Zurück aus dem Videospieltraum E3

Die E3 ist vorbei: Eine Woche der Games-Hoffnungen, "Booth Babes" und Überstunden

Sie kennen das sicher: Man spielt eine ganze Nacht lang "Mario Kart" oder "Turok" und träumt dann von Monstern, die das eigene Gehirn aussaugen, das eigentlich nur ein Luftballon ist. Meinen letzten Videospielalbtraum hatte ich mit 14 Jahren und jetzt bin ich im Flugzeug durch das zerschmetterte Gesicht eines Bodygards in "Watch Dogs" aufgewacht. Es war eine lange Woche, an guten Tagen gab es vier Stunden Schlaf. Die Electronic Entertainment Expo ist vorbei und ich muss sagen, eigentlich hat es sich wirklich ausgezahlt. Von außen betrachtet haben zumindest die großen Drei, Microsoft, Sony und Nintendo nur das Nötigste abgeliefert, doch zwischen all dem Schall und Rauch gab es dieses Mal doch recht viel frische Kost, auf die man sich als langjähriger Spieler freuen kann.

Persönliche Highlights

Meine persönlichen Highlights waren tatsächlich der besagte Schlafräuber "Watch Dogs" und Quantic Dreams "Beyond: Two Souls". Einerseits, weil ich fest davon überzeugt bin, dass Open-World-Games die Spielezukunft sind, die "Big Brother"-Thematik den Puls der Zeit trifft und ich der Verlockung moderner Technologien schwer widerstehen kann. Ganz ehrlich: Ein Wii-Spiel könnte mir den Horror eines Überwachungsstaates nicht annähernd so dramatisch vor Augen führen. Andererseits kann man, meiner Meinung nach, Studios und auch Herausgebern nur gratulieren, wenn sie Risiken eingehen und Pfade betreten, die wir einfache Konsumenten uns nicht einmal gewagt haben, vorzustellen. Shooter gibt es wie Sand am Meer, aber niemand sonst investiert mit derartigem Aufwand in Adventures, die Story und Spiel verschmelzen lassen. Hier wird Unterhaltung für jedermann geschaffen, mit den Ansprüchen einer Kinoproduktion.

Was allerdings nicht heißen soll, dass ich mich nicht auch auf traditionelle Entwicklungen und die Kreationen rund um die Möglichkeiten der Wii U freue. Eine Zusammenfassung jener Games, die man besonders im Auge behalten sollte, folgt am Sonntag.

Attraktionen abseits der Games

Aber selbst abseits der Spiele wird mir die diesjährige E3 noch länger in Erinnerung bleiben. Besonders ist mir ein Ausspruch eines "Booth-Babes" in Erinnerung geblieben, das meinte, dass "es ein Job ist, wie jeder andere." Ich schoss ein Foto von ihr, worauf sie mich fragte, ob ich es für private oder berufliche Zwecke benutzen würde. "Ich suche ein Titelbild für meinen Blog", erklärte ich ihr, "und bin unentschlossen, ob ich einen Schlafenden Spielredakteur nehmen soll oder eine schöne Standdame." Professionell wie sie sich gab, lächelte sie und und entgegnete, ich solle, sofern ich ihr Foto verwende, in jedem Fall die Webseite des beworbenen Games dazuschreiben. Den Titel habe ich leider im selben Moment vergessen.

Entwicklerleidenschaft

Die E3 ist eine Ansammlung von Klischees, Showtalenten und wanhsinnigem Arbeitseifer. Egal ob der "Wall Street Journal"-Reporter, der "WedbushMorgan"-Analyst oder der Branchen-Blogger: Wären Laptops Rennautos, wären die Funken geflogen. Der Geschwindigkeit, mit der sogar ganze Videobeiträge editiert und geschnitten wurden, kann man nur Respekt zollen. Schon als Schreiberling waren die Abende lang und die Morgen früh.

Den Verlockungen Los Angeles eigentlich dummer Weise fast komplett widerstanden, bin ich froh, zumindest eine Abendveranstaltung wahrgenommen zu haben. Es war richtig herzerfrischend mitanzusehen, wie die versammelte Ubisoft-Mannschaft auf ihrer Firmenfeier zu Songs des Tanzspiels "Just Dance 4" tanzte. Weder Kameras noch viele Journalisten vor Ort, war es schön zu erleben, wie die Schöpfer ihr eigenes Werk genießen konnten. Zumindest bis 1:30 Uhr, dann war - ganz amerikanisch - Schluss.

Nicht gewonnen, nicht verloren

Meine Wette mit Alexander Amon von consol.AT um "das beste Spiel der E3" habe ich übrigens weder gewonnen noch verloren. Die Auswertung der erlesenen Fachjury vor Ort konnte ich bislang zwar noch nicht sehen, doch weder "The Elder Scrolls Online" noch "Super Mario Bros. Wii U" haben das Zeug zum absoluten Highlight. Sie sind beide gut, aber das ist fix.

Mehr Inhalte als Zeit mit mir schleppend, wird es auch in den kommenden Tagen und Wochen noch einige Berichte rund um die E3 geben. Und natürlich bin ich gespannt zu erfahren, welche Neuvorstellungen und Games Ihnen im Speziellen gefallen haben. Auf Rückmeldungen zur E3-Berichterstattung, freue ich mich ebenfalls. (Zsolt Wilhelm aus dem Flugzeug, derStandard.at, 9.6.2012)

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