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Der Große Brachvogel stand AC/DC fast im Weg.

Die Fledermaus blockiert eine Umfahrung.

Eidechsen müssen zugunsten eines Wohnprojekts übersiedeln.
Wien/St. Pölten/Linz - Mit der Hand oder mit kleinen Fangschlingen werden die Mauereidechsen eingefangen. Etwa 20 Exemplare, die im Durchschnitt rund neun Zentimeter lang sind, waren es im vergangenen Monat. Die Tiere müssen übersiedeln, da auf dem ehemaligen Zementfabriksgelände in Rodaun (23. Bezirk in Wien) unter dem Titel "Waldmühle" rund 450 Wohnungen entstehen sollen. Proteste gegen das Projekt beziehen sich vor allem auf befürchtete Verkehrsprobleme. Das Übersiedeln einer streng geschützten Reptilienart vor dem Anfahren der Abbruchbagger ging bislang im Stillen vonstatten.
Immer öfter werden Tiere zum Politikum, nämlich dann, wenn bei einem umstrittenen Straßen- oder Bauprojekt plötzlich seltene Arten auftauchen. "Es steht die Frage im Raum: Welches öffentliche Interesse ist größer? Das am Projekt oder das am Artenschutz?", sagt Christoph Walder vom WWF. So ist es in Tirol der Huchen, die größte Lachsart, der den Bau eines Isel-Kraftwerks verhindert; das Steinhuhn wiederum steht oft Seilbahnen im Weg.
Gitarrenklänge zur Brutzeit
Nicht immer laufen Konflikte um schützenswertes Getier so ruhig ab wie bei der Eidechsen-Absiedlung in Rodaun. Dramatische Szenen sollen sich etwa am Abend des 22. Mai 2010 am Welser Flugplatz abgespielt haben. An diesem Pfingstsamstag soll der Große Brachvogel "panikartig" die Flucht ergriffen haben, Jungen und Eier wurden zu Vollwaisen. Für den oberösterreichischen Naturschutzbund war es auf jeden Fall "blanker Horror", für 95.000 Fans gschmackiger Gitarrenklänge ein unvergesslicher Abend. Am 22. Mai stoppte der Rock-'n'-Roll-Train von AC/DC auf dem Welser Flugfeld, was Naturschützer Wochen vorher auf die Palme brachte.
Dank des im Mai brütenden Brachvogels entwickelte sich das als Sensation angepriesene Konzert zur Zitterpartie. Selbst der oberösterreichische Landtag beschäftigte sich - auf Anfrage der Grünen - mit Angus Young und Kollegen. Konkret wollte man vom Naturschutzlandesrat Manfred Haimbuchner (FP) wissen, ob dieser gedenke, im Vogelparadies den Stecker zu ziehen. Die Antwort fiel eindeutig aus: Sollte es einen Alternativstandort geben und am bisher geplanten Gelände tatsächlich die Brachvogelbrut ob der harten Gitarrenriffs nervös werden, wird es keine Bewilligung für das Konzert geben. Die Welser Stadtregierung schnürte noch eilig ein Maßnahmenpaket, und auf dem Flugfeld hieß es letztlich: "For Those About to Rock - We Salute You."
Mausohr-Freiflug
Dass es beim Einfluss von Tieren auf Bauprojekte nicht unbedingt auf die Größe ankommt, beweist das kleine Mausohr. Sechs bis sieben Zentimeter ist die Fledermaus groß, und sie ist einer der Gründe, warum die Kleinstadt Wieselburg im niederösterreichischen Mostviertel noch immer keine Umfahrung hat. Seit fast zwei Jahrzehnten tobt ein Streit darüber, wie man die Bundesstraße 25, die durch die Stadt führt, umleiten könnte - staut es dort doch regelmäßig. Kurz vor der Landtagswahl 2008 gab es sogar einen Spatenstich, "Danke Erwin" plakatierte die Wieselburger VP.
Passiert ist seither freilich nicht viel, der Akt liegt beim Bundesumweltsenat - wobei man in Wieselburg wohl nicht ganz zu Unrecht vermutet, dass die im Frühjahr 2013 anstehenden Landtagswahlen das Projekt wieder in Fahrt bringen könnten. Wenn das kleine Mausohr der Politik nicht einen Strich durch die Rechnung macht, ist es doch der tierische Protagonist in der Beschwerdeführung der Umfahrungsgegner.
Ziesel als Projektverzögerer
Ein wiederkehrender Projektverzögerer ist der Ziesel, jüngst erst in Wien. Beim Heeresspital in Stammersdorf nördlich der Donau sollen 900 geförderte Wohnungen errichtet werden, so die kleinen Nager das Ersatzquartier akzeptieren, das der Bauträger ihnen geschaffen hat. Dazu müssten sie eine Brücke über den Marchfeldkanal nehmen. Vertschüssen sich die Ziesel - 126 waren es im vergangenen Jahr bei einer Zählung der Uni Wien auf der betroffenen Fläche -, dann wäre das Wohnbauprojekt wohl am Ende. Sehr zur Freude der entsprechenden Bürgerinitiative.
In Wiener Neustadt wurden Ziesel übrigens schon einmal erfolgreich übersiedelt: Sie wohnten just dort, wo das Land sein medizinisches Prestigeprojekt Medaustron errichten wollte. Der Trockenrasen, den die Tiere so gern haben, wurde ab- und auf einer anderen Fläche wieder aufgetragen, die Nager folgten.
In der Steiermark wurde der Wachtelkönig zum Wappentier der Gegner der seit Jahrzehnten vieldiskutierten Ennstal-Autobahn. 1994 wurde der Vogel gesichtet. Dort, wo seit 1972 der Bau einer neuen Verkehrsverbindung durch das mittlere Ennstal geplant ist, brüten einige Exemplare des unter Schutz gestellten Vogels - und verhindern damit seit Jahrzehnten erfolgreich den Bau der ennsnahen Trasse. (Andrea Heigl/Markus Rohrhofer/Gudrun Springer, DER STANDARD, 12.6.2012)
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"In Wiener Neustadt wurden Ziesel übrigens schon einmal erfolgreich übersiedelt"
Dort wurde der Trockenrasen an Stelle A abgetragen und an Stelle B (relativ weit entfernt) wieder ausgelegt. Ob die Ziesel (es waren nicht viele) dem Rasen gefolgt sind, oder einfach auf benachbarte Rasenflächen umgezogen sind hat keiner nachgeprüft (es gibt in der Umgebung glücklicherweise ausreichend intakten potentiellen Lebensraum). Die österreichischen Zieselexperten sind an einer Hand abzuzählen, ein Anruf bei einem davon sollte genügen um den Wahrheitsgehalt einer Information die man von irgendjemandem hat zu überprüfen... Bitte um etwas mehr Qualität in einer Qualitätszeitung ;-)
Die Frage ist, warum geschützte Tiere "plötzlich" gefunden werden. Eigentlich sind für die nach der EU FFH-Richtlinie strenger geschützten Arten sowohl die Erstellung eines Schutzkonzepts als auch Monitoringprogramme vorgeschrieben. Es sollte also bekannt sein, wo die Tiere leben und kaum Überraschungen geben. Leider scheint Österreich bei der Umsetzung von Vorgaben im Umweltbereich extrem schleissig zu sein. Sogar das Umweltinformationsgesetz wurde erst nach einer Klagsdrohung der EU Kommission korrekt umgesetzt (!). Konzepte? Monitoring? Stellenweise, bei weitem nicht flächendeckend. Beispiel: Für Ziesel gibt es in NÖ und im Burgenland Schutzprogramme & Monitoring. In Wien? Natürlich kein Gesamtkonzept und keine Ahnung, wo die Tiere leben
Weil du dich LCD nennst, gehe ich davon aus, dass du verstanden hast, worauf ich angespielt habe. Falls nicht, hier die Aufklärung:
http://derstandard.at/plink/133... id26457280
…sobald es der stadt wels gelingt, hier ihr geplantes gewerbegebiet zu bauen. es war wieder einmal die taktik der "vollendete tatsachen schaffen": genehmigt man das konzert und sind erst mal alle gelege weggetrampelt und der brachvogel fort, steht dem angestrebten verbau keine lästige geschützte art mehr im weg.
mit dem argument "nur wegen ein paar vögel" hatte man natürlich medien und v.a. die konzertgeher schnell auf seiner seite. dass es auch darum ging, eine traditionelle und unsagbar interessante kulturlandschaft (ich hatte seinerzeit als gunskirchner volksschüler die "welser heide" noch im heimatkunde-unterricht) auszuradieren, war sicher nur den wenigsten "gut zu vögeln" t-shirt-trägern des konzertes bewusst. oder schlichtweg egal.
Vielleicht sollte man sich endlich andere Lösungen als mehr Autobahnen und Verkehrstrassen suchen um die Infrastruktur zu erweitern oder neue Häuser zu bauen um das städtische Wohngebiet noch dichter zu verbauen, während nur wenige Kilometer außerhalb von Wien eine Landflucht passiert.
Bis dafür andere Lösung gefunden sind gilt jedoch:
Sicher ist es lästig wenn man wegen einer Tierart derart Rücksicht nehmen muss, aber das ist unumgänglich wenn man verhindern will, dass es in Zukunft nur noch Tauben, Spatzen und eine Kohlmeise gibt. Die Vielfalt der Natur ist unschätzbar wertvoll und da wir auch Teil der Tierwelt sind müssen wir auch die anderen Spezies in unser Denken und Handeln mit einbeziehen.
wäre dem nicht so würde dieser Artikel und dir darin angesprochenen Beispiele non existent.
Aber ich persönlich hätte und hab ohnehin kein Problem damit, nur kann man sich ja auch in die Position anderer Personen hinein versetzen, die nicht diese Einstellung teilen.
Meine Einstellung ist lästig? Könnten Sie das bitte noch etwas ausführen?
Ich kann mir schon vorstellen, dass es eine Belastung bedeutet, wenn man ein geplantes und evtl vor-finanziertes Vorhaben vielleicht sogar aufgeben muss um eine Tierart zu schützen - aber es ist notwendig um die Artenvielfalt aufrecht zu erhalten. Deswegen kann man das durchaus als lästig aber notwendig betrachten, genauso wie manche Menschen mit Arachnophobie die Existenz von Spinnen als lästig aber ebenso notwendig erachten können.
Womit Sie hierbei genau ein Problem haben kann ich leider nicht nachvollziehen.
Entschuldigen Sie, aber dann haben Sie meinen Kommentar nicht aufmerksam genug gelesen.
"Sicher ist es lästig wenn man wegen einer Tierart derart Rücksicht nehmen muss,(...)"
Das ist nicht allgemein formuliert, sondern bezieht sich auf die im Artikel aufgeführten Beispiele.
Und es ist durchaus nachvollziehbar, dass es für die bei den Projekt involvierten Personen durchaus lästig ist, wenn sie ihre Pläne ändern oder ihr Vorhaben aufgeben müssen.
Allerdings beinhaltet Rücksichtnahme auch immer eine gewisse Beeinträchtigung, sei es das Akzeptieren des Kindergeschreis in den Öffis o.ä., man müsste nicht Rücksicht nehmen wenn man dabei selbst keine Einschränkungen erfährt. Es ist nur die Frage wie sehr es belastet bzw lästig ist.
Das ist leider nicht immer bekannt und kommt auch meist erst während des Projekts selbst zutage (z.B wenn z.B. in einem Gebäube vor dem Abriss Begehungen stattfinden und man eine seltene Fledermausart entdeckt o.ä.).
Zudem geht es bei dem Thema auch grundsätzlich darum die menschlichen Bedürfnisse mit dem Tierschutz in Einklang zu bringen, davon sind nicht nur Projektanten betroffen, sondern alle die daran teilhaben.
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