Was sich durch den Internetstandard IPv6 ändert

9. Juni 2012, 10:51
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Bisher ließen sich mit dem Standard IPv4 rund 4,3 Mrd. Adressen generieren - IPv6 bietet 340 Sextillionen Adressen

Große Unternehmen in aller Welt haben diese Woche den neuen Internetstandard IPv6 eingeführt. Die Umstellung der sogenannten IP-Adressen, Postanschriften oder Telefonnummern vergleichbar, soll Internetnutzern eines Tages ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Zunächst aber werden Verbraucher davon kaum etwas mitbekommen.

Neuer IPv6-Standard

Der bisherige Standard IPv4 ermöglicht es, 4,3 Milliarden Adressen zu generieren. Sie stecken als eindeutige Adresse hinter den gut merkbaren Webseiten mit Endungen wie .at oder .com. Ruft ein Nutzer eine Internetseite über die Adresszeile des Internetbrowsers auf, fragt dieser beim sogenannten Nameserver nach der dazugehörigen IP-Adresse und ruft die Seite auf. Zudem hat jedes mit dem Internet verbundene Gerät eine IP-Adresse, egal ob Laptop, Smartphone oder Firmenserver. Um genügend Adressen zur Verfügung zu haben, wurde mit IPv6 ein neuer Standard entwickelt.

Beim neuen IPv6-Standard besteht jede Internetadresse statt aus bisher 32 Stellen aus 128 Stellen. Dadurch sind 340 Sextillionen Adressen möglich. Das ist eine 340 mit 36 Nullen. Die Umstellung dient vor allem dazu, dem sogenannten Internet der Dinge den Weg zu bereiten. Mit IPv6 wird es vorstellbar, dass künftig auch Geräte wie etwa Kühlschränke, Waschmaschinen oder Hundehalsbänder lebenslang einen festen Zahlencode zugeordnet bekommen. So sollen die Geräte etwa mit dem Energieunternehmen des Nutzers kommunizieren und günstige Zeitfenster zum Stromsparen herausfinden. Er könnte von unterwegs per Smartphone seine Heizung anwählen und einstellen, da jeder Heizkörper seine feste Adresse hat.

Datenschutzfrage

Das hat technisch gesehen viele Vorteile. Doch sind einzelne Nutzer damit auch viel leichter zu identifizieren. Abhilfe schaffen soll ein eigenes System. Die sogenannte Privacy-Extension verschlüsselt die zweite Hälfte der IP-Adresse, sodass sie nicht mehr zum jeweiligen User führt. Datenschützer fordern, dass Internetanbieter ihre Kunden darüber aufklären und sie unterstützen.

Der alte und neue Internetstandard sind nicht miteinander kompatibel, die Adressen lassen sich nicht übertragen. Private Nutzer sollten trotzdem kaum Probleme bekommen. Moderne Betriebssysteme unterstützen den neuen Standard bereits. In selten Fällen könnte es dazu kommen, dass Verbindungen langsamer sind. In vielen Fällen soll das Internet allerdings deutlich schneller werden. Um Fehlern zu entgehen, reicht es oft aus, ein aktuelles Betriebssystem zu verwenden. (kat, DER STANDARD, 9.6.2012)

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    Im Internet der Dinge lässt sich auch das Halsband von Mops Josephine vernetzen. Für genügend Adressen ist gesorgt.

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