OPEC sorgt sich um Einnahmen

12. Juni 2012, 17:49
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Venezuela, Iran unglücklich über bröckelnde Ölpreise

Wien - Des einen Freud, des anderen Leid: Während Autolenker dieser Tage froh sein dürfen, bei Tankstopps nicht ständig neue Preishöchststände verdauen zu müssen, sind einige Länder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) zutiefst unglücklich darüber.

Namentlich Venezuela und Iran haben im Vorfeld der Opec-Konferenz diesen Donnerstag in Wien angekündigt, eine Förderkürzung durchdrücken zu wollen. Ein geringeres Ölangebot sollte den Rohölpreis wieder nachhaltig über die Marke von 100 Dollar je Fass (159 Liter) hieven. Von den Höchstständen bei knapp 128 Dollar (96,48 Euro) im März ist der Ölpreis um fast ein Viertel abgerutscht - und schmälert die Einnahmen der Opec-Länder.

Am Dienstag kostete die in Europa preisbestimmende Nordseesorte Brent knapp 98 Dollar, US-Leichtöl etwa 83 Dollar. Venezuela und Iran, die Mineralölprodukte stark subventionieren und auch deshalb mit akuten Budgetproblemen zu kämpfen haben, sind auf hohe Einnahmen aus dem Ölverkauf besonders angewiesen.

Saudi Arabien, größter Produzent des Ölkartells und eines der wenigen Länder, die kurzfristig deutlich mehr Öl auf den Markt bringen können, will versuchen, Venezuela, Iran und ähnlich gesinnte Länder im Zaum zu halten. Mit Beginn der Reisesaison sollte die Ölnachfrage im dritten Quartal - verglichen mit dem schwächeren zweiten Quartal - steigen und auch im Schlussquartal höher bleiben, erwarten die Saudis. Zu hohe Ölpreise könnten die Konjunktur weiter zurückwerfen.

Ausblick unverändert

Zuletzt hat die Opec, die für ein gutes Drittel der Weltölförderung steht, 31,8 Mio. Fass am Tag produziert. Das sind um 1,8 Mio. Barrel mehr als die im Vorjahr vereinbarten 30 Mio. Fass. Den Ausblick für den Nachfragezuwachs 2012 ließ die Opec in dem am Dienstag publizierten Ölmarktbericht mit einem erwarteten Plus von 900.000 Fass am Tag unverändert.

Große Fragezeichen stehen weiter hinter den Opec-Angaben zu den als gesichert ausgewiesenen Reserven. Diese wurden zuletzt mit rund 1200 Mrd. Fass beziffert. Auf Venezuela allein entfallen nach dieser Rechnung etwa 300 Millionen Fass an Reserven.

"Die Angaben sind mit großer Vorsicht zu genießen", sagte Paul Fink, technischer Vorstand des australisch-österreichischen Explorationsunternehmens ADX, dem Standard. In den 1980er Jahren, als der Ölpreis besonders tief war, seien die Förderquoten der Opec nach Maßgabe der gemeldeten Ölreserven definiert worden. Es kam zu einem wundersamen Anstieg der Reserven. Fink: "Das System ist gleich geblieben". (Günther Strobl, DER STANDARD, 13.6.2012)

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