Österreich ist bei Kindersicherheit im EU-Vergleich Zehnter

12. Juni 2012, 13:40
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"Jede Stunde stirbt in der EU ein Kind aufgrund von Verletzungen", sagt Joanne Vincenten von der European Child Safety Alliance

Wien/Straßburg - Beim Thema Kindersicherheit rangiert Österreich im EU-Vergleich an zehnter Stelle. Das ist das Ergebnis einer zum dritten Mal von der European Child Safety Alliance (ECSA) durchgeführten Untersuchung in 31 Ländern (alle 27 Mitgliedsstaaten plus Kroatien, Island, Israel und Norwegen). Die Daten wurden am Dienstag in Straßburg veröffentlicht. Österreich punktet vor allem bei Radfahrer- und Fußgängersicherheit.

"Jede Stunde stirbt in der EU ein Kind aufgrund von Verletzungen", sagte ESCA-Leiterin Joanne Vincenten. Prävention "könnte die meisten dieser Leben retten". Verletzungen seien die häufigste Ursache für Tod, Invalidität, Belastung und Chancenungleichheit bei Kindern in Europa. Generell habe sich die Situation verbessert, am meisten in Ländern, in denen zuletzt in Vorsorge besonders investiert worden sei, wie Tschechien, Finnland, Ungarn, Schottland und Spanien. Die Verschlechterung seit 2009 in Griechenland, das auf den letzten Platz abrutschte, spiegle die Wirtschaftskrise wider.

Bei den Gesamtergebnissen steht Finnland mit 45 Punkten an der Spitze, gefolgt von Island als zweitbester Staat sowie den Niederlanden, Tschechien und Polen, die sich den dritten Platz teilen. Österreich liegt mit 37,5 Punkten gleichauf mit Schottland und fuhr damit ein "gutes" Ergebnis ein. Für die Bestnote "exzellent" hat es noch nicht gereicht, diesen Wert erlangte allerdings auch kein anderes Land.

Österreich punktet mit Radhelmpflicht

Bei einem zweiten Ranking, das sich auf die Anzahl der Todesfälle von Kindern durch Verletzungen bezieht, gelten die Niederlande vor Schweden, Großbritannien und Deutschland als am sichersten. Österreich nimmt auch hier - nach Slowenien und vor Frankreich - den zehnten Platz ein. Am negativen Ende finden sich Rumänien, Bulgarien und Litauen.

2010 sind laut ECSA in Österreich 144 Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre durch Verletzungen gestorben. Könnte Österreich die Todesrate auf den Level der Niederlande reduzieren, wären 44 bzw. 31 Prozent dieser Leben gerettet worden. Mehr Anstrengungen seien zum Beispiel im Bereich der Unfälle in den eigenen vier Wänden nötig.

Die Erhebung der österreichischen Daten hat der in Graz ansässige Verein Große schützen Kleine mit dem Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) koordiniert. "Im Vergleich zur letzten Erhebung konnte Österreich mit der Einführung der Radhelmpflicht bis zwölf Jahre sowie mit Fußgängersicherheit punkten. Abzüge brachten aber wieder, so wie in den letzten Jahren, vor allem strukturelle, gesetzliche Mängel sowie die budgetäre Unterdotierung und die mangelnde Zuständigkeit in der Prävention von Kinderunfällen", analysierte Michael Höllwarth, Präsident von Große schützen Kleine.

Anschnallpflicht, Fenstersicherungen, Rauchmelder

Als Schwäche beurteilte er auch das Fehlen nationaler Kampagnen zur Hebung des Risikobewusstseins. Dass in Österreich Fenstersicherungen oder die Einzäunung privater Pools nicht vorgeschrieben sind, lasse das Land ebenfalls schlecht abschneiden. Den größten Aufholbedarf sieht Höllwarth in der Sturzprävention.

Die ECSA empfiehlt Österreich u.a. folgende Maßnahmen: die Einführung der Anschnallpflicht im Auto gegen die Fahrtrichtung bis vier Jahre; die Ausdehnung der Radhelmpflicht auf alle Altersgruppen; die bundesweite Einführung von Fenstersicherungen für Gebäude mit mehr als einem Stockwerk; kindersichere Verpackungen für Medikamente; das verpflichtende Anbringen von Rauchmeldern in Privathaushalten; die Integration von Unfallprävention in Berufsausbildungen für Pädagogen, Ärzte und Krankenpflegepersonal.

Bisher verfügt laut ESCA beispielsweise kein Land über ein Gesetz, das vorschreibt, dass Kinder bis vier im Auto in einem nach hinten gerichteten Sicherheitssitz zu befördern sind. In Schweden gehöre das aber zur üblichen Praxis, und dort seien die Todesfälle bei Kindern als Mitfahrer in dieser Altersgruppe fast auf null gesenkt worden. (APA, 12.6.2012)

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    Auch auf den Straßen sollen die Sicherheitsvorkehrungen für Kinder verbessert werden, fordert das Kuratorium für Verkehrssicherheit.

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    Eine Auswahl der in der Studie berücksichtigten Länder.

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