Der LCC, die Kinder und der steinige Weg

  • Der traditionelle LCC-Silvesterlauf führt um die Wiener Ringstraße. Wohin der LCC selbst steuert, ist ungewiss.
    apa-foto: andreas pessenlehner

    Der traditionelle LCC-Silvesterlauf führt um die Wiener Ringstraße. Wohin der LCC selbst steuert, ist ungewiss.

Im Lauf- und Conditions-Club Wien geht es rund. Nach der Entlassung einer Trainerin wollen Nachwuchs- und Hobbysportler den Verein ver­lassen. Der LCC wehrt sich, ist aber auch im Verband nicht gut angeschrieben.

Wien - Es sind turbulente Zeiten für die Wiener Leichtathletik. In der vergangenen Woche ist es beispielsweise hin- und hergegangen mit dem LCC, dem traditionsreichen Lauf- und Conditions-Club mit Sitz im Wiener Prater. Der Wiener Verband (WLV) hatte den LCC kurzfristig schon als ausgeschlossen betrachtet, den Schritt mit "Gesprächen und Informationen" sowie dem "Umstand, dass der LCC seinen Mitgliedsbeitrag 2011 und die Lizenzgebühr 2010 nicht entrichtet hat", begründet. Wenig später ruderte der WLV zurück, er hatte übersehen, dass dem LCC zur Schuldentilgung noch eine letzte Frist bis 15. Juni eingeräumt worden war.

Informationen? Das könnte auch darauf hindeuten, dass es im und um den LCC seit geraumer Zeit Aufregung gibt. Man erinnere sich an Wilhelm Lilge, der als LCC-Sportdirektor beim Eisbärlauf 2008 jene Dopingkontrolle veranlasste, die für LCC-Läuferin Susanne Pumper zum Stolperstein wurde. Pumper, mehrmalige Meisterin auf langen Strecken und ehemalige Rekordlerin im Marathon, wurde zwei Jahre gesperrt. Doch der LCC kündigte nicht sie, sondern Lilge - wobei Klubpräsident Peter Pfannl betonte, die Lilge-Kündigung habe nichts zu tun mit der Pumper-Kontrolle.

Lilge, deklarierter Doping-Gegner, hat einen neuen Verein aufgebaut (team2012), Pumper ist wieder auf dem Laufenden - und, wie sie selbst sagt, "im LCC für die Organisation zuständig". Offizielle Funktion habe sie, sagt sie dem Standard, zwar keine. "Aber ich bin Bevollmächtigte."

Mag sein, dass dieser Umstand die Situation eher nicht entschärft hat. Hinzu kam, dass der LCC vor kurzem die Trainerin Renata Sitek, die Hobby-Laufgruppen leitete und sich vor allem um viele Kinder und Jugendliche im Verein kümmerte, vor die Türe setzte. Die Eltern der Kinder protestierten und protestieren noch, sie wollen Pumper ob ihrer " Vorbildwirkung nicht als primäre Ansprechperson" akzeptieren. Auch etliche Hobbyläufer wollten den LCC verlassen, was dieser wiederum nicht hinnehmen will. Wäre oder würde er aus dem Verband ausgeschlossen, könnten sich seine Mitglieder sofort einen neuen Verein suchen. Ansonsten dürfen sie unter Umständen erst zum jährlichen Übertrittstermin, also Ende Oktober, den Klub wechseln, und wären nach 21 "Stehtagen" wieder startberechtigt.

LCC-Legende Dolfi Gruber

Der LCC wurde 1977 gegründet, mit ihm war über viele Jahre untrennbar die Wiener Lauflegende Adolf "Dolfi" Gruber verbunden. Nachdem Gruber, zwölfmal Marathonmeister und dreimal Olympiateilnehmer (1952, 1956, 1960), 1994 gestorben war, hatte Pfannl den Verein mit dem Versprechen übernommen, ihn in Grubers Sinne weiterzuführen. Vor allem im Nachwuchs- und im Hobbylaufbereich hat der LCC noch Bedeutung, er stellt da und dort auch einige Spitzenläufer. Bei den Meisterschaften im Marathon sind die LCC-Männer zuletzt auf Rang zwei gekommen.

Nach der Rücknahme des LCC-Ausschlusses aus dem WLV konnten LCC-Läufer, die um ihre Startberechtigung schon gebangt hatten, am Wochenende sowohl an den Berglauf-Meisterschaften als auch an den Wiener Meisterschaften teilnehmen. So oder so droht dem LCC ein guter Teil seiner Mitglieder über kurz oder lang abhandenzukommen. Eine weitere Sorge betrifft in Folge den traditionellen Silvesterlauf, den der LCC veranstaltet. Aus Funktionärskreisen war schon oft zu hören, der Lauf könnte viel größer und professioneller aufgezogen sein.

Pumper sieht sich insofern bestätigt, als der LCC-Ausschluss für sie "nicht rechtmäßig" war und vom LCC sowieso angefochten worden wäre. Mittlerweile seien die Gelder auch überwiesen, sagt sie. WLV-Präsident Walter Ottmann betont, dass es der LCC war, der diverse Fristen verstreichen und selbst eingeschriebene Briefe unbeachtet ließ. Ottmann geht davon aus, dass der LCC sehr wohl eine Zukunft hat, auch im Verband. Über einen Vertrauten von LCC-Präsident Pfannl sei für kommenden Freitag ein Gesprächstermin vereinbart worden. Ottmann hofft erstens, dass Pfannl erscheint, und zweitens, dass der LCC niemandem, der den Verein verlassen will, Steine in den Weg legt. Ein Klubwechsel sollte schon in absehbarer Zeit möglich sein, nicht erst im Herbst.

Es ist bemerkenswert, dass Ottmann, der Verbandspräsident, zu Pfannl, dem Klubpräsidenten, seit eineinhalb Jahren keinen Kontakt hat. Ottmann: " Er hebt nicht ab, antwortet nicht auf Nachrichten." Auch für den Standard war Pfannl nicht erreichbar. (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe 12.09.2012)

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