Hass und Verzweiflung

5. Juni 2012, 19:15
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Auch zum 30. Todestag wirft Rainer Werner Fassbinders Verhältnis zu Gefühlen noch Fragen auf

Fassbinder ist eine Zumutung. Nicht nur als Mensch war er das, als Filmemacher ist er es bis heute. Liebe ist in seinen Filmen kalt, " kälter als der Tod" gar. Wenn es Gefühle gibt, dann zumeist solche wie Hass (am liebsten auf das Fremde) oder Verzweiflung.

Denn verzweifeln, das muss man in der Welt dieser Filme, in der gesellschaftliche Zwänge jede noch so private Empfindung pervertieren. Man kann sich das immer noch ansehen. Man sollte sogar. Auch die als liberale Konsensgesellschaft verschriene Gegenwart übt noch genügend Zwang aus, um sich darin widerzuspiegeln.

Zum 30. Todestag Rainer Werner Fassbinders zeigt Arte fast den ganzen Juni in einer großen Retrospektive neben zwei Dokumentationen zwölf seiner Werke, darunter Die bitteren Tränen der Petra von Kant (11. 6., 21.40) oder Die Ehe der Maria Braun (18. 6., 20.15).

Den Anfang macht heute, Freitag, (20.15) der zweiteilige Science-Fiction-Fernsehfilm Welt am Draht (1973): In den 1970er-Jahren wird ein Supercomputer entwickelt, der die virtuelle Realität einer ganzen Kleinstadt simulieren kann.

In einer komplexen Story rund um diese zweite Realität fragt Fassbinder nach Sein und Schein in virtuellen Welten und der Möglichkeiten des Widerstands gegen Manipulation. Sie finden, das klingt wie die Vorlage für Matrix? Möglich. Auf jeden Fall ist es tiefgründiger als die US-Version. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 7.6.2012)

  • Am 10. Juni 1982 starb Rainer Werner Fassbinder.
    foto: der standard/österreichisches filmmuseum wien

    Am 10. Juni 1982 starb Rainer Werner Fassbinder.

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