Hofreitschule sieht Einnahmepotenzial bei Reiterei ausgeschöpft

12. Juni 2012, 14:57
  • Elisabeth Gürtler im Interview mit der Austria Presse Agentur

  • Pferd, Pferd, Gürtler.
    foto: apa/georg hochmuth

    Pferd, Pferd, Gürtler.

Gürtler: "Schön wäre, wenn wir so einen kleinen Sicherheitspolster hätten"

Wien - Die Generaldirektorin der Spanischen Hofreitschule, Elisabeth Gürtler, ist kürzlich für fünf weitere Jahre wiederbestellt worden. Im vergangenen Jahr schrieb das Traditionsunternehmen erstmals in seiner Geschichte schwarze Zahlen: "Wir wollen das jetzt natürlich festigen. Das darf nicht nur ein Ein-Jahres-Erfolg sein", unterstrich sie im APA-Interview. Deswegen gilt es Potenziale zu nutzen: Unter anderem soll der Standort Heldenberg zu einem Kompetenzzentrum weiterentwickelt werden.

Zur finanziellen Situation der Hofreitschule erklärte Gürtler: "Wenn man ausgeglichen ist, ist die Lage nicht mehr ernst, aber man hat natürlich keinen Sicherheitspolster. Schön wäre, wenn wir so einen kleinen Sicherheitspolster hätten, aber mit unserer Kernkompetenz, dem Reiten, wird das wohl nicht möglich sein. Weil, mehr als wir jetzt machen, können wir nicht tun." Aber andere Sektoren könnten noch ausgebaut werden.

"Wissen um klassische Reiterei vermitteln"

So soll der Standort Heldenberg in Niederösterreich erweitert werden. "Wir wollen dort das, was das Wort Schule impliziert, nämlich eine Lehrtätigkeit, entwickeln. Wir wollen hier wirklich der internationalen Reiterwelt dieses Wissen um die klassische Reiterei vermitteln", erklärte Gürtler das Vorhaben. Angeboten werden sollen Kurse wie auch Einzelstunden: "Ich glaube, das ist noch ein Potenzial, das wir nicht realisiert haben, das aber zweifellos da ist." Auch bei der Vermietung von Immobilien sei "schon noch etwas drinnen" und die Umsätze im Shop könnten noch gesteigert werden.

Für 2012 hat die Hofreitschule einen Jahresüberschuss von 324.000 Euro geplant. "Wir sind im Moment noch im Budget, aber es kann immer etwas dazwischen kommen", zeigte sich Gürtler verhalten optimistisch. Lob gab es für das zwei- wie auch vierbeinige Hofreitschul-Personal: "Ich glaube, wir sind, was die Pferde, was die Reiter betrifft, sehr gut aufgestellt. Wir haben gute Pferde, wir haben gute Reiter." In der Stallburg in Wien stehen derzeit 72 Lipizzaner, am Heldenberg knapp mehr als 30. Der Personalstand in Sachen Reiterei umfasst 21 Personen - inklusive der fünf Eleven.

Derzeit auf Trab hält die Verantwortlichen ein Event, das von Gürtler ins Leben gerufen wurde: die Fete Imperiale. Diese wird am 29. Juni in der Hofreitschule gefeiert. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: "Es ist das dritte Mal, dass die Fete Imperiale stattfindet. Wir glauben immer, dass wir schon routiniert sind, aber am Schluss ist es dann aufregend, weil man eigentlich nicht immer ganz fertig wird."

Weiße Hengste auf Sommerfrische

Der Sommerball, der in den Farben Gelb und Violett gehalten ist, steht heuer ganz im Zeichen der Olympischen Spiele. Die Hofreitschule wird aus diesem Anlass mit Flaggen geschmückt, auch die fünf olympischen Ringe bzw. Fackeln werden präsent sein. Weiters werden bei der Eröffnung Olympioniken mit ihren Medaillen einziehen. Unter anderem haben sich Mirna Jukic, Michaela Dorfmeister, Roman Hagara sowie Karl Schranz und Kate Allen angekündigt. Eine Sängerin aus der Mailänder Scala wird ebenfalls auftreten, der Name wird aber noch geheim gehalten: "Das ist ein Überraschungsgast, aber sie sieht sehr griechisch aus", so Gürtlers Hinweis.

Einen großen Auftritt haben dieses Mal auch Esel: "Es gab früher die Barock-Esel. Und zwar waren das weiße Esel mit blauen Augen, die eigentlich dem Amüsement hochgestellter Damen und Kinder gedient haben. Also, das war etwas, was man nicht einfach so auf der Wiese herumlaufen gesehen hat." Vielmehr habe man sich an den Tieren "ergötzt".

Ein Pferd wird heuer - im Gegensatz zu den Vorjahren - nicht zu sehen sein. Die weißen Hengste werden vielmehr vom Ball nichts mitbekommen, da sie zu dieser Zeit auf Sommerfrische weilen. Der gesamte Erlös der Fete Imperiale fließt in den Erhalt der Hofreitschule bzw. in die wissenschaftlichen Programme der Lipizzanerzucht. (APA, 12.6.2012)

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14 Postings
"Einzelstunden"......

Wer schon einmal das "Morgentraining" am Heldenberg miterlebt hat, den wird es nicht wundern, daß offensichtlich ernsthaft angedacht wird, "Einzelstunden" anzubieten ... Es erinnerte nämlich stark an stinknormalen österreichischen "Reitschulbetrieb".Von einer KLASSISCHEN (im Wortsinn) Herangehensweise ist dort leider NICHTS(mehr?) zu erkennen. Leichttraben steht auf der Tagesordnung, die TRENSE ist das - oft kräftig eingesetzte-"Hauptwerkzeug", und der STEIFE "DRESSURSITZ" offenbar die vermittelte Regel...La Gueriniere würde SCHAUDERN ob solcher Szenen......Der schnelle (Pseudo)"Erfolg" scheint das angestrebte Ziel. Von PFERDEGEMÄßER GYMNASTIK leider KEINE SPUR.... Über die "Haltungsbedingungen" am Heldenberg: NETT formuliert: SUBOPTIMAL...

Wer eine Trulla zur Chefin macht, darf sich nicht wundern.

Ja ja, das phöse Management

bringt den Betrieb doch glatt in die Gewinnzone.

Ja derfens denn des?

Ich glaube nicht, dass die Frau Gürtler etwas mit Management zu tun hat.

Und was ist da so schlecht drann was sie macht?

Wer nichts macht, macht auch nichts "so schlecht".

wenn die nie gewinn gemacht haben bisher
warum haben dann manche reiter und angestellte so gut verdient?

es soll jeder ein faires gehalt kriegen speziell wenn er erfolgreich und gut ist
aber nicht wenn die algemeinheit für verluste einstehen muss

Viele Kulturbetriebe machen keinen Gewinn.

Die Spanische Hofreitschule ist vornehmlich eben zur Erhaltung der Tradition angehalten und nicht zur Erzielung von Gewinnen. Man könnte natürlich viel billiger arbeiten, wenn man gewöhnliche Haflinger nähme, und statt jahrelangem Training für Pferde und Bereiter nach einem dreiwöchigen Crashkurs zum Flohwalzer im Kreis ritte.
Genauso wie man auch in der Staatsoper nicht unbedingt singen müsste. Im Praterdome singt ja auch kaum jemand live, und es kommen hunderte jedes Wochenende..

Was für ein "Kulturbetrieb" ?

Fast so "kulturell" wie ein "Sissy"-Museum !

Lippizanerleberkäse verkaufen! (Schmeckt eh keiner, wenn nur Haflinger drinnen sind)

Würde zu den "Sacher"-Würstchen (sic !) passen !

1. ist der "leberkäse"-schmäh kein schmäh mehr, weil irgendein koffer schreibt den bei jedem pferdethema
2. könntest wenigstens den namen richtig abschreiben
3. würde nicht durch die zensur kommen

Eine kürzlich erschlossene Einnahmequelle:

Jeder, der in Ö ein Häferl mit einem Pferd drauf verkauft, wird jetzt wegen Markenverletzung auf "Herausgabe des Gewinns" geklagt.

sie haben nicht so unrecht

einer der wesentlichen haken an der reitschule ist, dass die markenhoheit nicht die ausschließliche domäne der institution ist.

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