Uniqas schwierige Suche nach Hotelinvestoren

10. Juni 2012, 18:47
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Das Verkehrsbüro bietet gemeinsam mit dem Investor Michael Tojner für das Hotelpaket der Uniqa. Nicht alle Interessenten sind glücklich.

Wien - Konzentration auf das Versicherungsgeschäft in den Kernmärkten lautete die Zielrichtung, mit der Uniqa-Chef Andreas Brandstetter im Vorjahr antrat, den trägen Riesen wettbewerbsfähig zu machen. Mittlerweile wurde die deutsche Mannheimer Versicherung verkauft, nun soll bis Ende Juni der Verkauf der 14 Hotels (großteils in Wien, drei in Baden und Eisenstadt, drei in Tschechien) über die Bühne gehen.

Ganz einfach dürfte die Sache aber nicht sein. Gesucht werden Hotelbetreiber oder ein Käufer für das gesamte Paket. Mittlerweile wurde eine zweite Bieterrunde eingeleitet, weil sich herausstellte, dass es Interessenten gibt, die nicht alle Häuser in Bausch und Bogen übernehmen wollen. Der größte Bieter dürfte das mehrheitlich der Vienna Insurance Group (früher Wiener Städtische) gehörende Verkehrsbüro gemeinsam mit dem Investor Michael Tojner sein. Tojner hat erst vor wenigen Wochen das Wiener Fünf-Sterne- Hotel Intercontinental erworben. Für Irritationen unter den Interessenten sorgte jüngst das Offert eines Maklers, der das einzige Fünf-Sterne-Hotel aus dem Uniqa-Paket, das de France an der Wiener Ringstraße, separat Interessenten anbot. Allerdings wurde kein Käufer für die Immobilie gesucht, sondern lediglich ein Pachtvertrag für das Hotel offeriert, was unter Insidern als schlechteste aller Varianten gilt. Bei einem Pachtvertrag hätte der Pächter das volle wirtschaftliche Risiko, weil dem Hoteleigentümer unabhängig von der Nachfrage eine garantierte Pacht bezahlt werden müsste.

Darüber hinaus müssen auch die bestehenden Mitarbeiter übernommen werden, was potenzielle Interessenten ebenfalls abschreckt - genauso wie der Umstand, dass eine Pacht in der Bilanz als Verbindlichkeit gebucht werden muss.

Aus der Uniqa verlautet dazu, die Pacht sei eine Option, es könne aber nach wie vor für das gesamte Paket geboten werden. Dort sind Häuser in ganz unterschiedlichen Lagen und Qualitäten vertreten. In Wien sind es in Summe neben dem de France sechs Hotels in der Kategorie drei bis vier Sterne. Zwei davon, das Prinz Eugen und das Bellevue, liegen direkt an Bahnhöfen und konnten sich dank der regen Bautätigkeit der ÖBB über eine gute Auslastung freuen. Als gute Lage wird das Hotel Kummer auf der Mariahilfer Straße bewertet. Im Paket befinden sich außerdem der auf Events spezialisierte Passauerhof in Grinzing oder der Betrieb der Hofburg. Gerüchte, wonach die Uniqa für das Gesamtpaket einen dreistelligen Millionenbetrag erwartet, wurden nicht bestätigt.

Erbe von der Austria

Zu den Hotels kam die Uniqa durch den Zusammenschluss mit der Austria Versicherung, heute ein Hauptaktionär der Gruppe. Die Austria erwarb die Hotels vor vielen Jahren um krisensicherer zu sein. Infolge hoher Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen und der teuren Sanierung der Gruppe, die auch den Abbau von europaweit 600 Mitarbeitern (davon 200 in der Wiener Zentrale) vorsieht, hat die zu Raiffeisen gehörende Versicherung im Vorjahr einen Vorsteuerverlust von 330 Millionen Euro verbucht. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 11.6.2012)

  • Für das Fünf-Sterne-Hotel de France an der Wiener Ringstraße wird ein Pächter gesucht.
    foto: standard/cremer

    Für das Fünf-Sterne-Hotel de France an der Wiener Ringstraße wird ein Pächter gesucht.

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