Gewalt und Medien - Kritische Ausstellung in München

8. Juni 2012, 11:43

"Bild-gegen-Bild" im Haus der Kunst - Serie von Titelseiten führt "die Hierarchisierung von Nachrichten vor"

In Ruanda sterben im Jahr 1994 Hunderttausende Tutsi - niedergemetzelt von den radikalen Hutu. Das US-amerikanische Nachrichtenmagazin "Newsweek" hebt in dieser Zeit den Selbstmord von Nirvana-Legende Kurt Cobain aufs Cover, den Mordprozess gegen O.J. Simpson in drei aufeinanderfolgenden Ausgaben sowie den Titel "Männer, Frauen und Computer" und die Frage: "Ist er so süß wie seine E-Mail?". Fast vier Monate dauert es, bis der Völkermord in Ruanda es auf die Titelseite des Magazins schafft. Bis dahin sind schon rund 800.000 Menschen ermordet worden.

Das zeigt der Künstler Alfredo Jaar in einem unbetitelten Werk von 1994. Es ist Teil der Ausstellung "Bild-gegen-Bild" im Münchner Haus der Kunst, die von diesem Sonntag an zu sehen ist. "Die Serie von Titelseiten führt die Hierarchisierung von Nachrichten vor und formuliert indirekt Fragen nach der Agenda und Verantwortlichkeit von Journalisten", heißt es in der Ankündigung des Museums.

Mediale Darstellung

Die Ausstellung, die bis zum 16. September zu sehen sein soll, ist eine sehr medienkritische Schau. Sie befasst sich mit der Darstellung gewalttätiger Konflikte in den Medien im Zeitraum zwischen dem Irakkrieg von 1991 und dem Arabischen Frühling im Jahr 2011 und stellt die Frage, ob sich auch in den Medien eine Art Rüstungsspirale abzeichnet, ob Medien sich gegenseitig mit Bildern verdrängen oder gar bekämpfen.

Zur Illustration wird auch eine Serie von 151 Titelbildern internationaler Tageszeitungen gezeigt, die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erschienen: Dort heißt es "Angriff auf Amerika", "Die Welt in Angst", "Das ist Krieg" oder "Apokalypse". (APA, 8.6.2012)

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