Fekter verärgert Monti, Krisenstimmung bleibt

Analyse12. Juni 2012, 15:23
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Offene Fragen bei der Spanien-Rettung, Italien als Wackelkandidat, Europa bleibt nervös und Maria Fekter sorgt wieder einmal für Unmut

Nur kurz währte die Freude an den Finanzmärkten. Die am Wochenende angekündigte Bereitschaft zur Hilfe für Spanien sorgte für leichte Erholung und ein kleines Kursfeuerwerk an den Börsen. Doch nun hat sich wieder Ernüchterung breit gemacht.

Nicht nur die offenen Fragen zur Spanien-Rettung - welcher Rettungsschirm, ESM oder EFSF; wie sehr erhöht sich die Staatsverschuldung Spaniens durch die Finanzhilfen - sorgen für Nervosität. Es mehren sich auch die Stimmen, die Italien als nächsten Kandidaten in der Schlange um Euro-Rettungsgelder stehen sehen.

Die Renditen für spanische und italienische Staatsanleihen steigen am Dienstag erneut auf kritische Werte. Spanische Bonds mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren kletterten wieder über die 6,5 Prozent-Marke, italienische über 6,0 Prozent. Grundsätzlich gilt eine Rendite von über sechs bis sieben Prozent (es gibt unterschiedliche Auslegungen, ab wann es so weit ist) als für einen Staat nicht dauerhaft finanzierbar. Zum Vergleich: Österreichische zehnjährige Anleihen notieren derzeit bei einer Rendite von 2,33 Prozent.

Fekter verärgert Monti

Für Aufregung in der Euro-Familie sorgte wieder einmal die österreichische Finanzministerin Maria Fekter. In der ZIB2 am Montagabend wollte sie nicht ausschließen, dass auch Italien Hilfe aus dem Euro-Rettungsschirm benötigen könnte. Zwar entschärfte Fekter ihre Aussage am Dienstag deutlich, und meinte, es gebe "keine Anzeichen" für einen Antrag Italiens auf Finanz-Hilfe, Italien sei eine starke Volkswirtschaft. Einen Rüffel aus Italien handelte sich die Finanzministerin aber dennoch ein. Premier Mario Monti hält es für "völlig unangebracht, dass sich eine Finanzministerin aus der EU zu der Lage in einem anderen Mitgliedsland äußert - und insbesondere so äußert, wie sie es getan hat". Nachsatz: "Ich für mich halte mich jetzt lieber zurück, meinerseits die Worte der Ministerin zu kommentieren."

Zu Wort meldet sich auch die Ratingagentur Fitch, wenn auch nicht als Antwort auf Maria Fekters Aussagen. Italien sei in einem besseren Zustand als Spanien und brauche voraussichtlich auch keine Hilfe. Das Land habe nur ein kleines Haushaltsdefizit und ein viel geringeres Leistungsbilanzdefizit als Spanien. Zudem seien die italienischen Banken wesentlich robuster als die spanischen Geldhäuser. 

Allerdings habe Italien einen sehr hohen staatlichen Schuldenstand. Der Spielraum, weitere negative Schocks zu verkraften, sei sehr klein. Der italienische Staat sei sehr vom Zinssatz an den Märkten abhängig, der derzeit sehr hoch sei. Dieser liege über dem nominalen Wirtschaftswachstum, so dass die Marktentwicklung die Wirkung einer selbsterfüllenden Prophezeiung auf die Kreditwürdigkeit haben könnte.

Bankenunion

Unterdessen rührt EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso weiter die Werbetrommel für eine sogenannte Bankenunion in Europa. "Ich denke, wir haben jetzt die Bedingungen, dies voranzutreiben", sagte er der "Financial Times" (FT). Barroso möchte die größten Banken der 27 EU-Staaten schon im kommenden Jahr unter die Aufsicht einer europaweiten Aufsichtsbehörde stellen. Die Pläne stoßen vor allem in Deutschland und Großbritannien auf starken Widerstand. 

Eigentlich richten sich aber die europäischen Blicke derzeit ohnehin nur auf Griechenland. Am Sonntag läuft der zweite Wahldurchgang, die linke Partei SYRIZA unter Alexis Tsipras hat gute Chancen, die Wahl für sich zu entscheiden. Von der Sparpolitik und den Auflagen Europas für die Griechenland-Hilfen hält er bekanntlich nicht allzu viel. Der Euro-Austritt Griechenlands könnte nach einem Sieg der SYRIZA im Raum stehen. Finanzbeamte der Eurozone bereiten sich mit Notfallsplänen jedenfalls schon einmal vor, namhafte Ökonomen sehen in einem Euro-Austritt Griechenlands die Mega-Katastrophe und letztlich das Ende des Euro auftauchen. (rom/Reuters/APA, derStandard.at, 12.6.2012)

  • Die Lösung aus dem Hut zu zaubern, wäre wohl die einfachste Variante. So leicht geht das aber auch nicht, wie man derzeit in Europa gut beobachten kann.
    foto: derstandard.at

    Die Lösung aus dem Hut zu zaubern, wäre wohl die einfachste Variante. So leicht geht das aber auch nicht, wie man derzeit in Europa gut beobachten kann.

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