Stermann gegen Grissemann

Der ORF arbeitet an der längsten Programmreform der Geschichte: Das nährt Gerüchte, Spekulationen und - Erwartungen an Kathrin Zechners Reform - In den nächsten Tagen muss die TV-Direktorin ihre Schemapläne fixieren

Den Ball flach halten: Das war der Plan. Alexander Wrabetz scheiterte schließlich 2007, den Erwartungen in eine angeblich "größte Programmreform aller Zeiten" zu entsprechen. Kathrin Zechner setzt auf das Gegenteil, bastelt seit 1. Jänner intern auf Hochtouren, nach außen aber höchst schweigsam an einer "Programmreformkette". Bis sich die ab Herbst entrollt, bleibt viel Zeit, neue, hohe Erwartungen aufzubauen. Und viele, viele Programme und Projekte auf dem Küniglberg kreisen zu lassen. Eine Auswahl liefert der STANDARD, als Zwischenstand zur großen Kette.

Showidee für Ster- und Grissemann

Da kursiert etwa eine Showidee für Dirk Stermann und Christoph Grissemann. Den Dienstag etwa mit ihrem Talkerfolg "Willkommen Österreich" zur Donnerstagnacht zu machen ist Reformatorin Zechner nicht genug. Kolportiert wird ein Hauptabendformat für die beiden, Arbeitstitel Stermann gegen Grissemann, im Inneren des ORF interpretieren das manche als eine Art österreichische Antwort auf "Schlag den Raab". Die beiden Entertainer waren Freitag zunächst nicht erreichbar. Im ORF hieß es dazu nur auf Anfrage: "Höre ich zum ersten Mal."

Castingshow "The Voice"

Eine Show wie "The Voice" kann sich der ORF alleine kaum leisten. Das Schweizer Fernsehen könnte etwa mit gemeinsamer Produktion helfen. Kolportiert wird auch ein auf wenige Termine beschränktes ORF-Singcastingformat für Herbst. Die große Chance kehrt gerade wieder. Eine Version der Versteckten Kamera kursiert. In der Testphase auch ein Reportageformat mit Mari Lang.

Kolportiertes Aus für "Chili"

Vera Russwurm soll zu besserer Sendezeit auf den Schirm, kolportiert wurde dafür etwa "Thema". Reformkonzepte dafür holte der ORF ein, auch Dominic Heinzl soll gebastelt haben. Sein Societymagazin "Chili", einst ein Großprojekt von Wrabetz, soll Zechner nicht über Jahresende hinaus verlängern. Heinzl rief bis Redaktionsschluss nicht zurück. Schon länger setzt ihn der ORF für Eventspecials im Hauptabend ein.

Der Chili-Sendeplatz vor der ZiB 20 könnte mit einer jüngeren Chronikschau aus den Bundesländern bestückt werden. Quasi eine jüngere Version der Quotenkombi Bundesland heute / Zeit im Bild.

"Illustriertenfläche"

Vor "Bundesland heute" will Zechner zu ihrer flächigen Vorabendillustrierten zurückkehren, die Wrabetz 2007 beendete. Nur das Konsumentenmagazin "Konkret" könnte doch getrennt bleiben, heißt es, wenn "Heute in Österreich" und "Jahreszeit" verschmelzen.

Eine weitere Illustriertenfläche, die manchen an Punkt 12 bei RTL erinnert, legt Zechner zwecks Quote in die Mittagszeit. Claudia Reiterer soll sie präsentieren. Aber: Die Beiträge sollen Redakteure von Magazinen und Landesstudios als Draufgabe liefern. Die kündigten bereits Widerstand gegen unentgeltliche Extras an.

Die Preisfrage

Die ganze Reform ist noch eine Preisfrage: Kolportiert werden Zusatzkosten der kompletten Palette in hoher zweistelliger Millionenhöhe. In den nächsten zehn Tagen muss sich Zechner festlegen: Ende Juni sollen die Stiftungsräte Änderungen am Programmschema beschließen. Doch noch sollen selbst Universum-Historydokus am Freitag und der neue Schauplatz-Sendetermin Donnerstag nach 21 Uhr gegen die Europa League nicht ganz fix sein.

Der ORF schweigt auf Anfrage rundweg zu Reformplänen. (fid, prie, DER STANDARD, 8.6.2012)

Share if you care