Nadals siebenter Triumph, der Onkel und die Beule

Mit dem siebenten Gewinn lässt der Spanier Björn Borg hinter sich - Djokovic verpasst vierten Grand-Slam-Titel in Folge

Paris - Als Rafael Nadal sieben Jahre alt war, glaubte er, sein Onkel Toni habe magische Kräfte. Schließlich könne es sein Trainer regnen lassen, wenn er in Schwierigkeiten war. Im Finale der French Open gegen Novak Djokovic am Sonntag steckte Nadal in Schwierigkeiten. Und es regnete. Die Fortsetzung am Montag gewann der spanische Sandplatzkönig 6:4, 6:3, 2:6, 7:5 und krönte sich mit seinem siebenten Titel zum alleinigen Rekordhalter im Stade Roland Garros. Mit Tränen in den Augen stürmte er hinauf auf die Tribüne zu Onkel Toni, seinem Retter.

Zuvor hatte der 26-Jährige den Weltranglistenersten wie schon in den ersten beiden Durchgängen entzaubert und so dessen historischen Sieg verhindert. Mit einem Erfolg beim wichtigsten Sandplatzturnier hätte der Serbe als dritter Spieler nach Don Budge (1938) und Rod Laver (1962/1969) alle vier Grand-Slam-Titel nacheinander gewinnen können.

"Das ist einer der speziellsten Momente in meinem Leben", sagte der nach dem Endspiel gezeichnete Nadal. Er trug eine Beule am linken Jochbein davon, als er sich mit dem 14 Kilo schweren Pokal bei der Übergabe von Ex-Champion Mats Wilander selbst im Gesicht verletzte.

Die Geschichte mit dem Regen

Für den Rekordsieg, mit dem Nadal den Schweden Björn Borg überflügelte, musste der Linkshänder aber mehr kämpfen, als es die Kundigen zuvor vermutet hatten. Im Nieselregen hatte Djokovic eine Aufholjagd gestartet, dem Weltranglistenzweiten den ersten Satz im Turnier abgenommen und ihn mit acht gewonnenen Spielen in Serie aus der Fassung gebracht. Nadal beschwerte sich über den Platz, über die Bälle und über die Entscheidung des Oberschiedsrichters, der die Begegnung zuerst weiterlaufen und dann mitten in der zweiten Regenpause um 20.04 Uhr auf den nächsten Tag verschieben ließ.

Nach einer Nacht Erholung kam Nadal wie verwandelt auf den Court Philippe Chatrier. Das Break Rückstand, mit dem er schlafen gegangen war, glich er sofort wieder aus. Und nach 3:49 Stunden, nur 49 Minuten davon am Montag, schenkte Djokovic Nadal den Sieg mit einem Doppelfehler. "Rafa war der bessere Spieler. Ich habe das Finale aber genossen", kommentierte Djokovic.

Zuletzt war das Turnier 1973 nicht pünktlich zu Ende gegangen. Ilie Nastase und Niki Pilic konnten ihr Finale sogar erst am Dienstag austragen. Bis 2016 soll der Court Philippe Chatrier, derzeit mit 15.000 Plätzen der größte Platz der Anlage am Bois de Boulogne, ein Dach erhalten. 273 Millionen Euro soll der Ausbau insgesamt kosten. "Bis dahin heißt es Daumen drücken und hoffen, dass uns der Regen an den Finaltagen verschont", sagt Turnierdirektor Gilbert Ysern. (sid, red, DER STANDARD Printausgabe 12.06.2012)

  • Nadal am Ziel. Zum siebenten Mal in Paris.
    foto: reuters/fuentes

    Nadal am Ziel. Zum siebenten Mal in Paris.

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