Müllabfuhr soll öffentlich bleiben

6. Juni 2012, 15:14
50 Postings

52 Prozent der Österreicher sind gegen Privatisierung, 40 Prozent dafür. Greenpeace kritisiert Handels­ketten ob Missmanagements

Wien - Eine knappe Mehrheit der Österreicher ist gegen eine Privatisierung der öffentlichen Abfallentsorgung und Wertstoffsammlung. 52 Prozent von rund 1.200 Befragten sprechen sich gegen einen Rückzug der öffentlichen Hand aus, 40 Prozent sind dafür und acht Prozent äußerten keine Präferenz. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Gallup-Umfrage im Auftrag der Arge Österreichische Abfallwirtschaftsverbände. Derzeit ist der Großteil der heimischen Abfallentsorgung in kommunaler Hand. Einige private Unternehmen wie Saubermacher, ASA und AVE sind aber im Vormarsch.

Kooperationen mit Privatwirtschaft

Die kommunale Abfallwirtschaft hat die Initiative "Verantwortungsvolles Wertstoffmanagement" (VWM) gestartet, um mögliche Kooperationen mit der Privatwirtschaft auszuloten. Die Rolle der Abfallentsorgung und Mülltrennung werde in Zeiten von knappen Rohstoffen immer wichtiger, erklärte der Obmann der Arge Abfallwirtschaft, Josef Moser, am Mittwoch vor Journalisten in Wien. Das Recyclingsystem könne für Österreich in Europa zu einem Standortvorteil werden. Er sei für eine "funktionelle Privatisierung" von gewissen Aufgaben. Öffentlich und privat passe "gut zusammen".

Für Walter Hochleitner, stellvertretender Obmann des Bundesgremiums Sekundärrohstoff- und Altwarenhandel, müssen die gesammelten Rohstoffe aufbereitet werden, damit diese direkt wieder in der Industrie einsetzbar sind. Es gebe einen Wandel vom reinen Sammeln zum zusätzlichen Aufbereiten. Damit werde die Wertschöpfungskette in Österreich erhöht. Das Recycling von Alteisen spare außerdem sehr viel CO2.

Handelsketten hinten dran

Die Umweltexpertin von Greenpeace, Claudia Prinz, kritisierte, dass die wenigsten heimischen Unternehmen Abfallvermeidung als Ziel hätten. Für sie gebe es "sehr, sehr viel" Handlungsbedarf bei Handelsketten. Im Supermarkt nehme etwa die Verpackung bei Obst und Gemüse zu. Auch im Bereich der Mehrwegflaschen sieht Prinz dringenden Handlungsbedarf.

Für vier von fünf Befragten "gibt es zu viel Abfall in Österreich" und "man sollte beim Einkauf und beim Konsum die persönliche Abfallmenge reduzieren". Am zufriedensten sind die Österreicher mit der Entsorgung bei Altpapier (57 Prozent sehr zufrieden, 31 Prozent Note 2) und bei Müll/Restmüll (52 Prozent sehr zufrieden, 36 Prozent Note 2). Größten Handlungsbedarf gibt es offenbar beim Sperrmüll: 9 Prozent vergaben nur die Note 4 und 4 Prozent der Österreicher sind gar nicht zufrieden mit der Sperrmüll-Entsorgung.

80 Prozent der Befragten bezeichnen die Abfallentsorgung und Mülltrennung als sehr wichtig oder wichtig. Bei den bis 30-Jährigen sinkt die Zustimmung hingegen auf 68 Prozent, für 24 Prozent ist Mülltrennung nur mehr "teils/teils" wichtig. (APA, 6.6.2012)

  • 52 Prozent wollen die Mulltönnchen unter staatlichem Management sehen.
    foto: altstoff recycling austria/arman rastegar

    52 Prozent wollen die Mulltönnchen unter staatlichem Management sehen.

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.