hat etwa eine führende Position bei einer Mormonenkirchen in San Francisco inne. Er ist bekennender Homosexueller.

Bei der Gay Pride Parade am 3. Juni unterließen es die teilnehmenden Mormonen, auf ihre Probleme in der Glaubensgemeinschaft aufmerksam zu machen. Sie befürchteten, Unterstützer zu vergraulen und bisherige Fortschritte zu zerstören. Denn langsam, aber doch öffnen sich die Mormonen den Homosexuellen. Genauso wie die amerikanische Gesellschaft. Wie weit, das wird der November zeigen. Dann, wenn vier Staaten - Maine, Maryland, Minnesota und Washington - darüber entscheiden, ob sie die Homo-Ehe zulassen. Und dann, wenn Mitt Romney gegen Barack Obama antritt. (kim, derStandard.at, 12.6.2012)

Share if you care