Die Mächtigen rocken laut

8. Juni 2012, 17:10
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Mit wenig Blut und viel Musik schafft Volker Schmidt eine subtile Adaption von Shakespeares "Rosenkriege"

Linz - Ein Drama, das an anderen Häusern mindestens sieben Stunden in Anspruch nimmt, bis Richard III. im Angesicht der Ausweglosigkeit sein Königreich gegen ein Pferd tauschen möchte, in dreieinhalb zu spielen, ist schon ein verwegener Ansatz. Volker Schmidt, der am Theater Phönix bereits mit einer Adaption der Nibelungen gezeigt hat, dass er kein Freund der schnellen Theaternummer ist, wagt es, kürzt radikal und verlangt dem Ensemble immer noch genug ab.

Dies dankt es dem Regisseur mit höchster Konzentration bis in die letzte Sekunde, auch wenn nach der Pause die Hälfte des Publikums abhandengekommen ist. An den Schauspielern liegt diese Flucht wohl nicht, denn bis auf eine Ausnahme sind sämtliche Rollen klug besetzt. Die Schauspieler und Schauspielerinnen haben einen ganz offensichtlichen Spaß daran, die Dramen der von multiplen genealogischen Krisen gebeutelten Adelsgeschlechter York und Lancaster auf die Bühne zu bringen.

Schmidt siedelt seine Umsetzung der Bürgerkriege - die wegen der unterschiedlichen Rosenfarben in den jeweiligen Wappen eben Rosenkriege genannt wurden - im auslaufenden 20. Jahrhundert an, ohne allzu anbiedernd aktualisierend den Text zu verändern. Er inszeniert rasant, bedient sich ungeniert und unterstützt von einem sich zurücknehmenden Bühnenbild (Georg Lindorfer) auch der Genres Video, Musik, und Tanz.

Dabei greift er auf Multitalente im Phönix-Ensemble zurück: Theo Helm, der als Heinrich VI. Gitarre spielend und singend daran erinnert, dass es neben seiner Karriere als Schauspieler noch eine als Musiker und Sänger gab, Tobias Ofenbauer und Ferdinand Kopeinig, die zwischendurch als Livebandmitglieder an die Instrumente müssen, und Daniel Wagner, der als Punksänger der Fiesheit seiner Rolle zusätzlich Gewicht verleiht.

Ein lautes Stück, das zeigt, wie einsam es an der Spitze der Macht sein muss. Damit es für die Schauspieler nach der Pause nicht ganz so einsam ist, wurde auf das mit wenig Sitzfleisch ausgestattete Publikum reagiert: Es werden nun auch beide Teile (Heinrich VI. und Richard III.) getrennt voneinander angeboten. (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 9./10.6.2012)   

Bis 7. Juli

 

  • Das Ensemble rund um Theo Helm (Gitarre) und Daniel Wagner (Mikro) zeigt Rockstar-Qualitäten.
    foto: herzenberger

    Das Ensemble rund um Theo Helm (Gitarre) und Daniel Wagner (Mikro) zeigt Rockstar-Qualitäten.

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