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vergrößern 900x617Begräbnis auf einem Friedhof außerhalb von Abuja für die 37 Opfer eines Bombenanschlags auf eine katholische Kirche im Februar.
Auf dem Reißbrett entworfen, auf Ausgleich angelegt: Abuja ist eine dieser Hauptstädte, die vor allem ein Symbol sein sollen. Symbol dafür, dass zusammenwachsen soll, was nie wirklich zusammengehört hat - der Bundesstaat Nigeria, dessen größter gemeinsamer Nenner seine beinahe atemberaubende Unterschiedlichkeit ist.
In dem westafrikanischen Land gibt es an die 250 Ethnien, von denen viele weniger miteinander gemein haben als Sizilianer und Finnen. Die Hausa, Yoruba und Ibo sind die drei großen Volksgruppen, die den Ton angeben. Die Klimazonen reichen von der Sahel im Norden über die Savanne bis zur subtropischen Lagune, in der Lagos, Hauptstadt bis 1991, liegt. Quasi wie ein Äquator durchzieht eine Religionsgrenze das Land: Im Norden Leben vor allem Muslime, im Süden Christen und Animisten. Sie stellen jeweils etwa die Hälfte der 160 Millionen Nigerianer.
Vor allem die Religionen sind seit einigen Jahren das Vehikel, um viele Konflikte im Land zu eskalieren. Insbesondere im Norden greift Boko Haram, eine islamistische Sekte, mit Bomben alles an, was nicht mit ihrer fundamentalistischen Auslegung des Koran zusammengeht. Hunderte Menschen - Christen, aber auch Muslime - sind ihren Attentaten in den vergangenen Jahren zum Opfer gefallen. Erst vergangene Woche gab es zwölf Tote bei einem Angriff auf eine Kirche in der nordöstlichen Stadt Maiduguri.
"Religion nicht Ursache"
In einem vor kurzem nach Brüssel gekabelten Bericht schreiben die EU-Botschafter in Nigeria: "Die Sekte (Boko Haram, Anm.) benutzt die Religion, um Spannungen zu erhöhen und das Land zu destabilisieren. Aber: Religion ist nicht die Quelle dieses Konfliktes." Hohe Jugendarbeitslosigkeit sei ein fruchtbarer Boden für Radikalisierung, genauso wie das Gefühl der Marginalisierung im Norden. Dazu kämen ethnische Spannungen, Kämpfe um Land und Weiderechte oder politische Diskriminierung.
Ayo Oritsejafor ist genau gegensätzlicher Ansicht. Der Präsident der Christian Association of Nigeria ist Pastor einer Pfingstkirche und lebt seinen Glauben nicht eben zurückhaltend. Vor seiner Brust baumelt ein großer Jesuskopf aus massivem Gold. Genauso massiv sind seine Ansichten: " All diese Erklärungen verdecken den wahren Grund, und das ist die Religion. Einige Leute hier wollen Nigeria islamisieren und uns die Scharia aufzwingen." Noch halte er seine Leute zurück - "aber wenn ein Mann mit dem Rücken an die Wand gedrängt wird, was kann man da machen?"
Kanal zu Extremisten
Es klingt fast wie ein Aufruf zum Religionskrieg, den der Pfingstkirchler, der neben Konflikteskalation auch Teufelsaustreibungen und dergleichen im Angebot hat, vom Stapel lässt. Und Nigeria kann sich glücklich schätzen, dass es auch vernünftigere Religionsführer im Land hat. Einer davon ist Yayaha Abubakar, der Vorsteher der großen Moschee in Abuja. "Boko Haram missversteht den Islam und ist fehlgeleitet. Unsere Religion lehrt keine Gewalt", sagt der Geistliche zum Standard. Er sei froh, dass die Regierung nun einen Gesprächskanal mit der Sekte aufbaue, um das Problem möglichst ohne weitere Gewalt zu lösen.
Im schwer bewachten Außenministerium klingt die Bewertung der Situation anders. Außenminister Olugbenga Ashiru, den sein Wiener Amtskollege Michael Spindelegger am Freitag unter anderem traf, um ein Rücknahmeübereinkommen für Nigerianer in Österreich zu unterzeichnen, sagt: "Unsere Armee ist stark. Es gibt einige Herausforderungen, aber die Streitkräfte sind imstande, sie zu kontrollieren."
Sudanesisches Szenario
Das Szenario eines Auseinanderbrechens seines Landes - ähnlich wie im Sudan in einen christlichen Südteil mit Ölvorkommen und einen ärmeren muslimischen Norden - weist er strikt zurück: "Nigeria ist stark und vereint."
Manche Beobachter in Abuja dagegen sagen, das Land sei nur noch deshalb zusammen, weil es für alle Beteiligten zu teuer sei, es aufzuspalten. Vielen spuke auch der blutige Sezessionskrieg der Ibo in Biafra Ende der 1960er-Jahre noch im Kopf herum. Andere, wie der österreichische Baumanager Wolfgang Götsch, der Julius Berger, den größten Konzern des Landes, leitet und seit 20 Jahren im Land lebt, dagegen finden: "Es ist fast ein Wunder, dass es Nigeria noch gibt. Die Lage ist sehr schwierig hier, aber die Trends zeigen nach etwas mehr als zehn Jahren der Demokratisierung in eine positive Richtung. Ich sehe, dass sich langsam eine Mittelschicht entwickelt, die sich von Religion und Ethnien emanzipiert und die Kämpfe der Vergangenheit sein lässt." (Christoph Prantner, DER STANDARD Printausgabe, 9.6.2012)
Soldaten, Gefängniswärter, Polizisten und Zivilisten getötet - Mehr als 100 Häftlinge befreit
Boko Haram-Mitglieder töteten neun Jugendliche
Mutmaßlicher Islamist eröffnete Feuer auf Jäger
Auch Gruppierung Ansaru als "terroristisch" eingestuft
Bewaffnete setzen Gotteshaus am 24. Dezember in Brand
Eheschließungen und Zeigen von Zuneigung sollen verboten werden
Zeugen berichten von Massaker im muslimischen Nordosten Nigerias
Präsident Goodluck: Zusätzliche Sicherheitskräfte sollen Islamisten Einhalt gebieten
Nach einer Entspannungsphase zwischen der Regierung und der islamistischen Boko Haram stehen die Zeichen wieder auf Sturm
Gewalt zwischen Christen und Muslimen - Zahlreiche Häuser bei Krawallen zerstört
Staatschef Jonathan reagiert auf anhaltende religiöse Gewalt
Radikalislamische Sekte kämpfte gegen Exekutive
Organisation selbst nicht als terroristisch eingestuft
Soldaten umzingelten Moschee, in der sich Islamisten verschanzt hatten
Mindestens 101 Tote bei Gewalt zwischen Christen und Muslimen
Kämpfer wollten nach Militärangaben an Ostern Anschlag verüben
Racheakt fordert mindestens fünf Todesopfer - Sicherheitsbehörden rufen zu Gewaltverzicht auf
Präsident Goodluck Jonathan sprach von einem "barbarischen Akt" - "Nigerian Tribune" schrieb am Dienstag von einem "Tag des Horrors"
Mindestens sieben Menschen getötet - Sekte kämpft für islamischen Staat
Fünf Explosionen auf Busparkplatz
Nigerianische Regierung bestätigt Tod von sieben Ausländern nicht
19 Verletzte bei Anschlag auf Polizeihauptquartier
Bestätigung durch Außenministerien in Rom, London und Athen - Militärische Befreiungsaktion dementiert
China und Indien investieren, Europa hinkt hintennach - Spindelegger mit Wirtschaftsdelegation in Lagos
es ist der mangelnde Respekt füreinander!
Es gibt Orte, an denen (religiöse, ethnische, etc...) Vielfalt täglich gelebt wird, z.B. USA, Kanada, Indien... mit Ausnahmen, versteht sich.
Fehlt dieser Respekt, dann geht vieles schief. Dann Grenzen zwischen den Gruppen zu ziehen ist falsch und nicht zielführend.
mfg.
Auch in Nigeria ist der Islam auf dem Vormarsch. Mit allen Folgewirkunungen: kein Interesse an geregelter Arbeit, Bildung umfaßt den Koran, Forschung ist unnötig, Frauen sind nur zum Kinderkriegen gut, Homosexuelle darf es gar nicht geben, Demokratie widerspricht dem Befehl des Propheten...
Schöne Grüße an die Standard-Zensur...
ich möchte sie nicht enttäuschen. aber demokratie, bildung, frauenrechte sind auch im rest nigerias kein thema (natürlich gibt es ausnahmen). und bitte gehen sie jeden x-beliebigen nigerianer oder nigerianerin fragen, wie die zu homosexualität stehen. ich kanns ihnen aber auch verraten was die antwort ist: das gibt es bei uns in afrika nicht.
sicher...der islam machts in nigeria nicht besser. aber es ist lächerlich, kurzsichtig und letztlich unproduktiv jegliche probleme auf eine religiöse strömung rückbinden zu wollen.
Einfach widerwertig, wie hier versucht wird, die Schuld am Religionskonflikt der kleinen Gruppe der Pfingstkirchen in die Schuhe zu schieben.
Wie kommen Sie auf die Idee, dass jene, die den Wahnsinn verursacht haben, Lösungen parat hätten!?
Bei uns haben sich die Jugoslawen die Schädel eingeschlagen und die Belgier blockieren sich komplett. Selbst die Engländer und die Schotten verstehen sich nicht, ganz zu schweigen von den Basken und den Spaniern oder den katholischen und protestantischen Nordiren.
Ihr Posting ist unsäglich arrogant und - nur sehr halbherzig verkappt - rassistisch.
"Vor allem die Religionen sind seit einigen Jahren das Vehikel, um viele Konflikte im Land zu eskalieren." Die Gewalt geht ganz klar von einer einzigen Gruppierung aus - der Boko Harram. Seit Jahren tötet diese Gruppe im Namen des Islam gezielt hunderte Christen und hat offiziell verkündet, dass sie einen Christen-freien Scharia Staat in Nordnigeria gründen will. Dass es bisher zu keinen nennenswerten Vergeltungsaktionen an Muslimen durch Christen gekommen ist, ist das eigentlich beeindruckende an der Situation in Nigeria. Aber der Standard Schreiberling faselt lieber von dem Christen Pastor der angeblich Konflikteskalation betreibt. Echt ätzend und eine Verhöhnung aller Boko Harram Opfer!
es gab schon auf beiden seiten gewalt, zbsp. nur ein link:
http://www.spiegel.de/politik/a... 73621.html
wenn sie 10 sekunden recherchieren wie sie das weiter unten beschrieben haben, finden sie sicher noch mehr artikel, indem von gewalt zw. den beiden religionsgruppen geschrieben wird.
der auf Christen Jagd macht, der Kongo (demokratische Republik) hat seinen Joseph Kony, Chef der Lords Resistance Army, der Jagd auf alles macht, speziell auf seine christlichen Landsleute.
Also, was wollen S`, Herr Lecker??
Überall dort, wo die Religion stärker betont wird als bei uns, fließt das Blut fast in Strömen.
Mehr Vernunft, weniger Religiosität ist gefordert......
Wie wir dank dem Standard nun wissen, fühlt sich die größte Bevölkerungsgruppe Nigerias von den anderen Bevölkerungsgrupen marginalisiert. Vor allem dort, wo sie die absolute Bevölkerungsmehrheit stellt. Da die Existenz anderer religiöser Gruppierungen zur eigenen Marginalisierung führt, bleibt ihr gar nichts anderes übrig, als Anhänger anderer Religionsgrupen, natürlich gegen den Willen ihrer weisen und friedfertigen Religionsführer, zu ermorden.
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