Sozialgesetze sind ältester außerbiblischer Text in Hebräisch

9. Juni 2012, 10:04
  • 2008 entdeckt und nun entziffert: Ein 3.000 Jahre alter Anflug von Sozialstaat.
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    foto: clara amit, israel antiquities authority

    2008 entdeckt und nun entziffert: Ein 3.000 Jahre alter Anflug von Sozialstaat.

"Schaffe Recht dem Sklaven und der Witwe": Deutscher Forscher entziffert 3.000 Jahre alte Tontafel

Münster - 2008 fanden Archäologen der Hebräischen Universität Jerusalem eine 3.000 Jahre alte Tontafel mit hebräischer Inschrift in Khirbet Qeiyafa, 25 Kilometer südwestlich von Jerusalem. Die Fachwelt feierte den Fund als Sensation. Seitdem waren Experten damit befasst, den fünfzeiligen Text zu entziffern und seinen Inhalt zu deuten. Einem Wissenschafter des Exzellenzclusters "Religion und Politik" der Uni Münster ist dies nun gelungen, wie die Universität berichtet.

"Bei der antiken Inschrift handelt es sich um Sozialgesetze, die Ausländer, Witwen und Waisen im Alten Israel schützen sollten", sagt der evangelische Theologe Reinhard Achenbach. "Unser heutiger Grundsatz, Ausländern vor Gericht Rechtsschutz zu gewähren und sozial Benachteiligte im Sozialstaat zu schützen, reicht also weit in die altorientalische Zeit zurück." Achenbach hat seine Ergebnisse in der französischen Fachzeitschrift "Semitica" veröffentlicht. "Wir haben die Entzifferungsvorschläge verschiedener Wissenschaftler miteinander verglichen und konnten so den Text nahezu vollständig rekonstruieren. Für fast alle Formulierungen gibt es enge Parallelen in der Hebräischen Bibel, und zwar sowohl in den Rechtstexten der Tora als auch in den Weisheitslehren und in den Worten der Propheten, welche die Unterdrückung sozial benachteiligter Menschen kritisieren."

"Verteidige das Recht des Armen!"

Die Inschrift entstand rund 1.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. "Die aus dem Kanaanäischen übernommenen Schriftzeichen hat wohl ein Schüler auf das Ostrakon, eine Tonscherbe, geschrieben. Es handelt sich um eine Schreibübung. Das Kopieren von Gesetzestexten diente der Ausbildung der königlichen Beamten, die die Rechtsverhandlungen in den Ortschaften überwachen sollten", sagt Achenbach.

Die zweite und dritte Zeile auf der Tonscherbe lauten "Schaffe Recht dem Sklaven und der Witwe, schaffe Recht der Waisen und dem Fremden! Verteidige das Recht des Unmündigen, verteidige das Recht des Armen!" Achenbach: "Somit gehörten Schutzrechte für benachteiligte Menschen zu den ältesten Rechten Israels." Dabei knüpften die Israeliten an ältere kanaanäische und ägyptische Traditionen an, wie der Experte unterstreicht. (red, derStandard.at, 9.6.2012)

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Dem Knecht

schaff' Recht!

Was in Israel alles gefunden ward und wird,

ist legendär und sagenhaft!

Und das ist so außergewöhnlich nicht, wir bewegen uns schließlich in einem der ältesten kontinuierlich besiedelten Landstrich im Mittelmeerraum. Vermutlich ist es einfacher, in Israel zu graben und was zu finden, als dort zu graben und nichts zu finden. - Freilich, wenns hebräisch ist wird es gleich spektakulär aber warum in aller Welt sollte man da nichts hebräisches finden?

Sagenhaftes muss nicht extraordinär sein, stimmt!

So wie ein Sagenhafter Gesetzestext

Es ist nur eben eine Meldung wert, wenn sowas wo anders gefunden wird ist es selten eine Meldung wert. Dabei kann man gerade die Gegend des jetzigen Israles nur im Kontext mit den Länder herum verstehen und die Bedeutung solcher Funde besser einordnen.

Lesenswert

"Keine Posaunen vor Jericho"
Prof. Finkelstein et coll.

Welch äußerst humaner Staat, dieses Israel!

Solche und vergleichbare Gesetzte können wir wahrscheinlich in den benachbarten Gebieten finden. Sofern was schriftliches überliefert ist. Die Sozialgesetzte sind keine so moderne Erfindung, wie wir es gerne von uns selbst glauben mögen.

Eine andere Frage ist die Umsetzung in der Praxis - was edel auf dem Papier oder der Tontafel klingt, muss im richtigen Leben noch lange nicht so schön sein. Aber auch da könnte man Parallelen zu heute ziehen.

Was man von "Germanien" um 1.000 vor Christi nicht unbedingt behaupten kann ;-)

Ich würde behaupten, dass man 1000 v.Chr. noch nicht eínmal von so etwas wie "Germanien" reden kann. Man weiß jedenfalls nicht allzuviel über dese Zeit.

Also in Punkto Frauenrechte hatten die Germanen die Nase vorne. Aber sie haben schon recht, die Germanen waren Freiheit und Gleichheit (das aber nicht zum Punkt frauen) eben sehr wichtig und mit Fremden kam man eher nur in Kontakt wenn man sie selbst "besuchte".

Lassen wir mal die Geschichtsauffassung der letzten 20 Jahre beiseite, welche krampfhaft versucht Romantisierung und Realität unter einen Hut zu bringen.

Frauenrechte und alte Germanen überhaupt gemeinsam zu erwähnen ist nur dann möglich, wenn man es im Kontext der damaligen Zeit betrachtet - und selbst dann nur innerhalb eines Betrachtungsausschnitts.

Wir wollen uns daher nichts vormachen:

Ob Kelten, Germanen, Slawen oder andere Völker der damaligen Zeit:

In erster Linie waren sie brutale und menschenverachtende Schlagetots!

Und die schlimmsten Verbrecher überhaupt waren wohl die Römer. Nur das diese ihre Verbrechen unter einen gesetzlichen Rahmen stellten, welcher ihnen die Illusion von Zivilisation anhaften lies.

Fassen wir damit zusammen, dass früher die alte Zeit überhaupt ganz anders war.

Natürlich im Zeitlichen kontext (das haben Sie ja vorgegeben , oder wollen Sie jetzt so einfach die Spielregel ändern?).
Wenn man ganz böse sein hätte können hätte man gesagt dass es 1000 keine Germanen gegeben hat (je nachdem welcher Lehrmeinung man anhängt) und Quellen gibt es für die damaligen Rechte sowieso keine (das was man über später weiß, kommt von Schreibern die nicht meist Progermanisch gesinnt waren. Oft gerade das Gruselige hervorhoben, weniger die "normalen" Dinge).

Nein will ich nicht (Spielregeln ändern). Aber Sie selber haben ja die Frauenrechte bei den Germanen hervorgehoben und dieses Wort ist nun einmal ein Kind des 20. Jahrhunderts. Hier überhaupt einen passenden Kontext zur Umlegung auf antike Völkerschaften zu finden ist eine Herausforderung an sich.

Was die Geschichtsschreiber angeht, so gebe ich Ihnen teilweise recht. Andererseits kann man ebenso entgegenhalten, daß progermanische Historiker ebenso das Gruselige unter den Tisch kehren, das "Romantische" überzeichnen und überaus dazu geneigt sind, die Besiedelungsgrenzen recht freimütig schnell 'mal um ein paar hundert Kilometer hin und her zu schieben.

Diesen Vorwurf kann man proromanischen oder proslawischen Historikern ebenso machen.

Dies gild dann auch für das Wort human. (solche Rechte für Fremde hatten meißt auch prgamtische Gründe, wie Handel oder nicht selbst im Nachbradorf die Rübe abgehauen bekommen!)
Das mit den Geschichtsschreiber haben Sie falsch verstanden (wohl mein Fehler war nicht eineindeutig), ich sprach von Quellen aus der damaligen Zeit (also Herodt, Cassius Dio...), die die Germanenzeit selbst miterlebt haben (wenn auch meist ihre Infos aus zweiter Hand stammten), und nicht von den Schreiberlingen ab dem 19. Jahrhundert!

Na ja, Freiheit für die Freien und Gleichheit unter den Freien. Zumindest lt. Tacitus war die germanische Gesellschaft eine Klassengesellschaft, in der die Unfreien (und daneben die Frauen und Kinder der Freien) die Arbeit erledigten und den Freien Abgaben zahlen mussten. Dennoch mag die Tradition dieser Freiheit dazu beigetragen haben, dass sich im westlichen Europa nie dauerhaft despotische Systeme und Großreiche etablieren konnten, was dem Kontinent letztlich zugute gekommen ist.

Die Tradition dieser Freiheit???

Welche Freiheit?

Wollen Sie jetzt allen ernstes die alten germanischen Stämme dahingehend glorifizieren, als das diese das Fundament einer heutigen humaneren und demokratischen Gesellschaft darstellen??

Na wenn 2.000 Jahre an autokratischen Herrschern, absolutistischen Monarchien und despotischen Stammesstrukturen für Sie nichts "dauerhaftes" anhaften haben, dann weiß ich auch nicht weiter.

Da waren ja die alten slawischen Stämme noch deutlich "demokratischer", als es die germanischen waren.

Ich persönlich halte überhaupt nichts von dieser neu eingesetzten (und verfälschenden) Romantisierung der alten Germanen, welche wir seit einigen Jahren wieder erleben.

Nun, das die tollen Rechte früher immer nur für freie Männer galten weiß jeder der sich ein wenig damit beschäftigt. Auch die 10 Gebote gelten nur für freie jüdische Männer, also man darf schon einen Menschen töten, nur eben nicht einen anderen freien jüdischen Mann. Und in Athen gabs die demokratischen Rechte auch nur für eine Minderheit, Frauen und Sklaven schauten durch die Finger!

Nicht in sparta, in sparta hatten frauen mehr mitspracherecht als im 19.jh

Nobelhetären?

Aber die jüdische Tradition hat doch eine Tendenz zur Universalisierung der Normen. Die Mosaischen Gesetzen machen die sozialen Unterschiede nur in relativ geringen Maße zu ihrem Anknüpfungspunkt und zeigen das Bestreben, der Verfestigung sozialer Unterschiede bzw. der von Standesunterschieden entgegenzuwirken ich würde daher nicht ohne weiteres annehmen, dass Mord nur unter freien bestraft wurde bzw,. als verboten galt.

Das Wort jüdische Tradition würde ich in der Zeit nicht so in den Mund nehmen. Die Umgebund dort hatte 1000 vor userer Zeitrechnung etwa 2000 Jahre Hochkultur hinter sich und dahingehend auch schon eine recht weit entwicklete Rechtskultur. Die entstehenden jüdisch/kaanantischen Staaten haben diese Tradition wohl übernommen (meist weil sie Vorher Provinz eines der dortigen Großreiche waren).

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