Potenzieller Königsmacher gegen Tsipras

Der Chef der kleinen DIMAR-Partei will Griechenland im Euro halten - Mit seinem Ex-Parteifreund Tsipras kommt er auf keinen grünen Zweig

Der Unterschied zum Populisten Alexis Tsipras könnte größer kaum sein. "Politische Standpunkte sind nicht stärker, nur weil man sie laut vorträgt", sagt Fotis Kouvelis, 63-jähriges Urgestein der griechischen Linken. "Es kommt darauf an, was man zu sagen hat."

Der Anwalt ist ein Mann des leisen Worts, er war Widerstandskämpfer gegen die Obristenjunta in den 70er-Jahren und ist bis heute ein "pro-europäischer Linker" geblieben. Kaum einem anderen Politiker gegenüber aber sind die Griechen dieser Tage so hellhörig wie dem Chef der Linksdemokraten, der nach der Wahl am Sonntag zum Königsmacher avancieren könnte. Kouvelis, dessen Partei DIMAR sich 2010 vom Linksbündnis Syriza löste und bei der Wahl im Mai mehr als sechs Prozent errang, zählt laut Meinungsumfragen zu den beliebtesten Politikern Griechenlands.

Bis heute macht Kouvelis, der in seiner Jugend ein hoffnungsvoller 3.000-Meter-Läufer war, keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen den weit forscher auftretenden Tsipras. Ein "radikaler Träumer" und "nicht regierungsfähig" sei dieser. Zwei Jahre zuvor war er dem Junglinken bei der Wahl zum Chef des Wahlbündnisses Syriza noch krachend unterlegen.

Widerständige Jugend

Während sich bei Griechenlands Linken heute über Merkels Sparkurs die Geister scheiden, hieß der wichtigste ideologische Reibebaum zu Beginn der langen Politkarriere des Fotis Kouvelis Moskau. Als Jugendlicher war er Mitglied der vom Liedermacher Mikis Theodorakis geführten Lambrakis-Jugend, die nach der Ermordung des Pazifisten Grigoris Lambrakis durch Rechtsextremisten 1963 gegründet wurde und später Widerstand gegen die Militärdiktatur leistete. Als Student - Jus, Wirtschaft und Politikwissenschaft - schloss er sich der moskaukritischen Anti-Junta-Bewegung Rigas Feraios an.

In den 70er- und 80er-Jahren hatte Kouvelis, der sich bis heute als "pro-europäischer Linker" sieht, einen festen Platz im Zentralkomitee der griechischen Filiale der Eurokommunisten inne, 1989 stieg er als Chef der Athener Anwaltskammer für drei Monate zum Justizminister in einer kurzlebigen Koalition aus Konservativen und dem Linksbündnis Synaspismos auf.

Gut möglich, dass der 63-Jährige bald wieder in einem Regierungssessel Platz nehmen wird. Die letzten Umfragen sehen seine Partei bei 7,5 Prozent. Am Sonntag gab der DIMAR-Chef seine Bedingungen für den Eintritt seiner Partei in eine allfällige Einheitsregierung nach der Wahl bekannt. Neben den Forderungen die Vermögenswerte der orthodoxen Kirche der Steuerpflicht zu unterwerfen und die Immunität von Ministern und Parlamentariern aufzuheben, sticht vor allem Kouvelis' Bekenntnis zu den Sparmemoranden von EU und Währungsfonds bis 2017 heraus. Eine Regierung aus PASOK-Sozialisten, Konservativen und DIMAR käme für den Altlinken nur in Frage, wenn sie sich der "progressiven Politik" verschreibt. Ein dritter Wahlgang, fügte Kouvelis an, wäre allerdings die größte Katastrophe. (flon, derStandard.at, 12.6.2012)

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