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Als der etwas undurchsichtige österreichische Emigrant Karl Postl unter dem Namen Charles Sealsfield 1927 sein einflussreiches Werk Die Vereinigten Staaten von Nordamerika, nach ihren politischen, religiösen und gesellschaftlichen Verhältnissen betrachtet veröffentlichte, war sein "amerikanischer Traum" noch wolkenfrei: "Der rechtliche, kluge und thätige Mann lebt nirgends so gut, so frei, so glücklich, als in Amerika. Der ärmste besser, als der in Europa zwei Stufen höher stehende", schrieb er dort.
Damals war der glühende Antimonarchist noch überzeugt, dass "der Blick nach Amerika zu richten sei, weil es der Blick in die Zukunft der Menschheit ist". Seine erfolgreichen Reiseberichte und Romane beschreiben einen Kontinent, der im Gegensatz zu Europa sowohl gesellschaftlich als auch landschaftlich noch frei, offen und gestaltbar ist.
Während man es in Europa mit seit Jahrhunderten festgefügten gesellschaftlichen Strukturen und eher "fertigen" Landschaften zu tun habe, könne man - so Sealsfields Credo - in Amerika beides noch nach eigenen Vorstellungen und Idealen formen. "Generell wird Amerika bis in die 1920er- Jahre als utopisches Gegenmodell zu Europa imaginiert", erklärt Primus-Heinz Kucher, Germanist an der Uni Klagenfurt. "Der Großteil der Schriftsteller und Intellektuellen, welche damals die USA besuchten, zeichnete ein tendenziell positives Bild der Neuen Welt."
Wie stark Amerika und die Vorstellung davon die österreichische Literatur und Kultur prägten, wird Kucher im kommenden Sommersemester den Studierenden des German Department an der University of Burlington vermitteln. Die Möglichkeit, als "Visiting Professor" sein Wissen über die wechselhafte österreichisch-amerikanische Beziehungsgeschichte in Sachen Kultur auch in den USA weiterzugeben, ist dem neu geschaffenen Botstiber Research Programm zu verdanken, das die Fulbright Commission 2011 erstmals in Form von drei Professuren aus allen mit Austro-American-Studies befassten Wissenschaftsdisziplinen kompetitiv ausgeschrieben hat.
Dass Amerika auch im Werk von österreichischen Autoren eine zentrale Rolle spielt, die selbst nie amerikanischen Boden betreten haben, zeigt sich etwa am unvollendeten Amerika-Roman Der Verschollene von Franz Kafka. Selbst bei ihm bleibt der utopische Glanz der neuen Welt - wenn auch gebrochen - letztlich erhalten.
Er zeichnet das relativ realistische Bild einer beschleunigten Massengesellschaft mit riesigen Städten und Betrieben, Verkehrschaos und Akkordarbeit. Dennoch enden die oft bedrückenden Irrwege des naiven Protagonisten Karl Rossmann durch alle sozialen Klassen mit der Vision einer Gesellschaft, in der jeder willkommen ist: "Was für besitzlose, verdächtige Leute waren hier zusammengekommen und wurden doch so gut empfangen und behütet!", heißt es im letzten Kapitel.
Frühe Globalisierungskritik
Die amerikanische Lebensform und -kultur als Modell einer anderen Moderne bestimmte die "Amerikanismus"-Debatte der 1920er-Jahre auch in Österreich. Während die westliche Zivilisation amerikanischer Prägung mit ihrer Demokratie, der großen Freiheit und den "unbegrenzten Möglichkeiten" einerseits Menschenmassen aus Europa anlockte, sorgte auf der anderen Seite der amerikanische Materialismus mit seinen nicht nur positiven Folgen schon früh für Kritik unter manchen Intellektuellen.
Einer der wichtigsten amerikakritischen Texte in diesem Diskurs war Stefan Zweigs Feuilleton über die von Amerika ausgehende Gefahr der kulturellen Nivellierung. Zweig beschreibt darin 1925 ein "leises Grauen vor der Monotonisierung der Welt", das er auf seinen Amerikareisen empfunden habe. "Alles wird gleichförmiger in den äußeren Lebensformen, alles nivelliert sich auf ein einheitliches kulturelles Schema. Die individuellen Gebräuche der Völker schleifen sich ab, die Trachten werden uniform, die Sitten international. Immer mehr scheinen die Länder gleichsam ineinandergeschoben, die Menschen nach einem Schema tätig und lebendig, immer mehr die Städte einander äußerlich ähnlich."
Jazz als Einfallstor
Ob kulturpessimistische Kritik oder Begeisterung - über allem aber stand das wachsende Interesse der breiten Bevölkerung an der amerikanischen Populärkultur: "Ihr großes Einfallstor nach Europa war vor allem der Jazz", sagt Kucher, denn "diese Musik war die andere Seite der tristen Inflationsrealität, und sie hatte ein enormes erotisches Potenzial. Man denke nur an Josephine Baker, diese Ikone der Jazz-Tanz-Kultur." Sie habe, ebenso wie die neue, ungezügelte Musik selbst, das Amerikabild der Europäer nachhaltig mitgeprägt.
Amerika etablierte sich als dynamisches, zukunftsträchtiges und die Geschlechterbeziehungen und Moralvorstellungen revolutionierendes Gegenmodell im gesellschaftlichen Bewusstsein. In den 1920er-Jahren tourten etliche amerikanische Jazzbands durch Europa, und es erschienen zahlreiche Jazz-Bücher, etwa Hans Janowitz' Jazz oder Joe Lederers Musik der Nacht.
Auch die österreichische Musikproduktion blieb vom Jazz nicht unberührt. So war beispielsweise Ernst Kreneks 1927 uraufgeführte Oper Jonny spielt auf ein Welterfolg, wurde aber in Österreich und Deutschland 1933 von den Nationalsozialisten verboten.
Amerika-Korrespondentinnen wie Ann Tizia Leitich oder Marta Karlweis vermittelten außerdem über österreichische Zeitungen und Magazine ein neues Frauenbild: Amerikanische Frauen galten als beruflich aktiver, ökonomisch unabhängiger, gesellschaftlich respektierter und nicht zuletzt sportlicher. Ein Vorbild für Europäerinnen, die sich in ihrem Kampf um mehr Rechte immer wieder stark an den USA orientierten. (Doris Griesser, DER STANDARD, 6./7.6.2012)
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deren Leitthemen von N. Lenau gesetzt wurden.
Lenau reiste mit grossen Hoffnungen in die USA, war aber bald bitter enttäuscht. Es sprach von "Talergelispel", den "verschweinerten Staaten von Amerika". Sein vernichtenstes Urteil war "Die Nachtigallen singen da nicht".
Freud ergänzte Lenau noch mit einer Dosis Psychoanalyse. "Nirgends wird man von der Sinnlosigkeit des menschlichen Treibens so überwältigt wie dort, wo auch die lustvolle Befriedigung der natürlichen menschlichen Bedürfnisse nicht mehr als Lebensziel anerkannt werden. Es ist eine verückte anale Adlerei".
Er sprach auch gern von "Dollaria".
(P.Gay, Freud: Kapitel "Der häßliche Amerikaner")
1927 war Sealsfield schon 63 Jahre tot, aber dennoch hat er laut Doris Griesser ein Buch veröffentlicht!
Dass er laut Autorin etwas undurchsichtig war, hat wohl mit ihrer Metternich- Hörigkeit zu tun. Vielleicht hat sie sogar mit dem Fürsten gesprochen...
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