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Die Zinssenkung in China hat viel nachrichtlichen Staub aufgewirbelt. Dass die chinesische Zentralbank nicht nur die wichtigsten Kredit- und Einlagenzinsen um einen Viertel Prozentpunkt senkte, sondern auch den Banken eine höhere Flexibilität bei der Zinssetzung einräumt, ist für Wei Yao, Ökonom bei der Société Générale ein "starkes Signal der Geldpolitik".
Der Hauptgrund für diesen recht weiten Schritt - für chinesische Verhältnisse - ist für Yao klar: Nächste Woche kommen einige wichtige Zahlen zur chinesischen Wirtschaft, etwa zum Exportwachstum. Diese könnten "deutlich negativ überraschen", weswegen die People's Bank of China bereits jetzt gegengesteuert haben könnte.
Dabei treibt viele Ökonomen die Angst vor einer "harten Landung" in China um, also einem drastischen Fall des Wirtschaftswachstums. Dieser These kann Mark Mobius, erfahrener Schwellenländer-Investor bei Franklin Templeton, wenig abgewinnen: "China wird überhaupt nicht landen, sondern weiter fliegen." Es sei Jammern auf hohem Niveau angesagt: "Wie kann man von einer Verlangsamung sprechen, wenn für 2012 in China ein Wachstum von mindestens 7,5% erwartet wird?" Für das Jahr 2013 rechnen etwa die Ökonomen des IWF mit knapp acht Prozent Wachstum. Damit kann China zwar nicht an die vergangenen zehn Jahre anschließen, als das Wachstum im Schnitt zweistellig war, aber ist immer noch recht weit von den pessimistischen Szenarien entfernt, die einen Kollaps des Wachstums auf drei bis vier Prozent vorhersehen.
Investoren nicht überzeugt
Trotz dieser Wachstumsaussichten haben Investoren zuletzt mit Verkäufen reagiert. Laut dem US-Branchendient EPFR haben Anleger die vierte Woche in Folge mehr als eine Milliarde Dollar aus Schwellenländer-Aktienfonds abgezogen, wobei chinesische Aktienfonds den heftigsten Verkaufsdruck erlebten.
Der chinesische Aktienmarkt hat in den vergangenen zwölf Monaten wenig Anlass zur Freude gegeben. Der Hong Konger Hang Seng Index, für ausländische Investoren ein wichtiges Vehikel für Investments in China, ist seit Mai 2011 um knapp 20 Prozent gefallen. Da der Euro aber in diesem Jahr knapp über zehn Prozent gegen den chinesischen Yuan verloren hat (wie auch gegen den Hong Kong Dollar), sind die Verluste für viele Anleger aber etwas geringer ausgefallen.
Fonds-Daten von Lipper zeigen: Der durchschnittliche China-Fonds hat seit Mai 2011 knapp elf Prozent an Wert verloren. 62 Fonds sind derzeit in Österreich mit einem Fokus auf chinesische Aktien zugelassen. Im vergangenen Jahr sind viele davon eng bei einander gelegen, nur wenige Fondsmanager konnten ihren Anlegern positive Renditen bringen.
Langfristig trennt sich die Spreu vom Weizen. Von den 37 Fonds, die bereits länger als fünf Jahre aufgelegt sind, haben zehn Geld verloren, 27 liegen im Plus. Zwischen einem Plus von 41 Prozent und einem Minus von 42 Prozent (jeweils nach Kosten) liegen die verschiedenen China-Produkte, eine breite Streuung.
Für Anleger war die Abkoppelung zwischen Wirtschaftswachstum und Börsenperformance seit 2007 insgesamt schmerzhaft. Viele setzten auf China als Wachstumsgarant, tatsächlich ist das Land laut Daten des Währungsfonds seit 2007 um genau 9,99 Prozent pro Jahr gewachsen. Doch weil der Markt bis 2007 schon heiß gelaufen war und Anleger hohe Prämien für künftiges Wachstum zahlten, gingen sie relativ leer aus. Im Schnitt konnten Aktieninvestoren mit dem breiten Markt oder Aktienfonds seit 2007 kaum Geld verdienen (laut Lipper-Daten brachte der durchschnittliche Fonds gerade einmal ein Prozent). Selbst die besten Fonds sind mit einem Plus von knapp sieben Prozent pro Jahr hinter dem Wirtschaftswachstum der vergangenen fünf Jahre zurückgeblieben. Das Beispiel China zeigt: Mit Aktien investiert man nicht unbedingt in Wachstum, wenn die Bewertung nicht stimmt. (Lukas Sustala, derStandard.at, 11.6.2012)
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