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vergrößern 600x826"Prometheus in Athen" oder: sechs Athener in Wien.
Wien - Athen liegt in Wien. Helgard Haug und Daniel Wetzel von der Performance-Truppe Rimini Protokoll haben das Athener Amphitheater Herodion mit "Prometheus in Athen" zu den Wiener Festwochen, genauer ins Volkstheater versetzt.
2010 hatte Rimini Protokoll bei den Festwochen "100 Prozent Wien" gezeigt. 100 Bewohner Wiens wurden nach statistischen Kriterien zu einem Chor formiert. Im selben Jahr brachten sie das Projekt nach Athen, ließen 103 Athener Aischylos' Tragödie "Der gefesselte Prometheus" nachspielen. Nicht streng nach Dramentext aber, sondern als Performance.
Jeder Teilnehmer hatte sich mit einer der Figuren zu identifizieren. Mit Prometheus, der sich gegen die Götter auflehnte, den Menschen Feuer, Kultur und Wissen brachte, und dafür ewige Qualen zu leiden hatte. Oder mit Io, die - perfide Strafe - verfolgt wird von einer Bremse. Die Athener verbanden die Mythologie mit ihrem eigenen Schicksal, dachten im 4000 Zuschauer umfassenden Herodion über Standhaftigkeit nach, über Angst und Solidarität. Immer im Raum stand dabei freilich ein Thema: die Krise.
Fast zwei Jahre später zeigen Rimini Protokoll Athina Tsagaris Videoaufnahmen der Aufführung im Volkstheater. Die Wiener Schauspielerin Agorita Bakali steht alleine auf der Bühne und erklärt, was auf der Leinwand passiert. Nach und nach, als würden sie aus der Leinwand heraustreten, kommen einige der damaligen Teilnehmer auf die Bühne.
Sie spielen das Spiel fort: erzählen, was sie mit den Figuren der Tragödie verbindet. Und mit ihrem Heimatland. Am Ende stehen sechs ganz unterschiedliche Athener auf der Bühne, Frauen und Männer, mit mächtigen Posten oder arbeitslos, alle zweifelnd und in Sorge um die Zukunft ihres Landes. Sie agieren mit den Menschen im Video, die überlebensgroß hinter ihnen an die Wand geworfen werden. Sie stellen sich gegenseitig Fragen, teilen sich auf der Bühne in zwei Gruppen: "Ich" und "Ich nicht".
Wer saß schon einmal im Gefängnis? Wer hatte Selbstmordgedanken? Und: Wer glaubt, dass die Finanzhilfen an Griechenland Sinn machen? Auch das Publikum wird befragt, darf seine Hände heben oder selbst Fragen stellen. Anders als bei erzwungenem Mitmach-Theater wecken die Menschen auf der Bühne Lust, sich mitzuteilen, "Ich" zu sagen - oder eben nicht.
Vor allem zeigen sie mit ihrer ehrlichen Selbstbefragung, ihren Fehlern und Ängsten: Sei es die griechische Götterwelt oder der moderne Staat, Olymp oder Finanzmarkt - hinter dem System sind immer Menschen. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 11.6.2012)
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