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Die Woche vom 18. bis 24. Juni steht im Zeichen von Blasen- und Darmschwäche

"Die wirksamste Maßnahme gegen Inkontinenz ist die Beseitigung von Tabus", sagt Urologe Mons Fischer, Präsident der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich.
Inkontinenz ist weit verbreitet. Rund eine Million Österreicher haben Probleme mit der Blase oder dem Darm, dabei sind Frauen weitaus häufiger betroffen. Mit dem Alter nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, die Blase oder den Darm nicht mehr ausreichend unter Kontrolle zu haben. Doch auch in jungen Jahren, zum Beispiel nach einer Schwangerschaft oder einer Prostata-Operation, können Probleme auftreten.
"Die Hälfte der Erkrankten ist unter 60 Jahre alt", weiß Urologe Mons Fischer, Präsident der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ). Auch Kinder sind betroffen: "Bettnässen und kindliche Harninkontinenz zählen nach Allergien zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter."
Beeinträchtigung des Alltags und des sozialen Lebens
Die Woche vom 18. bis 24. Juni steht im Zeichen von Blasen- und Darmschwäche. Ausgerufen von der International Continence Society (ICS) soll die Initiative weltweit die Sprachlosigkeit, die immer noch um das tabubehaftete Thema Inkontinenz herrscht, aufbrechen und Betroffene motivieren Hilfe in Anspruch zu nehmen. Getreu dem Motto "Darüber reden statt darunter leiden!" ist die Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) in dieser Woche österreichweit aktiv, lädt Betroffene und Angehörige zu Informationsveranstaltungen und bietet Information sowie kostenlose persönliche und telefonische Beratung.
Bei Inkontinenz gibt es viele unterschiedliche Formen und Ursachen, die aber alle eines gemein haben: Sie bringen einen enormen Leidensdruck mit sich. Es kommt zu Beeinträchtigung des Alltags und des sozialen Lebens: "Angst davor, dass die Umgebung etwas sieht oder riecht, Ausrichtung des täglichen Lebens um die Nähe zu Toiletten, finanzielle Belastungen durch Hilfsmittel und Wäschepflege sind ein kleiner Auszug, wie es Betroffenen geht", berichtet Fischer.
Inkontinenz ist behandelbar
Dennoch: Aus Scham und weil zu wenig Wissen über die gute Behandelbarkeit von Blasen- und Darmschwäche vorhanden ist, geht nur ein Bruchteil der Betroffenen zum Arzt und holt sich medizinische Hilfe. Viele meiden die Öffentlichkeit und verlieren zunehmend ihr Selbstwertgefühl. Auch Angehörige sind durch die Situation belastet und häufig ebenso rat- und hilflos. Fischer: "Blasen- und ganz besonders Darmschwäche sind nach wie vor ein Tabuthema in unserer sonst so aufgeklärten Gesellschaft."
Gegen Blasen- und Darmschwäche kann man in den meisten Fällen etwas tun. Je nach Ursache gibt es heute eine Reihe von medikamentösen, physikalischen, operativen und alternativen Behandlungsmöglichkeiten. "Je früher mit der Therapie begonnen wird, desto besser sind die Heilungschancen", appelliert Fischer.
"Besonders wichtig vor Beginn der Behandlung ist die Erkennung der Inkontinenzform, damit sie zielgerichtet erfolgen kann." Mit richtigem und rechtzeitigem Beckenboden- und Blasentraining können verschiedene Inkontinenzformen in vielen Fällen wesentlich gemildert beziehungsweise überhaupt vorgebeugt werden.
Neue Therapien
Ist korrekt durchgeführtes Beckenbodentraining bei der Belastungsinkontinenz - Harnverlust bei Anstrengung durch Schließmuskelschwäche - nicht ausreichend erfolgreich, kommen neu entwickelte, minimal invasive Operationsmethoden zum Einsatz, die, laut Fischer, kaum belasten und in jedem Alter durchgeführt werden können.
Für die Dranginkontinenz - Harnverlust durch eine Überaktivität der Blase - wurden besser verträgliche Medikamente entwickelt: "Es gibt wirksame Substanzen, die mittels Katheter direkt in die Blase eingebracht werden. Auch Botox, das in die Blasenwand gespritzt wird, kann jetzt Linderung bringen", so der Urologe. "Eine Elektrostimulation über die Haut oder direkt am Nerv über ein implantiertes Stimulationsset (Neuromodulation, Anm.) kann die massiven Harndrangbeschwerden beherrschen."
Weltweite Initiative gegen das stille Leiden
Um gegen das Tabu anzukämpfen und über die zahlreichen Möglichkeiten der Behandlung sowie Alltagsbewältigung zu informieren, ruft die International Continence Society (ICS) jährlich die World Continence Week aus.
Vom 18. bis 24. Juni sind heuer auf der ganzen Welt Aktivitäten geplant, die Betroffene, Angehörige, Pflegende und alle mit dem Thema konfrontierten Personen motivieren sollen, früher beziehungsweise überhaupt professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. "Die wirksamste Maßnahme gegen Inkontinenz ist die Beseitigung von Tabus", bringt Fischer das Ziel der Aktionswoche auf den Punkt. (red, derStandard.at, 13.06.2012)
Information:
Die Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) bietet Informations-Veranstaltungen mit Experten-Vorträgen und persönliche Beratungsgespräche. Ein Info-Paket kann nach individuellen Bedürfnissen kostenlos bestellt werden.
MKÖ-Beratungstelefon 0810 / 100 455
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