"Wir hatten Erfolgsmodelle, die im Kino gut gingen"

Interview |
  • Gerlinde Seitner will sich für den Nachwuchs starkmachen - und mehr Genrekino fördern.
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    Gerlinde Seitner will sich für den Nachwuchs starkmachen - und mehr Genrekino fördern.

Österreichisches Kino feiert im Ausland Triumphe, doch der Publikumszuspruch im Inland bleibt gering - Gerlinde Seitner, Chefin des Filmfonds Wien, über ihre Auffassung von Qualität

Standard: Michael Hanekes Goldene-Palme-Gewinner "Amour" ist eine mehrheitlich französische Produktion, die auch vom Filmfonds Wien gefördert wurde. Sie haben angekündigt, den Wien-Bezug stärken zu wollen. Wo liegt der denn bei "Amour"?

Seitner: Im Wiener Filmbrancheneffekt. Und der äußert sich darin, dass Wiener Filmschaffende an der Produktion beteiligt sind - in "Amour" an entscheidenden Stellen.

Standard: Der Filmbrancheneffekt soll also bleiben? Es gibt Unruhe bei Filmschaffenden, dass verstärkt Projekte mit Schauplatz Wien gefördert werden.

Seitner: Die Gerüchte werden hinaufgespielt: Den Filmbrancheneffekt wird es weiter so geben. Der Wien-Aspekt ist zwar ein Thema, grundsätzlich geht es jedoch um die Qualität eines Projekts, das der Jury vorgelegt wird. Nur bei Fernsehfilmen muss der Wien-Bezug vorhanden sein.

Standard: Sie haben mehrmals, zuletzt in einem "TV-Media"-Interview gesagt, dass Sie populäre Formate, insbesondere Komödien und Horrorfilme, stärken wollen. Wird das auch hochgespielt?

Seitner: Auch da sind Missverständnisse entstanden. Es gibt in gewissen Bereichen Nachjustierungsbedarf. Das Jahr 2011 hat mit Cannes und dem Erfolg von "Atmen" hoffnungsvoll begonnen. Es gab aber auch Projekte, die nicht reüssiert haben, weil die Qualität nicht entsprochen hat.

Standard: Das ist mir zu unkonkret: Von welchen Filmen sprechen Sie?

Seitner: Von Filmen, die an der Kinokasse nicht erfolgreich waren.

Standard: Wie lässt sich ein Publikumserfolg denn Ihrer Meinung nach im Vorfeld besser planen?

Seitner: Das ist eben Aufgabe der Jury. Man hofft, die richtige Auswahl zu treffen. Hinterher ist man immer gescheiter. 2011 haben einige Filme nicht die Erwartungen erfüllt, die in sie gesetzt wurden. Das ist durchaus Thema. Wir sind stark im Bereich Autorenfilm, in anderen Bereichen nicht so sehr.

Standard: Manche Länder sind in keinem Bereich stark. Sie haben konkret von Horror und Komödien gesprochen, einem Markt, der von US-Produktionen dominiert wird. Woher nehmen Sie das Vertrauen, dass diese erfolgreich sind?

Seitner: Das würde ich so auch nicht sagen. Wir haben allerdings wenige Genrefilme, 2011 gab es kaum Komödien. Wir hatten vorher Erfolgsmodelle, die im Kino gut gegangen sind.

Standard: Wir haben doch Komödien - etwa "Wie man leben soll", der war aber nicht sehr erfolgreich.

Seitner: War das als Komödie gedacht? Abgesehen davon gab es jedenfalls nicht viel. Um auf den Qualitätsaspekt zurückzukommen: "Atmen" ist auch kein leichter Stoff, der Film lief im Kino aber gut. "Das weiße Band", "Hundstage" gingen auch gut - es ist ja möglich, dass schwierige Stoffe erfolgreich sind. Es ist ein Qualitätsmerkmal eines Films, dass er zweierlei Erfolg, bei Festivals und an der Kinokasse, auf sich vereinen kann.

Standard: Das ist der Optimalfall. Michael Hanekes Filme haben, als er noch nicht in Cannes reüssiert hat, nur wenige Besucher gehabt. Brauchen Filmemacher nicht Kontinuität, um sich zu entwickeln?

Seitner: Absolut. Ich bin sechs Monate in diesem Job und habe vor, dies auch weiterhin so zu handhaben. Es ist wichtig, Möglichkeiten für nachrückende Regisseure zu schaffen. Natürlich geht es auch darum, Handschriften zu entwickeln und Marken zu schaffen, die auf Festivals reüssieren - es wäre schön, wenn diese junge Generation auch die entsprechende Akzeptanz im Inland fände.

Standard: Wie gehen Sie denn mit den unterschiedlichen Interessen von Produzenten um - es gibt alteingesessene, die beklagen, dass es zu viele Produktionsfirmen gibt. Man spricht vom Wunsch einer "Flurbereinigung".

Seitner: Das ist eine Kampfansage, die niemandem dient. Vor Cannes gab es eine Besprechung mit beiden Produzentenverbänden. Letztlich wollen beide dasselbe, nämlich Erfolg bei Festivals und an der Kinokasse. Das Auseinanderdividieren bringt nichts, auch dem Filmfonds Wien nicht. Die Branche ist da auch schon weiter. Mich hat überrascht, dass diese Kunst-versus-Kommerz-Diskussion wieder ausbricht. Das hat vielleicht damit zu tun, dass eine lange Ära zu Ende gegangen ist und Weichen nun natürlich neu gestellt bzw. nachjustiert werden.

Standard: Warum sprechen Sie dann davon, dass sich gerade junge Produzenten ein Geschäftsmodell überlegen müssen?

Seitner: Die Jüngeren tun sich besonders schwer. Der wichtigste Partner ist immer noch der ORF, zu dem die Jungen nur schwer den Zugang aufbauen können. Einer der Themenbereiche sind die Geschäftsbedingungen, die der ORF Produktionsfirmen vorschreibt. Sie sind nicht sehr gerecht. Es gibt kein Standardmodell, auch wenn immer von "Terms of Trade" gesprochen wird. Der ORF hat eine dominante Position, die er zulasten von Produktionsfirmen ausnützt. Mit dem Fernsehfonds Austria haben wir geregelt, dass bei geförderten Produktionen auch die Rechte des Produzenten gestärkt werden sollen.

Standard: Der Vertrieb bzw. die Verleihsituation der Filme trägt maßgeblich zu Erfolg und Misserfolg bei. Muss man Verleiher nicht stärker in die Pflicht nehmen?

Seitner: Das wird diskutiert - wir haben seit Jahresbeginn die Kinoförderung übernommen. Jeder geförderte Film soll auch ins Kino gelangen. Ob die Formen der Vergangenheit, ein klassischer gewerblicher Kinostart, für jeden Film optimal sind, ist die Frage. Es gibt Filme, die thematisch so zielgruppenorientiert sind, dass sie kein klassisches Marketing benötigen. Wir überlegen, das förderspezifisch anzupassen. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 9./10.6.2012)

Gerlinde Seitner (42), seit November 2011 neue Geschäftsführerin des Filmfonds Wien, der mit einem Budget von 11,5 Mio. Euro eine der drei Säulen der heimischen Filmförderungen ist. 

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Filmförderung abschaffen

Die FF sollte seit jeher junge Filmschaffende über die erste Hürde hinweghelfen, sie in die Selbständigkeit geleiten. Das ist pervertiert worden. Unser Filmmarkt ist ein krankes Gebilde. Fördert man das, muss auch jedes andere Berufsbild gleichermaßen gefördert werden. Also her mit fair: Weg mit der Filmförderung. Und hört auf zu jammern: Schlimmer kanns ja nicht werden.

Komposition

Könnt ihr den Fotografen mal ein ordentliches Fotobuch kaufen. Das ist ja nicht Euer ernst. Und das auf der Kinoseite!

Was hat Kino...

... mit Visualität zu tun?

inkonsistent

sorry, aber selten so ein grottenschlechtes interview gelesen. wurde das derart gekürzt oder widerspricht sich die frau ernstlich in jedem 3. satz?

Welche österreichischen Filme gingen gut im Kino ?

Ausser Muttertag , Wolf Haas verfilmungen ?

ein sehr österreichischer horizont,

die 441.000 besucher von poppitz im kino als erfolg zu bezeichnen. in ö sind das 5% reichweite und ausserhalb von ö versteht den film ohne untertitelung niemand. solche projekte sind von vornherein zum scheitern verurteilt.

österreich ist nicht hollywood, seine filmwirtschaft ist eine nischenindustrie. ebenso wird das nationaltheater von togo höchstwahrscheinlich die eine oder andere "erfolgreiche" theaterproduktion im land herausbringen und kaum jemand mit etwas hirn wird dazu meinen, dass das nichts wäre im vergleich zum burgtheater.
auch wird niemand von den faroer inseln erwarten, fussballweltmeister zu werden, und trotzdem kann diese mannschaft auf das eine oder andere erfolgreiche spiel verweisen.

österreich ist aber nichteinmal

dänemark oder luxenburg. auch nicht schweden und nichteinmal belgien.

dass ö kleiner ist als hollywood oder bollywood ist schon o.k., aber auch im vergleich mit gleichgroßen ländern stinken wir ab wenn man leute wie haneke oder walz für die statistik nicht zwangs-re-eingemeindet.

die filmförderung in diesem land ist einfach schlecht. der orf benimmt sich schändlich und ein paar platzhirsche teilen sich das küchlein - wie erfolglos sie auch immer sein mögen. und nach dem interview habe ich kaum das gefühl, dass da was besser wird. im gegenteil.

im vergleich mit gleich grossen ländern "stinken wir nicht ab". kaum ein land unserer grösse war in den letzten jahren (international und künstlerisch) derart erfolgreich (finanziell nicht). oscar, oscarnominierung, preise in cannes, venedig, europäische filmpreise usw.
worin ich Ihnen recht gebe:
das problem an der filmförderung ist, dass immer gleiche platzhirsche für künstlerich wertlose und finanziell unerreichbare erfolge jenen im weg stehen, die wenigstens künstlerische erfolge feiern könnten.

"poppitz" z.b. ist künstlerisch wertlos und finanziell gerade mal keine katastrophe.
"hundstage" oder "megacities" sind international wenigstens künstlerische aushängeschilder.

Dann soll man eben untertiteln. Einen japanischen Film schaut man sich auch mit Untertiteln an, wenn man nicht zufällig Japanisch kann.

Zum Beispiel ist "Das weiße Band" ein guter Film, er leidet aber enorm durch die Sprache, die überhaupt nicht authentisch wirkt. Bei einem Film, der in dieser Zeit, in dieser Gegend und in diesem Milieu spielt, erwarte ich mir eine Sprache, die ich als Österreicher kaum verstehe. Wenn ich bei einem solchen Film keinen Untertitel brauche, stimmt etwas nicht.

Wir könnten in Österreich pro Jahr ...

Hoppla, zu schnell.

wollte schreiben: wir könnten im Jahr eine Milliarde öffentliches geld für film ausgeben, das Ergebnis wäre dasselbe: 95 % Schrott, gedreht von den immergleichen selbstverwirklichern.

Der ORF mit seiner "Firmenpolitik" ...

... ist ein eigenes Kapitel.
Wenn man der ORF-Filmabteilung einen Pitch oder ein Angebot zu einem Drehbuch schickt, bekommt man nicht einmal eine Antwort.

Gott sei Dank hat Frankreich keine ähnlichen Probleme.

Dieses Jahr kommt eine bekannte Romanverfilmung ganze dreimal ins Kino.

http://online.wsj.com/article/S... 71652.html

"Die Jüngeren tun sich besonders schwer. Der wichtigste Partner ist immer noch der ORF, zu dem die Jungen nur schwer den Zugang aufbauen können. "

Ich war Ende der 70iger bis Anfang der 80iger Jahre einer derjenigen, eine Gruppe im ÖGB, die damals sich den Kopf zerbrachen, wie man Österr. Filme abseits des Kommerzdruckes entstehen lassen kann. Es war klar, dass das nur mit einer langen Inkubationszeit funktionieren wird, also AutorInnen, RegisseurInnen und ProduzentInnen und alle anderen Berufe der Filmschaffenden können nicht von jetzt auf gleich alle guten Erfolg liefern.
Jetzt gibts das - und: muss ich mich jetzt erschiessen, denn ich bin schon älter, aber möchte noch das Eine oder das andere Projekt finanziert bekommen.
Muss ich mich erschiessen um den Platz freizumachen, für eine Quote?
Und wenn ja, wie soll ich mich erschiessen, um den Platzt für andere so freizumachen?
Und wo?

so wie sie schreiben...

... erledigen sie das nicht mit dem Revolver, sondern mit dem Doppler.

ahnungslos die frau!!!!

ein unfassbarer topfen

den die dame da zusammenrührt

"Wir hatten Erfolgsmodelle, die im Kino gut gingen"

Hab ich zu lang auf der Insel verweilt oder schmerzt dieser Satz ?

Argh

An den Hals hupfen möchte man der Frau.

gezeichnet
ein unabhängiger Filmproduzent

unfassliche nullaussagen und ein gnädiger journalist der das durchgehen lässt.

Der Journalist,

Kamalzadeh, ist guter Filmkritiker/-wissenschaftler, hat aber offenbar vom Markt und der Filmpolitik nur beschränkt Ahnung. Wohl deshalb dieses schwache Interview.

in meinen augen hängt nach wie vor zu viel von förderungen ab. diese sind zwar wichtig aber iwann muss es die filmindustrie schaffen auch ohne die öffentliche hand erfolgreich zu sein. ein geschäftsmodell zu etablieren, dass unabhängige österreichische produktionen ermöglicht, die auch gewinn bringen. von anerkennung alleine kann leider niemand leben.

schön, dass hier auch leute posten, die der österreichischen filmlandschaft und ihren produktionsbedingungen so fern wie möglich stehen

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