Downgrading für größte Austro-Banken

6. Juni 2012, 13:40
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Moody's stuft Erste, Raiffeisen und Bank Austria herab. Maßgeblich sind risikoreiche Osteuropa-Geschäfte und geringe Eigenkapitalquoten

Frankfurt am Main - Die US-Ratingagentur Moody's hat eine Neubewertung österreichischer Banken vorgenommen und die Bonität der drei größten Banken herabgesetzt. Die Bewertung der Verbindlichkeiten und Einlagen der Raiffeisen Bank International (RBI) und der UniCredit Bank Austria wurde um eine Stufe gesenkt, die der Erste Group Bank AG um zwei Stufen, wie das Unternehmen mitteilte.

Das Downgrade der Kreditwürdigkeit spiegle ihre Anfälligkeit durch ein ungünstiges Umfeld in einigen ihrer Kernmärkte in Zentral- und Osteuropa (CEE/CIS) sowie ein gesteigertes Risiko weiterer "Schocks" in der derzeitigen Euro-Schuldenkrise, hieß es in der Begründung. Die Risiken durch Problemkredite in osteuropäischen Kernmärkten der Austro-Banken bleiben nach Ansicht der Ratingagentur 2012 und darüber hinaus hoch. Von der Herabstufung waren auch deutsche Banken betroffen, darunter die Commerzbank.

Milde Worte von Moody's

In Worten klingt das aber weit milder. "Wir machen auch deutlich, dass wir das Geschäftsmodell der österreichischen Banken mit den osteuropäischen Netzwerkbanken für ein sehr haltbares und profitables Modell halten", sagte der für Österreichs Banken zuständige Moody's-Analyst Mathias Külpmann am Mittwoch.

Die schlechteren Bonitätsnoten der europäischen Banken haben zumindest die im deutschen Leitindex DAX gelisteten Finanztitel am Mittwoch kaum beeindruckt. Vor dem Hintergrund der Euro-Schuldenkrise drängt einem Börsianer zufolge die aktuelle Meldungslage zu Spanien die Moody's-Aktion in den Hintergrund.

Ausblick negativ

Konkret benotete Moody's die RBI mit der Note A2, UniCredit Bank Austria und Erste Group Bank AG wurden mit A3 bewertet. Die US-Agentur setzte zudem den Ausblick für die Bewertung der Verbindlichkeiten und Einlagen sowie des Finanzstärke-Rankings (BFSR) von Bank Austria und Erste auf "negativ". Begründet wurde das im Fall der Bank Austria mit einem negativen Ausblick der Mutter UniCredit. Bei der Ersten verwies Moody's auf ein weniger diversifiziertes CEE-Filialnetz, weswegen sie anfälliger für negative Entwicklungen in einzelnen Ländern wie Rumänien und Ungarn sei. Der Ausblick der RBI wurde hingegen als "stabil" bewertet. 

Geringes Eigenkapital mitschuld

Die Herabstufung der drei Banken wird von Moody's neben den weiterhin hohen Kreditrisiken in ihren Kernmärkten auch mit dem vergleichsweise geringen Eigenkapital begründet. Gemessen an ihren Risiken seien die Bank Austria, die RBI und die Erste schwach kapitalisiert.

Zwar habe es in den vergangen Jahren einige Verbesserungen beim Kernkapital gegeben, doch im Vergleich mit anderen europäischen Banken hätten die drei großen österreichischen Institute für ihre Risikoprofile noch immer zu wenig davon, was sie anfällig für Stress-Szenarien mache.

Im derzeitigen schwierigen wirtschaftlichen Umfeld in Europa sieht die Ratingagentur ein gestiegenes Risiko von plötzlichen Marktbewegungen und Veränderungen im Vertrauen der Investoren. Dies könnte sich auf die österreichischen Banken wegen deren Finanzierungsstruktur auswirken.

Wirtschaftsumfeld im Land positiv

Neben den vielen negativen Elementen erkannten die Bonitätsprüfer aber auch positive Faktoren: Als mildernder Umstand beim Downgrading wirkte demnach das relativ stabile österreichische Wirtschaftsumfeld. Weiters wird für die RBI ins Treffen geführt, dass sie Teil eines starken Genossenschaftssektors sei. Die Erste Group profitiere von der Stärke des Sparkassensektors, und die Bank Austria könne über ihre italienische Mutter UniCredit einen breiteren Zugang zu Finanzierungen aufstellen.

Positiv für das Rating der drei Banken sei auch ihr begrenztes direktes Engagement ("Exposure") in Ländern an der südlichen europäischen Peripherie wie Griechenland und Spanien.

Auch deutsche Banken neu bewertet

Auch die Ratings einiger deutscher Banken waren von einem Downgrading betroffen. Moody's bewertete sieben deutsche Banken und deren Tochtergesellschaften schlechter, darunter Commerzbank, DZ-Bank, Dekabank, die Deutsche Hypothekenbank und einige Landesbanken. (APA/red, derStandard.at, 6.6.2012)

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    Die Banken haben bei den Ratingagenturen auch schon bessere Zeiten gesehen. Die Erste Bank muss ein Downgrade um zwei Stufen hinnehmen, Raiffeisen Bank International und die UniCredit Bank Austria kommen mit einer Stufe davon.

  • Zum Download: Der Kommentar von Moody's zur Herabstufung der österreichischen Banken.

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