Sommernachtskonzert 2012 mit Wetterglück

  • Gustavo Dudamel vor dem Schloß Schönbrunn - und indirekt vor der Gloriette.
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    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Gustavo Dudamel vor dem Schloß Schönbrunn - und indirekt vor der Gloriette.

100.000 Besucher sahen Konzert der Philharmoniker unter Gustavo Dudamel vor Ort, über 450.000 via TV

 


Wien - Decken, Klappstühle, Chips und Popcorn - die Besucher des 9. Sommernachtskonzertes der Wiener Philharmoniker am Donnerstag im Schlosspark Schönbrunn waren gut ausgerüstet. Viele hatten auch Schirme dabei. Doch die waren heuer unnötig - das Wetter hielt und brachte einen milden Sommerabend. Rund 100.000 Menschen versammelten sich laut Veranstalter vor dem Neptunbrunnen und auf der Gloriette-Wiese.

Unter dem Motto "Dances und Waves" führte Dirigent Gustavo Dudamel das Publikum durch Tänze aus der russischen, italienischen und deutschen Oper, darunter der Tanz der sieben Schleier aus Richard Strauss Oper "Salome" oder der Tanz der persischen Sklavinnen aus der Oper "Chowanschtschina" von Modest Mussorgsky. Einen aus der Werbung bekannten Ohrwurm lieferte zum Abschluss der Tanz der Stunden aus "La Gioconda" von Amilcare Ponchielli.

  Wie der ORF am Freitag in einer Aussendung mitteilte, verfolgten durchschnittlich 440.000 Seherinnen und Seher das Musikereignis auf ORF 2 (Marktanteil: 19 Prozent), weitere 18.000 Zuschauer aus Österreich waren via 3sat zugeschaltet. Die Reichweite stellt die Höchste seit 2009 dar, und auch in absoluten Seherzahlen konnte man einen kleinen Zuwachs verzeichnen: So hatten im Vorjahr durchschnittlich 425.000 Menschen in ORF 2 das Klassikspektakel verfolgt. Die ORF-Bilder wurden wie in den vergangenen Jahren von mehr als 60 Fernsehstationen weltweit übernommen. "ORF-Kultur und ORF-Technik gestalteten das 'Sommernachtskonzert' zu einem visuellen Sommernachtstraum für ein weltweites Publikum", freute sich Generaldirektor Alexander Wrabetz.

Spanische Zugabe

Den Schwerpunkt 2012 bildete Claude Debussys "La Mer", der französische Komponist hätte heuer seinen 150. Geburtstag gefeiert. "Hoffentlich nimmt die Natur den dritten Teil, "Dialog von Wind und Meer" nicht zu ernst", scherzte der Vorstand der Wiener Philharmoniker, Clemens Hellsberg, im Vorfeld. Nass wurden jedoch nur die Tänzer der Vereinigung Wiener Staatsopernballett, die dieses Jahr erstmals auch auf einer Wasserbühne vor der Gloriette tanzten.

Obwohl die Gloriette-Wiese auch 2012 aus organisatorischen Gründen nicht beschallt werden konnte, ließen sich viele Grüppchen den prachtvollen Ausblick nicht nehmen. Kaum ein Fleck Rasen war noch frei. Der Eventcharakter des Sommernachtskonzerts machte sich schon bei der Anreise per U-Bahn bemerkbar.   Nicht nur die Gloriette-Wiese, sondern auch der Platz zwischen dem Schloss und dem Neptunbrunnen war mehr als gut gefüllt, das Publikum wurde in einzelne Sektoren geteilt, die nach und nach abgeriegelt wurden. "Wir sind sehr zufrieden", so die Veranstalter.

Nach den letzten Klängen des Tanzes der Stunden wollte der 30-jährige Dudamel sich auf der Suche nach einem Bier schon von der Bühne verabschieden. Philharmoniker-Vorstand Hellsberg konnte ihn jedoch wieder einfangen: "Sie sind doch viel zu jung, um nach 22 Uhr noch Alkohol zu trinken." So kam das überraschend junge Publikum doch noch zur traditionellen Zugabe, dem Walzer "Wiener Blut" von Johann Strauss. Obwohl Dudamel und die Philharmoniker den Walzer so souverän absolvierten, dass Hellsberg gute Chancen für einen Staatsbürgerschaftsantrag des Venezolaners ortete, gab es für die spanischen Gäste dann doch noch eine Zugabe von Zarzuela-Komponist Jeronimo Gimenez.   (APA, 8.6.2012)

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