Witterungsbeständiges Design

8. Juni 2012, 20:46
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Neben Thonet zählte August Kitschelt zu den größten Möbelfabrikanten. Was dem einen Bugholz, war ihm der Eisenguss

Die Vorzüge dieses Werkstoffes lagen auf der Hand: Eisen galt als vergleichsweise günstiges Material, und über die Gussverarbeitung waren dem formalen Repertoire kaum Grenzen gesetzt. So avancierte Gusseisen quasi zum Kunststoff des 19. Jahrhunderts. Zunächst hatte man kleinere Objekte, Dekorationsgegenstände wie Briefbeschwerer und Kerzenleuchter oder Bauornamente produziert, schließlich auch Mobiliar. Zu einem der kommerziell erfolgreichsten Gewerbebetriebe gehörte die 1835 von August Kitschelt in Wien gegründete "Eisenguß und Bronze-Galanterie Waaren-Fabrik".

Am Beispiel eines renommierten Großauftrags in den 1840er-Jahren lässt sich die Bandbreite des Sortiments ablesen: Im Zuge der Modernisierung und Neuausstattung des Liechtenstein'schen Stadtpalais (Bankgasse, Wien 1) lieferte man Beschläge und andere Dekorationselemente, Metalltreppen ebenso wie Rohre für die Dampfheizung und vereinzelt auch Beleuchtungskörper nach den Entwürfen des verantwortlichen Architekten Peter Hubert Desvignes.

Garnitur für den Kaiser

Zu einer der Besonderheiten der Produktpalette Kitschelts gehörten aber auch bei den Weltausstellungen in London (1851) oder Paris (1867) präsentierte Eisenmöbel mit üppiger Polsterung für Innenräume. Darunter auch Architektenentwürfe, etwa von Rudolf Bernt oder Josef Storck, die über Niederlassungen in Prag, Brünn, Bukarest, Triest oder Konstantinopel vertrieben wurden.

Wie auch der Bugholzmöbelhersteller Thonet hatte Kitschelt einen relevanten Anteil an der gesamten Möbelproduktion im 19. Jahrhundert und beeinflusste zeitgleich die Geschmacksbildung. 1872 wurde Kitschelt zum k. k. Hoflieferanten ernannt und belieferte fortan auch den Wiener Hof: Sowohl in Bad Ischl als auch im ungarischen Gödöllo waren Gartengarnituren von Kitschelt in Verwendung.

So unverwüstlich die Gusseisenmöbel auch sein mögen, erhalten haben sich nur wenige. Sporadisch kommen sie auf den Markt, öfter Modelle aus dem 19. Jahrhundert, seltener spätere, für die Kitschelt bis zur Schließung des Betriebes (1931) ebenso mit namhaften Architekten wie Adolf Loos (u. a. Garderobeständer Café Capua) oder Josef Hoffmann kooperierte.

Aktuell findet sich im Angebot der 91. Kinsky-Auktion (21. Juni) eine fünfteilige Gartengarnitur nach einem um 1905 datierten Entwurf von Hoffmann (12.000-25.000). International genießt dieses Modell einige Wertschätzung: Von den Zeichen der Witterung befreit, veranschlagen Händler bei der Tefaf in Maastricht bis zu 18.000 Euro, für eine einzelne Sitzbank wohlgemerkt.  (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 9./10.6.2012)

  • Um 1905 entwarf Josef Hoffmann diese Gartengarnitur, ausgeführt vom 
Eisengussfabrikanten "August Kitschelts Erben".
    foto: im kinsky

    Um 1905 entwarf Josef Hoffmann diese Gartengarnitur, ausgeführt vom Eisengussfabrikanten "August Kitschelts Erben".

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