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Bilder aus den "verdrängten Jahren" in der Geschichte der ÖBB: Die Ausstellung im ÖBB-Gebäude am Praterstern läuft ab Montag bis 30. September.
Wien - "Mit 19 wurde ich am 4. Jänner 1942 mit meinen Eltern und den 'Glaubensgenossen' (1200 Jüdinnen und Juden, Anm.) deportiert. Nachdem wir aus unserer Wohnung, Naglergasse 2, 'ausgehoben' wurden. Per Lastauto ging es dann zum Aspangbahnhof, wo wir von der jüdischen Kultusgemeinde ein Esspaket bekamen. Unsere Henkersmahlzeit, wie wir Ahnungslosen es damals - Gott sei Dank - noch nicht so richtig begriffen. Das Wenige an Gepäck ging im letzten Wagon mit, so wurde uns versichert, wurde aber direkt außerhalb von Wien abgekuppelt. Die Reise ins Ungewisse dauerte fast fünf Tage ... Der Zug stand vor allem nachts stundenlang still oder wurde umrangiert. Je weiter wir fuhren, desto kälter wurde es. Der Zug war ungeheizt, und nach zweitägiger Fahrt war unsere Ration an Brot aufgegessen. Der Durst jedoch war noch ärger, wir leckten schließlich das Kondenswasser von den Scheiben ... Sie werden verstehen, dass allein das Wort ,Bahnhof' für mich noch heute ein Albtraum ist."
So beschreibt Edith de Zeeuw-Klaber ihre Deportation ins Ghetto von Riga, bei der sie ihre Eltern verlor. Diese wurden unmittelbar nach der Ankunft in Lettland vergast. Transportiert wurde die junge Frau, so wie 65.500 andere österreichische Juden, rund 9400 Sinti und Roma, hunderte Homosexuelle, Zeugen Jehovas und Slowenen von der Österreichischen Bundesbahn, die damals zur deutschen Reichsbahn gehörte.
Porträts von Deportierten
Die Porträts von Deportierten und Ermordeten sind Teil einer Ausstellung im ÖBB-Gebäude am Praterstern, die sich ab Montag mit dem Thema "Bahn und Nationalsozialismus in Österreich 1938-1945" auseinandersetzt. Titel: "Verdrängte Jahre".
Denn wohl haben die ÖBB im Jahr 2000 rund 14,5 Millionen Euro an Restitutionszahlungen an den Versöhnungsfonds geleistet - fundiert und wissenschaftlich aufgearbeitet wird diese Zeit, in der "die Bahn ein zentrales Herrschaftsmittel des Nationalsozialismus war", aber erst jetzt. Ohne Eisenbahn als Transportmittel wären die Massendeportationen in die Vernichtungslager, aber auch die Aggressionskriege der deutschen Wehrmacht in Europa nicht möglich gewesen. Die in der Ausstellung behandelten Themenbereiche sind der "Anschluss", das Schicksal der Bahnbediensteten, Emigration und Kindertransporte, "Sondertransporte" in die Vernichtungslager, sowie Widerstand, Zwangsarbeit, arisiertes Vermögen und Restitution.
Zwei Jahre Recherche
Im Eingangsbereich, erhöht und als Blickfang, eine begehbare Box aus Sperrholz, die innen einen Viehwagon nachbildet. Darin, unkommentiert, die Bilder jener, die in solchen Wagons ihrer Ermordung entgegenfuhren. " Es war uns wichtig zu zeigen, dass es Menschen waren, deren Biografien in der Vernichtungsideologie der Nazis keine Rolle spielten. Sie wurden einfach so, ohne Grund, ermordet", sagt Milli Segal, die die Ausstellung im Auftrag von ÖBB-Chef Christian Kern gestaltet hat.
Zwei Jahre lang hat ein Historikerteam um Traude Kogoj recherchiert, Fakten zusammengetragen und Dokumente ausgewertet. Oliver Rathkolb, Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte an der Uni Wien, saß im wissenschaftlichen Beirat des Projekts und spricht von der Ausstellung als einer "Pionierleistung".
Die Schau im riesigen ÖBB-Foyer zeigt aber auch, dass österreichische Eisenbahner maßgeblich am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt waren. Das Reichssicherheitshauptamt berichtete etwa 1941, dass "im Vergleich zum Altreich die Ostmark seit Ausbruch des Krieges 1939 in sabotagepolizeilicher Hinsicht eine größere Rolle" spielte.
Widerstand bei der Bahn
Was man in Berlin - und in der Folge auch in Wien - darunter verstand, mussten Leopold Strasser und seine Familie bitter erfahren. Strasser, 1903 geboren in Böheimkirchen, tätig als Werkmann bei der Reichsbahn in St. Pölten, wurde 1943 geköpft - weil er 40 Reichsmark Unterstützungsgeld für die Familie eines inhaftierten, "politischen" Bahnbediensteten gesammelt hatte. "Vorbereitung zum Hochverrat" hatte Strasser damit laut NS-Justiz begangen. Seine Frau und seine Kinder verloren nicht nur jegliche Versicherungs- und Pensionsansprüche, sie mussten auch noch die "Endabrechnung" für Haft und Verfahren bezahlen - inklusive "Vollstreckungskosten der Hinrichtung", in Höhe von 209 Reichsmark. 154 österreichische Eisenbahner wurden wegen ihres Widerstands zum Tode verurteilt und hingerichtet, 135 starben in KZs oder Zuchthäusern, 1438 wurden zu Haftstrafen verurteilt.
Die Ausstellung "Verdrängte Jahre" läuft bis 30. September. (Petra Stuiber, DER STANDARD, 11.6.2012)
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Der Opa (* 1900) meines Mannes, ein einfacher Kleinhäusler, im Alter von 6 einem Bauern als Knecht überlassen, war vor dem Krieg bei der ÖBB: Schrankenwärter im Mühlviertler Nirgendwo.
Dann kam die Partei, seine Gleise gehörten der Reichsbahn und er wurde zum Parteimitglied gemacht, Alternative: Arbeitslosigkeit. Zu dieser Zeit hatte er schon 4 Söhne an der Front.
Er hat die Welt nicht mehr verstanden.
Nach dem Krieg wurde er entna*ifiziert. Wieder hat er nicht verstanden, was los ist. Und die neu entstandene ÖBB hat ihn dann gleich entlassen, da war er Mitte/Ende 40, denn er war ja Parteimitglied...
Seine im Krieg erwachsen gewordenen Söhne haben ihn dann ein Leben lang finanziell unterstützt.
Den roten Eisenbahnern ist ihr Widerstand nicht hoch genug anzurechnen. Aber was hat die restliche ÖBB da aufzuarbeiten? Die gab es nicht (mehr). Die so beispiellos in die Vernichtung Abtransportierten fuhren in Waggonmaterial der dt. Reichsbahn. Alle Vorgesetzten kamen - wie in allen Ämtern - ab 1938 aus dem sog. 'Altreich'. Wo ist da seitens der ÖBB eine explizit österreichische Schuld? Bestimmt dass - wie überall in der ehem. Ostmark - danach nicht oder nur lax entnazifiziert wurde, aber die Transporte während des Krieges waren institutionell durch keine ÖBBler aufzuhalten, oder? Nicht falsch verstehen, üble Nazis wird's auch in der Wiener Reichsbahndir. gegeben haben - aber die ÖBB (ab 1947 wieder) kann nur Nachkriegszeit aufarbeiten...
Ahja
wieder was gelernt, es gab also die Bundesbahnen Österreich (BBÖ) "im Reich" und nicht die Reichsbahn von 1938-1945.
Die Österreichischen Bundesbahnen gibt es übrigens erst ab 1945.
Grund für die Bezeichnung BBÖ ist übrigens die
Oensingen-Balsthal-Bahn, die bereits die Bezeichnung OeBB verwendete.
Wenn man schon Geschichte neu schreiben möchte, dann sollte man zumindest die korrekten historischen Bezeichungen und Abkürzungen kennen.
Zuviel Arbeit?
Kann mich bitte endlich wieder jemand an "meine" Vergangenheit erinnern, damit ich endlich vergesse, kritisch bis an die österreichischen Grenzen und darüber hinaus zu blicken, um zumindest dafür zu sorgen, dass ähnliches nicht wieder passiert?
Danke - endlich!
... industriell in dem sinn, dass sich fluglinien damit ein körberlgeld verdienen;
und was ich mit abgeschobenen meine, sollte schon klar sein, oder? die dinge, wo dann manchmal leute, wenn sie sich wehren, den mund mit klebeband verappliziert bekommen, oder, bei abgebrochener beamtshandlung, in lagerhallen deren hinrichtung vorgespielt bekommen, mit aus-dem-fahrenden-auto-rauswerfen und so.
DAS mein ich mit industriell und abgeschoben.
und sich über frontex zu informieren lässt einen die wertigkeit von freiheit, gleichheit, brüderlichkeit oder menschenrechten in europa auch unter anderem licht betrachten.
natürlich war das naziregime was anderes. aber schmerzhaften dingen sollt ma sich nicht erst siebzig jahre später stellen.
... dann könnte man vielleicht von frontexbooten mit eu-geldern und auf eu-geheiß ins mittelmeer zum ersaufen zurückgeschickte flüchtlinge (vor irgendeiner prüfung möglicherweise gerechtfertigt vorliegender asylgründe) als "nicht industriell abgeschobene" bezeichnen, da da keine in privateigentum stehende firmen was dran verdienen (zumindest wüsst ich nix darüber).
aber eigentlich will ich diese differenzierung nicht diskutieren, das führt in die falsche richtung.
was ich sagen wollte: hut ab vor der öbb, sich der vergangenheit zu stellen. wir dürfen aber nicht die augen verschließen vor verbrechen, die in staatlichem namen tagtäglich begangen werden, mit rechtlicher deckung und beteiligung von privatfirmen wie etwa die luftlinien.
Ich bin nicht an den von Ihnen angesprochenen "Spitzfindigkeiten" interessiert, sondern bat Sie um die exakte Definition eines von Ihnen eingebrachten Begriffs, um den der "industriell Abgeschobenen", der reichlich missverständlich ist.
Ein ähnlicher Begriff wird verwendet, wenn es um das entsetzliche Schicksal der in den Konzentrationslagern umgekommenen Unglücklichen handelt:
Die industrielle, seriell betriebene Vernichtung des Holocaust! Nur hier ist diese Definition angebracht, denn es gibt keine industrielle Abschiebung!
Ihr "Körberlgeld" ist ein täglich stattfindender Vorgang von Leistung und Gegenleistung. Die Abschiebungen werden kaum humaner, wenn die daran Beteiligten gratis tätig sind.
... war es, holocaustopfer zu beleidigen. dass man das so sehen kann tut mir leid, ich gestehe, das schlecht formuliert zu haben.
dennoch würde ihr argument bedeuten, dass keinerlei staatlich organisiertes verbrechen mehr kritisiert und angeprangert werden dürfte, solange die opferanzahl einen gewissen schwellwert nicht überschreitet. dafür bin ich leider nicht zu haben.
frontex schickt wissentlich flüchtlinge zurück aufs offene meer, nordafirikanische diktaturen werden unterstützt, weil sie flüchtlinge von europa abhalten, kapitäne, die flüchtlinge in seenot aufnehmen, werden der schlepperei bezichtigt, fluglinien verdienen an abschiebungen.
ich möchte darüber nicht nichts sagen dürfen, weil es noch zu wenige opfer sind.
<Zitat goldene mitte>
ich möchte darüber nicht nichts sagen dürfen, weil es noch zu wenige opfer sind.
<Zitat />
Man kann, soll, ja muss über diese Abschiebungen reden. Sie aber in eine Reihe, egal ob durch direkten Vergleich oder Wortwahl, mit den Verbrechen der Nazi-Diktatur zu stellen, schießt über das Ziel weit hinaus und nutzt weder den Opfern der Abschiebungen noch dem Andenken an die Opfer der Nazis.
Abgesehen davon ist es ein himmelweiter Unterschied ob eine Diktatur Personen auf Grund von Rasse, Glauben oder Klassenzugehörigkeit ermordet oder eine Demokratie Personen, die nicht Bürger des Landes sind, den Zutritt zum Land verweigert. Über die Kriterien der Zugangsgewährung muß natürlich gesprochen werden.
Es gibt keinen Grund mehr, Anschluss unter Anführungszeichen zu setzen. Die Mehrheit der damaligen Bevölkerung war schon vorher dafür (etwas mehr sogar als für den EU-Beitritt), und sogar führende Politiker, Wissenschafter, Künstler etc. sprachen sich dafür aus.
Miklas' Aschiedsrede: "... es soll kein deutsches Blut auf beiden Seiten vergossen werden", zeigt deutlich, welch Geist damals vorherrschte, obwohl Miklas als Bundespräsident selbstverständlich gegen den Einmarsch der Deutschen sein musste.
Wer Anführungszeichen benützt, glaubt noch immer an das Märchen vom ersten Opfer und tut der Vergangenheitsbewältigung nichts Gutes.
Österreich muss sich endlich zur Mitverantwortung bekennen!
auch otto bauer und karl renner waren für den anschluß uns haben das auch öffentlich mit freude kundgetan! nicht nur miklas und innitzer. das wird halt von bestimmter seite gerne vergessen!
ändert zwar nichts an der humanen jahrtausenkatastrophe, die darauf folgte aber man sollte nicht 50% der geschichte unterschlagen!
Da haben Sie doch tatsächlich schon vor dem Anschluß eine Volksbefragung abgehalten und niemand hats bemerkt.
Schön dass Sie jetzt (nach gut siebzig Jahren ) das Ergebnis Ihrer damaligen Befragung veröffentlichen.
Oder hängt das damit zusammen, dass von denen die Sie damals befragt haben, nur noch ganz wenige leben?
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